Enxhi Seli-Zacharias
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich muss gestehen: Das ist heute wohl das Thema, das mir persönlich am schwersten fällt. Denn ich durfte in den letzten Wochen einen Einblick in etwas erhalten, was in unserer Gesellschaft stattfindet, was mich persönlich immer noch fassungslos macht, was ich einfach nicht für wahr halten kann. 16.07.2026 Das war letztendlich auch der Grund, weshalb ich an meine Fraktion herangetreten bin und gesagt habe: Bitte, bitte, bitte, lasst uns endlich diesen Antrag einreichen. (Sonja Bongers [SPD]: Trotzdem werden wir ihn nicht unterstützen!) Damit Sie verstehen, was ich konkret meine, will ich das einmal kurz für Sie ausführen. Ich habe in den letzten Wochen persönlich vor Ort Prozesse begleitet. Wenn ich „Prozesse“ sage, dann meine ich: Ein Prozess hat besonders viel Aufmerksamkeit bekommen, aber ich habe viele weitere Prozesse begleitet. Dort stand ich den Tätern persönlich gegenüber und konnte ihnen ins Gesicht schauen, während die Staatsanwaltschaft teilweise in etwa anderthalb Stunden die Anklageschriften verlesen hat. Ich konnte diese Personen also persönlich vor Ort beobachten. Und das ist – glauben Sie mir – unfassbar. Es ist wirklich unfassbar. Das hat mir aber in vielen Punkten die Augen geöffnet. Zum einen habe ich gelernt, dass in vielen dieser Prozesse nach Verlesen der Anklageschrift plötzlich nichtöffentlich weiterverhandelt wird. Zum anderen habe ich gelernt, wie diese Szene im digitalen Zeitalter inzwischen organisiert ist. Ich musste tatsächlich persönlich lernen, dass es auf der einen Seite diejenigen gibt, die klassische Kinderschänder sind, die wir heute akademisch „Pädophile“ nennen, und auf der anderen Seite eine nicht unerhebliche Gruppe der sogenannten Selbstfilmer oder Produzenten, die für viel Geld Kinder verkaufen, teils sogar ihre eigenen. Das sind Abgründe, die man eigentlich kaum fassen kann. Aber es passiert mitten unter uns. Ich musste lernen, dass diese Kinderschänder nicht so aussehen, wie wir sie aus Filmen kennen, wie wir sie uns vielleicht gerne vorstellen wollen, wirklich gerne vorstellen wollen. Nein, sie sind super harmlos; sie sehen sogar nett aus, sie sehen völlig unverdächtig aus. Man kann es sich gar nicht vorstellen. Viele von ihnen nehmen morgens vielleicht das eigene Kind entgegen. Sie wissen ja, dass zwei Fälle – der zweite Fall kommt in Kürze – meine Heimatstadt Gelsenkirchen betreffen. Ich selbst habe ein kleines Kind. Deswegen war ich ja auch mit vielen Eltern vor Ort. Der Gedanke, dass du dein eigenes Kind morgens in die Hände dieser völlig freundlichen Person übergibst, macht dich dann doch – selbst wenn man versucht, das alles irgendwie mit Distanz zu betrachten – mehr als betroffen. Man lernt also sehr, sehr viel. Bei all den Dingen, die ich in den letzten Wochen miterlebt habe, gibt es einen Auszug. Mir fällt es zwar schwer, aber ich habe mir vorgenommen, ihn heute hier zu verlesen. Warum? Man weiß ja, was in diesen vielen Prozessen, nachdem die Öffentlichkeit ausgeschlossen wird, vor Landtag Gericht dann eigentlich gezeigt wird. Da geht es darum, dass die Gutachter oder die Ermittler das ganze Material vor Gericht zeigen, also das gesamte Material aufzeigen. Wenn man sich vorstellt, dass es Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die so etwas nicht nur den eigenen Kindern antun usw. usf., sondern auch zum Beispiel Material, wie ich es gleich verlesen werde, in tausendfacher Form bei sich horten, dann fragt man sich ernsthaft: Wo sind wir angekommen? Das, was ich nachfolgend einmal verlesen möchte, verfolgt mich, muss ich ganz ehrlich sagen, immer wieder und jede Nacht. Ich verlese jetzt aus einer Anklageschrift, die einen Fall aus Krefeld betrifft. Ein junger Mann unter 20 hatte Videomaterial und Fotomaterial tausendfach auf seinen Handys. Ein Video, das von den Ermittlern gesichtet und verwertet werden musste, wird wie folgt beschrieben: Ein weiteres Video zeigt ein ca. drei Monate altes weibliches Kleinstkind, das auf dem Rücken liegt. Auf dem Video ist das Kind vom Bauch aufwärts bis zum Kopf erkennbar. Der sichtbare Teil des Kindes ist unbekleidet. Links neben dem Kind befindet sich eine männliche Person, deren Hände und Penis zu erkennen sind. Mit einer ihrer Hände hält die Person den Kopf des Kindes fest, mit der anderen Hand manipuliert die Person an ihrem Glied. Das Kind dreht dauernd den Kopf hin und her und schreit dabei fortwährend. Die mutmaßlich erwachsene Person drückt sodann ihren Penis in den Mund des Kindes. Es ist deutlich zu erkennen, dass sie in den Mund des Kindes ejakuliert. Nachdem die Person ihr Glied aus dem Mund des Kindes genommen hat, ist dessen Gesicht mit Ejakulat bedeckt. Das Video dauert 48 Sekunden. (Zurufe von der SPD) Als ich gelernt habe, dass diese Videos teilweise für bis zu 14.000 Euro im Netz verkauft werden, dass das eine Riesenmaschinerie ist …
