Christina Schulze Föcking
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir heute über die Novellierung des Kinderbildungsgesetzes sprechen, dann sprechen wir über unsere Jüngsten. Wir sprechen über Kinder, die jeden Tag neugierig die Welt entdecken. Wir sprechen über Eltern, die darauf vertrauen, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind. Wir sprechen über die vielen engagierten Menschen in unseren Kitas, die jeden Tag mit Herz, Geduld und großer Professionalität dafür sorgen, dass genau dies gelingt. Frühkindliche Bildung ist kein Nice-to-Have. Sie ist das Fundament. Sie eröffnet Chancen, stärkt Kinder und entlastet Familien. Deshalb hat sie für uns einen so hohen Stellenwert. (Beifall von der CDU und Mehrdad Mostofiza- deh [GRÜNE]) Das zeigt sich auch ganz konkret. Die Zahl der betreuten Kinder ist in Nordrhein-Westfalen seit 2010 um rund 30 % gestiegen. Die Zahl der Beschäftigten ist im gleichen Zeitraum um nahezu 90 % gestiegen. Die Landesmittel für die frühkindliche Bildung wurden verfünffacht. Allein im Jahr 2026 investiert das Land rund 6,2 Milliarden Euro in die frühkindliche Bildung – so viel wie nie zuvor. Das zeigt: Wir übernehmen Verantwortung und investieren dort, wo Zukunft beginnt. Gleichzeitig wissen wir aber auch: Die Herausforderungen sind groß, und das System ist absolut an die Grenzen gekommen – Betreuungsausfälle, Fachkräftemangel, Bürokratie. Die Beschäftigten wünschen sich vor allem eines: mehr Zeit für die Kinder statt mehr Zeit für Formulare. Genau hier setzt diese KiBiz-Novelle an. Unser Ziel ist klar: Kitas sollen verlässlich arbeiten können, Kinder sollen stabile Beziehungen erleben, Eltern sollen ihren Alltag planen können, und die Beschäftigten sollen die Unterstützung bekommen, die sie für ihre wichtige Arbeit benötigen. Denn gute frühkindliche Bildung braucht vor allem eines: Verlässlichkeit. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Reform ist nicht einzig am Schreibtisch entstanden. Von Beginn an haben wir den Austausch gesucht mit den kommunalen Spitzenverbänden, den Kirchen, den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege und vielen weiteren Akteuren der frühkindlichen Bildung. Es folgten die 15.07.2026 Verbändeanhörungen und die Anhörung im Fachausschuss. Ich war gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen im gesamten Land unterwegs. Wir haben mit den Eltern, den Trägern und Teams in den Kitas gesprochen. Dieser direkte Austausch ist so wertvoll, er ist so wichtig. Das Thema ist emotional und das ist richtig so. Es geht nicht um irgendetwas. Es geht um unsere Kinder. Wir haben zugehört. Wir haben Hinweise aufgenommen. Wir haben dort verbessert, wo Verbesserungen sinnvoll waren. Die Reform steht auf vier starken Säulen: Erstens. Wir stärken die Finanzierung. Wir entwickeln die Finanzierung weiter, gleichen Personalkostensteigerungen künftig früher aus, sichern das Niveau der Kindpauschalen und stellen jährlich zusätzlich 200 Millionen Euro für die Übergangszeit zur neuen Kita-Finanzierung bereit. Hinzu kommt die Kita-Investitionsoffensive in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Zweitens. Wir schaffen mehr Flexibilität. Wir geben vor Ort mehr Gestaltungsspielräume, stärken multiprofessionelle Teams und sorgen dafür, dass Betreuung auch unter schwierigen Rahmenbedingungen verlässlich stattfinden kann. Drittens. Wir bauen Bürokratie ab. Wer in einer Kita arbeitet, soll möglichst viel Zeit für Kinder haben und möglichst wenig Zeit mit Formularen verbringen müssen. Deshalb vereinfachen wir die Dokumentationsund Nachweispflichten, reduzieren Datenerhebungen und streichen unnötige Bürokratie. Viertens. Wir investieren in Personal. Mit der Ausbildungs- und Personaloffensive investieren wir künftig rund 69 Millionen Euro jährlich in Fachkräftegewinnung und -qualifizierung. Gleichzeitig stärken wir die alltagsintegrierte Sprachbildung mit zusätzlichen 50,5 Millionen Euro. Denn Sprache eröffnet Chancen. Sprache ermöglicht Teilhabe. Sprache ist der Schlüssel zu erfolgreicher Bildung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Novelle wird nicht jede Herausforderung von heute auf morgen lösen. Aber sie ist ein wichtiger und verantwortungsvoller Schritt. Diese Novelle ist eine Investition in unsere Kinder und damit in die Zukunft unseres Landes. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
