Josefine Paul
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! In diesem Jahr begehen wir zum zweiten Mal rund um den 15. Juni den Nationalen Veteranentag. In diesem Jahr steht der Veteranentag unter dem Motto „Veterans, Family & Friends“. Damit rücken neben den Soldatinnen und Soldaten auch diejenigen in den Mittelpunkt, die oftmals das Engagement erst ermöglichen und auch Belastungen mittragen und auffangen. Soldatinnen und Soldaten leisten einen besonderen Dienst für unsere Gesellschaft. Sie übernehmen Verantwortung für die Sicherheit unseres Landes und sie verteidigen unsere Werte. Das ist gerade aktuell sehr wichtig, vielleicht wichtiger als in den vielen Jahren einer europäischen Friedensdividende. Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee, sie ist dem Grundgesetz verpflichtet. Das bedeutet vor allem, dass sie ein Teil unserer Gesellschaft ist. Wir hatten in dieser Woche im Hauptausschuss die Gelegenheit, mit Brigadegeneral Müller ein Gespräch zu führen, und er hat es mit diesen Worten zusammengefasst: Die Bundeswehr ist dort angekommen, wo sie hingehört: in der Mitte der Gesellschaft. (Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN und der CDU) Genau das soll der Veteranentag zum Ausdruck bringen: Wertschätzung und Sichtbarkeit für das Engagement der Soldatinnen und Soldaten, aber auch ihrer Angehörigen und Freunde. Veteraninnen und Veteranen setzen das höchste Gut – ihr Leben und ihre Gesundheit – für die Verteidigung unserer Sicherheit und Freiheit sowie der Werte unserer Gesellschaft ein. In den letzten Jahren ist aber auch immer wieder deutlich geworden, welch wichtigen Beitrag die Bundeswehr bei der Bewältigung von Krisen geleistet hat, ob während des schlimmen Hochwassers oder der Coronapandemie. Für diesen umfassenden Einsatz für unsere Gesellschaft gebührt ihnen unser Dank und unsere Anerkennung. (Beifall von den GRÜNEN, der CDU und der FDP) Der Veteranentag soll aber vor allem auch dazu dienen, die Menschen – ihre Geschichten, Erfahrungen und Beweggründe – in den Mittelpunkt zu stellen. Soldatinnen und Soldaten sind nämlich nicht nur Uniformträger. Sie sind Menschen, die Mütter, Brüder, Freunde oder Nachbarinnen sind. Sie sind Menschen, die Verantwortung übernommen haben. Dafür verdienen sie neben der Anerkennung auch Unterstützung und Fürsorge. Landtag Viele Soldatinnen und Soldaten tragen die Herausforderungen und Belastungen ihres Dienstes noch lange mit sich, gerade dann, wenn sie mit sichtbaren und unsichtbaren Verwundungen aus Einsätzen zurückkehren. Viel zu lange wurden gerade die weniger sichtbaren seelischen Verwundungen tabuisiert; sie blieben verborgen. Dabei ist die mentale und psychische Gesundheit längst ein gesamtgesellschaftliches Thema. Es bedarf an vielen Stellen einer stärkeren Sichtbarkeit, einer Enttabuisierung und Entstigmatisierung sowie einer breiteren Versorgung. Dies gilt selbstverständlich auch für Soldatinnen und Soldaten. Umso wichtiger sind die Netzwerke und Unterstützungsstrukturen, die Veteraninnen und Veteranen sowie ihre Angehörigen unterstützen und begleiten. Wenn wir von Verteidigungsfähigkeit und Resilienz, die gerade in diesen Zeiten notwendig ist, sprechen, dann dürfen wir diese Unterstützung, diese Begleitung und Nachsorge nicht außer Acht lassen. Wir erleben eine neue sicherheitspolitische Realität, und Bedrohungen sind längst nicht mehr abstrakt. Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat uns dies in aller Brutalität vor Augen geführt. Weltpolitisch steht Deutschland – und damit auch die Bundeswehr – vor zahlreichen Herausforderungen. Gleichzeitig beobachten wir, dass Sabotage und Desinformation zu einer Destabilisierung im Inland beitragen sollen. Das rückt die Frage der inneren wie der äußeren Sicherheit und damit auch unseren Blick auf diejenigen, die ihr dienen, neu in den Fokus. Umso wichtiger ist es, Resilienz umfassend zu denken. Die militärische und die zivile Verteidigung müssen in dieser sicherheitspolitischen Lage weiter gestärkt werden. Dazu braucht es Menschen, die diese verantwortungsvollen Aufgaben übernehmen – als Soldatinnen und Soldaten, als Reservistinnen und Reservisten, aber natürlich auch in den anderen Organisationen des Zivil- und Katastrophenschutzes. Ihnen allen gebührt unser Dank, unsere Anerkennung und unsere Wertschätzung. Ihnen gebührt, dass wir diese Wertschätzung am Veteranentag auch hier in Nordrhein-Westfalen mit unserer starken Verbundenheit zur Bundeswehr zum Ausdruck bringen. Ihnen gebührt ebenfalls, dass wir darüber hinaus die konkreten Unterstützungsangebote weiter ausbauen und damit zum Ausdruck bringen, dass unsere Bundeswehr in der Mitte der Gesellschaft steht, dass die Soldatinnen und Soldaten Bürgerinnen und Bürger in Uniform sind und dass wir bei ihrer herausfordernden und verantwortungsvollen Aufgabe an ihrer Seite stehen. – Herzlichen Dank. (Beifall von den GRÜNEN, der CDU und der FDP) 18.06.2026
