Dr. Patricia Peill
Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Wer heute ein altes Handy in der Schublade liegen hat, besitzt mehr als ein ausgedientes Gerät, er besitzt einen Teil der Rohstoffversorgung von morgen. Darin stecken Gold, Kupfer, Lithium, Kobalt und Seltene Erden, Rohstoffe, die heute wertvoller sind denn je. Deutschlands größtes Rohstofflager liegt längst nicht mehr nur unter der Erde. Es liegt in unseren Schubladen, in unseren Gebäuden und auf unseren Werkstoffhöfen. Trotzdem kaufen wir jedes Jahr neue Rohstoffe auf dem Weltmarkt ein. Ist das nicht paradox? Wir brauchen hier einen Paradigmenwechsel. Früher haben wir in NRW Wohlstand vor allem dadurch geschaffen, dass wir Rohstoffe aus der Erde geholt haben. Morgen werden wir Wohlstand dadurch sichern, dass wir diese Rohstoffe immer wieder in den Kreislauf bringen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Genau darum geht es bei der Circular Economy. Sie ist längst mehr als Umweltpolitik, sie ist moderne Industriepolitik. Sie stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit, erhöht unsere Resilienz und macht uns unabhängiger. Wir erleben doch gerade, wie strategisch Rohstoffe eingesetzt werden. China nutzt Seltene Erden als geopolitisches Druckmittel. Gleichzeitig brauchen wir diese Rohstoffe für Halbleiter, Batterien, Medizintechnik, Windkraftanlagen und auch für moderne Kommunikations- und Verteidigungssysteme im Zeichen der Zeitenwende. Daher lautet die entscheidende Frage: Wie schaffen wir es, die Rohstoffe, die wir bereits besitzen, dauerhaft im Kreislauf zu halten, vor allem im Wirtschaftskreislauf. Nordrhein-Westfalen bringt dafür beste Voraussetzungen mit. Kaum ein anderes Bundesland vereint so viele Wertschöpfungsketten von Chemie über Stahl, Maschinenbau, Automobilindustrie, Bauwirtschaft, Landwirtschaft bis hin zur Bioökonomie. Genau diese Vielfalt eröffnet uns die Chance, Werkstoffkreisläufe zu schließen und Wertschöpfung im eigenen Land zu halten. Deshalb investieren wir seit Jahren gezielt in Forschung, Innovation und industrielle Anwendung. Mit dem Circular Valley in Wuppertal ist ein europaweit beachtetes Innovationsnetzwerk entstanden. Im Rheinischen Revier machen wir zum Beispiel biologisches Rostschutzmittel aus Bestandteilen von Gülle. Beim Batterierecycling werden Lithium, Nickel und Kobalt zurückgewonnen und wieder in die Pro-16.07.2026 duktion zurückgeführt. Unsere Hochschulen entwickeln intelligente Klebstoffe, damit hochwertige Materialien zukünftig sortenrein recycelt werden und nicht verbrannt werden müssen. All diese Beispiele zeigen: Nordrhein-Westfalen verfügt über exzellente Forschung, wirklich sehr innovative Unternehmen und die industrielle Stärke, um diese Unternehmen zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu machen. Mit der Effizienz-Agentur NRW, der Leitstelle zur Circular Economy, zukünftigen guten Förderprogrammen und der kommenden Kreislaufwirtschaftsstrategie des Landes schaffen wir die richtigen Rahmenbedingungen. Damit gehen wir den nächsten Schritt. Es ist unser Anspruch, dass Nordrhein-Westfalen die Circular Economy nicht nur anwendet, sondern gestaltet, und zwar mit Innovation, die hier entwickelt, hier produziert und dann weltweit nachgefragt wird. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Denn die Circular Economy der Zukunft entsteht dort, wo exzellente Forschung auf starke Industrie trifft und durch marktwirtschaftlich organisierte Kreisläufe wirkliche Resilienz erwächst. Deshalb beschleunigen wir Genehmigungen für innovatives Recycling und Kreislaufanlagen. Wir bringen hochwertige Sekundärrohstoffe schneller zurück in den Produktionsprozess, stärken die Rezyklate und kreislauffähigen Produkte auch in der öffentlichen Beschaffung und bringen unsere Erfahrung aktiv in Berlin und sehr stark in Brüssel ein, damit Innovationen schneller ihren Weg dorthin finden können. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Der Rohstoff der Zukunft ist keiner, den wir neu fördern müssen. Es ist der, den wir bereits besitzen. Wenn wir diesen Schatz in NRW heben, stärken wir unsere Wirtschaft, sichern gute Arbeitsplätze, schützen das Klima und Ressourcen und machen Nordrhein-Westfalen wirklich widerstandsfähiger. Denn Rohstoffversorgung von morgen beginnt dort, wo wir die Rohstoffe von heute in einem Kreislauf halten. Genau darin liegt die Chance für unser Industrieland Nordrhein-Westfalen. Darum geht es in dem Antrag, und deswegen bitten wir Sie, zuzustimmen. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
