landtag.nrw.de ↗

Lena Zingsheim-Zobel

GRÜNE 18.06.2026 Sitzungen 18/125

Wer heute Lehrkraft wird, entscheidet sich für einen der wichtigsten Berufe überhaupt. Aber seien wir ehrlich: Viele junge Menschen überlegen inzwischen zweimal, ob sie diesen Weg einschlagen wollen. Nicht weil sie denken, dass der Beruf nichts für sie wäre, sondern weil sie sehen, wie hoch die Belastung an unseren Schulen geworden ist. Deshalb ist die Frage, wie wir Lehrkräfte ausbilden, keine Nebensache. Sie entscheidet darüber, wer morgen die Schüler*innen in Nordrhein-Westfalen auf ihrem Bildungsweg begleitet. Und genau deshalb ist dieser Gesetzentwurf so wichtig und richtig. Er sorgt dafür, dass sich das Lehramtsstudium näher an der Realität des Berufsalltags orientiert. Landtag Wir alle wissen, dass theoretisches Wissen ein wichtiges Fundament dafür ist den Lehrer*innenberuf professionalisiert auszuüben. Aber wir wissen auch, dass es wichtig ist, dieses theoretische Wissen möglichst frühzeitig mit praktischen Inhalten zu verknüpfen. Denn Studierende können erst verstehen, was es bedeutet, vor einer Klasse zu stehen, wenn man zum ersten Mal vor einer Klasse steht, wenn eine Unterrichtsstunde anders läuft als geplant, wenn man erlebt, was es bedeutet, 30 unterschiedliche Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen zu begleiten. Deshalb ist mehr Praxis im Studium so wichtig. Wer früher Einblicke in den Schulalltag bekommt, startet sicherer, realistischer und durch die Verzahnung mit theoretischen Grundlagen besser vorbereitet in den Beruf. Das hilft den Studierenden. Das hilft den Schulen. Und am Ende hilft es vor allem den Schüler*innen. Ebenso richtig ist es, dass der Gesetzentwurf neue Wege und Möglichkeiten für den Einstieg in den Lehrer*innenberuf eröffnet. Der Lehrkräftemangel ist für Schulen längst keine abstrakte Zahl mehr. Er ist an vielen Schulen Alltag. Immer noch fällt zu viel Unterricht aus und Schulleitungen suchen händeringend nach Personal. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich, dass künftig mehr Menschen die Möglichkeit erhalten sollen, ihre Kompetenzen in unsere Schulen einzubringen. Die geplanten Ein-Fach-Formate im Seiteneinstieg können dazu beitragen, qualifizierte Fachkräfte für den Lehrerberuf zu gewinnen. In Zeiten in denen rund 7800 Lehrer*innenstellen nicht besetzt sind, haben wir alle miteinander das große Interesse mehr Menschen ins Lehramt zu holen. Und vielleicht sogar besonders auch die, die sich aus vollster Überzeugung auch erst auf den zweiten Blick für diesen wundervollen Job entscheiden. Gleiches gilt für die erleichterte Anerkennung ausländischer Lehramtsabschlüsse. Während die Schüler*innenschaft in NRW geprägt ist von Vielfalt und Sichtbarkeit, gilt das leider noch zu selten für die Lehrer*innenkollegien. Wir bringen mit der Anerkennung ausländischer Lehramtsabschlüsse also nicht nur mehr Menschen ins System, sondern auch ausdrücklich mehr Perspektiven, Vorbilder und Vielfalt. Das ist, sehr geehrte Damen und Herren, ein überfälliger Schritt, den wir hiermit endlich gehen. Bürokratische Hürden können wir an dieser Stelle nicht gebrauchen, wenn sie verhindern, dass gut ausgebildete Kräfte, die unterrichten wollen, nicht als Lehrkräfte an unsere Schulen können. Für uns gilt: Öffnung und Qualität sind kein Widerspruch. Wir brauchen neue Zugänge in den Beruf, aber wir brauchen gleichzeitig eine hochwertige 18.06.2026 Ausbildung. Beides sichert dieser Gesetzesentwurf ab. Besonders positiv bewerten wir auch die Weiterentwicklung des Lehramts für sonderpädagogische Förderung. Wenn wir Inklusion wollen, braucht es hervorragend ausgebildete Fachkräfte. Die stärkere fachliche Vertiefung eröffnet die Chance, diagnostische Kompetenzen auszubauen und Schüler*innen noch gezielter in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Ich bin selbst sonderpädagogische Lehrkraft geworden mit Bachelor und Master. Ich weiß, wie voll und intensiv das Lehramtsstudium war und freue mich für die vielen angehenden sonderpädagogischen Lehrkräfte, dass hier nun etwas mehr Luft hineinkommt. Wir begrüßen außerdem, dass die berufsbegleitende Ausbildung zum Erwerb des Lehramts für sonderpädagogische Förderung verlängert wird. Viele Schulen profitieren heute bereits von Kolleg*innen, die über diesen Weg für die sonderpädagogische Förderung gewonnen werden konnten. Angesichts des enormen Fachkräftebedarfs wäre es schlicht fahrlässig gewesen, dieses Instrument auslaufen zu lassen. Und auch der Modellversuch für technische Fachrichtungen verdient Aufmerksamkeit. Wenn Hochschulen für angewandte Wissenschaften künftig in bestimmten Bereichen eigene Masterabschlüsse für das Lehramt an Berufskollegs anbieten können, dann erschließen wir neue Potenziale für die Gewinnung dringend benötigter Lehrkräfte. Gerade an Berufskollegs konkurriert das Bildungssystem mit einer Wirtschaft, die technische Fachkräfte ebenfalls dringend sucht. Deshalb müssen wir auch hier neue Wege gehen. So viel Zustimmung von unserer Seite und die gibt es ausdrücklich. Aber wir wissen auch: Schule hat sich verändert. Die Herausforderungen haben sich verändert. Also muss sich auch die Lehrkräftebildung weiter verändern. Denn wenn wir über die Zukunft der Lehrkräftebildung sprechen, dann müssen wir auch darüber sprechen, wie wir die Menschen stärken, die diesen Beruf ergreifen. Lehrkräftebildung muss auch darauf vorbereiten, mit den Belastungen eines anspruchsvollen Berufs gesund umzugehen. Viele Lehramtsstudierende und Lehramtsanwärter*innen erleben hohen Leistungsdruck. Deshalb wünschen wir uns, dass psychosoziale Gesundheit in der Lehrkräftebildung künftig stärker berücksichtigt wird. Und auch das Referendariat, sowie der Übergang vom Referendariat in den Berufsalltag muss noch intensiver in den Blick genommen werden. Der Übergang vom Studium und Referendariat in den Landtag Schulalltag ist für viele ein Sprung ins kalte Wasser.Deshalb brauchen wir eine Weiterentwicklung des Vorbereitungsdienstes und einen Berufseinstieg, der stärker begleitet, besser unterstützt und junge Lehrkräfte nicht gleich zu Beginn ihrer Laufbahn überfordert. Wir hatten spannende Diskussionen in den Ausschüssen und mit Expert*innen. Ich freue mich, dass wir dieses Gesetz jetzt verabschieden und damit Gutes bewirken können. Wir stimmen dem Gesetzesentwurf gerne zu.

Alle Reden von Lena Zingsheim-Zobel Protokoll ↗