Anja Butschkau
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Arbeit ist weit mehr als Broterwerb. Arbeit bedeutet Teilhabe und Selbstbestimmung. Wer arbeitet, erfährt Anerkennung und erhält die Möglichkeit, seine Fähigkeiten und Stärken einzubringen. Genau deshalb müssen Menschen mit Behinderungen die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhalten wie alle anderen auch. Nichts anderes bedeutet Inklusion. (Beifall von der SPD und Daniel Hagemeier [CDU]) Doch die Realität sieht leider noch immer anders aus. Erst in der vergangenen Woche berichtete der WDR eindrücklich über einen Mann, der verzweifelt nach einem inklusiven Arbeitsplatz sucht, der Bewerbung um Bewerbung schreibt und dabei immer wieder auf Unternehmen trifft, die gar nicht wissen, welche Möglichkeiten und Unterstützungsangebote es für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen gibt. Dieses Beispiel steht stellvertretend für viele andere. Mehr als 15 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention sind Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt noch immer benachteiligt. Ihre Erwerbsquote ist deutlich geringer. Sie suchen oft länger nach einer Beschäftigung und stoßen weiterhin auf Barrieren, auf Vorurteile und Unsicherheiten. So bleibt noch immer viel Potenzial ungenutzt. In Nordrhein-Westfalen leben fast zwei Millionen Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung. Es handelt sich um Menschen mit Fähigkeiten, mit Erfahrung und Perspektiven, die etwas beitragen wollen. Doch viel zu häufig werden sie übersehen. Das ist ungerecht und in Zeiten des Fachkräftemangels zudem wirtschaftlich kurzsichtig. Deshalb hat die SPD-Fraktion bereits im vergangenen Jahr einen Antrag zur Stärkung des inklusiven Arbeitsmarkts in Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Kurz darauf folgte ein Antrag der Regierungsfraktionen zu demselben Thema. In der Anhörung im Januar haben uns die Sachverständigen sehr eindrucksvoll bestätigt, wie groß der Handlungsbedarf ist und wie viele Chancen in einem inklusiven Arbeitsmarkt liegen. 18.06.2026 Gerade weil Menschen mit Behinderung häufig darum kämpfen müssen, gehört und gesehen zu werden, freut es mich besonders, dass wir in den jetzigen Beratungen nicht die Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeiten für einen interfraktionellen Antrag der demokratischen Fraktionen gesucht haben. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU) Das ist ein starkes Signal für die Betroffenen und ihre Familien sowie für all diejenigen, die sich jeden Tag für mehr Teilhabe einsetzen. Der heute vorliegende gemeinsame Antrag enthält viele wichtige Bausteine: den Abbau von Barrieren, eine bessere Unterstützung von Arbeitgeberinnen, die Stärkung von Inklusionsbetrieben sowie bessere Übergänge von der Ausbildung in Beschäftigung und von Werkstätten in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Denn der Arbeitsmarkt darf niemanden zurücklassen. Inklusion ist keine Gefälligkeit, sondern ein Menschenrecht. Deshalb wird dieser Antrag nicht das Ende einer Debatte sein, sondern er ist der Ausgangspunkt für weitere Verbesserungen. Heute senden wir gemeinsam eine klare Botschaft: Menschen mit Behinderungen gehören mit ihren Talenten, Erfahrungen und Leistungen selbstverständlich in die Mitte unserer Gesellschaft und damit in die Mitte unseres Arbeitslebens. (Beifall von der SPD) Sie werden gebraucht. Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam und konsequent weitergehen. Ich bitte Sie um Zustimmung. – Herzlichen Dank und Glückauf! Danke schön. (Beifall von der SPD, der CDU und den GRÜNEN)
