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Simon Rock

GRÜNE 18.06.2026 Sitzungen 18/125

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sind uns mit der FDP bei vielen Themen wirklich nicht einig und liegen weit auseinander. Ich will aber an der Stelle ausdrücklich sagen: Hier hat die FDP ein wichtiges Thema gesetzt. Dagegen, Kindern und Jugend-18.06.2026 lichen die unterschiedlichen Aspekte von Finanzbildung näherzubringen, kann wirklich niemand etwas haben. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Es geht um Themen wie Taschengeld, aber auch um Konzepte wie „heute kaufen, später zahlen“. Jeder 20. junge Erwachsene hat Schulden; 7 % in dieser Altersgruppe sind überschuldet. Gleichzeitig boomt „buy now, pay later“. Das Problem ist nicht, dass junge Leute per se nicht mit Geld umgehen können, das Problem ist, dass es ihnen nicht ausreichend erklärt wird: dass Geld auf dem Girokonto oder Sparbuch durch Inflation weniger wird, dass man langfristig für das Alter vorsorgen kann, dass Aktienkurse langfristig steigen, wie ein Kredit funktioniert. Es ist keine Frage von Begabung, sondern es ist eine Frage von Bildung. Da ist noch einiges zu tun; da muss man auch nicht drum herumreden. Es ist aber auch – da hat die Kollegin Kirsch völlig recht – ein Verteilungsproblem in unserer Gesellschaft. Die Hälfte der Menschen hat überhaupt kein Vermögen. An der Stelle ist der Appell, mehr zu sparen, doch eher theoretisch. Die reichsten 10 % der Bevölkerung besitzen mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens; das gehört zur Wahrheit dazu. Richtig ist aber auch: Es ist auch eine Frage von finanzieller Bildung. Wer Geld übrig hat, tut besser daran, langfristig in einen ETF zu investieren, anstatt das Geld auf einem Sparbuch versauern zu lassen, denn mittelfristig steigen Aktienkurse viel stärker, als das ein Festgeld jemals könnte. Dazu gehört auch eine umfassende Finanzbildungsstrategie, übrigens – auch das sei gesagt – nicht nur für Junge, denn Sachen wie Anlagebetrug sowie Fragen rund um Pflege und Erbe betreffen alle Generationen. Da ist der Satz „Man lernt nie aus“ durchaus sehr treffend. Ich will mich aber – und das meine ich ernst – ausdrücklich für diese Initiative bedanken. Ich sage das auch in Richtung von Herrn Witzel. Es lohnt sich mitunter, auf Reizwörter wie „Schuldenbremse“, „Steuersenkung“ und „Grundsteuer“ zu verzichten. Dann kommt auch mal ein vernünftiger Antrag dabei heraus. (Beifall von den GRÜNEN – Lachen von der FDP – Ralf Witzel [FDP]: Alles eine Frage der Perspektive!) Eine Einschränkung muss ich jedoch schon machen. Sie haben es in Ihrem Antrag ja selbst erwähnt: Der Bund hat sich selbst zu einer Initiative „finanzielle Bildung“ verpflichtet. Die Länder haben in der Finanzministerkonferenz einstimmig für eine nationale Finanzbildungsstrategie votiert. Nun sind wir es von der amtierenden Bundesregierung schon gewohnt, dass Prozesse sich mitunter hinziehen wie Kaugummi. Der Herbst der Reform dauert auch schon Landtag etwas länger, als wir es sonst von den vier Jahreszeiten gewohnt sind. (Zuruf von Ralf Witzel [FDP]) Trotzdem sollten wir die Bundesregierung nicht aus der Verantwortung entlassen. Wenn sich Bund und Länder einig sind, dass es eine nationale Finanzbildungsstrategie braucht, dann sollte das auch der erste Schritt sein. Steuern, Girokonto, Altersvorsorge, Kapitalmarkt, Betrugsprävention – keines dieser Themen macht an Bundesländergrenzen Halt, und ein ETF funktioniert im Saarland auch nicht grundsätzlich anders als in Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz. Deshalb ist die richtige Reihenfolge aus unserer Sicht: Erst muss der Bund eine nationale Strategie vorlegen, dann entwickelt das Land eine Strategie, die punktgenau darauf abgestimmt ist. Denn es ist ja nicht so, dass das Land bislang die Hände in den Schoß gelegt hat. Es ist die zweite Schwäche Ihres Antrags, dass Sie das ein bisschen unterschlagen haben. Erst am vergangenen Donnerstag hat Verbraucherschutzministerin Silke Gorißen eine Realschule am Niederrhein besucht. Sie gratulierte dort zur 100. Schülerakademie Finanzkompetenz in Nordrhein-Westfalen. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert die digitale Wirtschaftsbildung der Universität Siegen. Diese bringt im Rahmen dieser Förderung der Landesregierung Schülerinnen und Schülern aus ganz Nordrhein-Westfalen das Thema „Finanzkompetenz“ näher und bietet Schülerakademien an. Die Verbraucherzentrale hat bereits seit 1958, seit ihrer Gründung, die Finanzbildung als eines ihrer Kernthemen im Angebot – zuletzt übrigens verlängert im Jahr 2025 bis ins Jahr 2030 hinein. Das gehört zur Wahrheit auch dazu. (Beifall von Jule Wenzel [GRÜNE]) An allen Schulen in Nordrhein-Westfalen wird Verbraucherbildung fächer- und schulstufenübergreifend unterrichtet, und im Rahmen der Initiative „Fit for life“ wird Schülerinnen und Schülern in Kooperation mit den IHKs Alltagswissen und Handlungskompetenz vermittelt. Das alles zeigt: Es gibt schon eine ganze Reihe von Angeboten, aber – da bin ich komplett bei Ihnen – wir können und müssen uns darüber unterhalten, wie wir diese vorhandenen Angebote besser miteinander verzahnen. Deshalb will ich auch ganz deutlich sagen: Ich bin Ihnen dankbar dafür, dass Sie den Antrag heute in den Ausschuss überweisen lassen. Dort können wir uns in aller Ruhe darüber unterhalten, wie wir weiter damit umgehen. Für heute stimmen wir der Überweisung selbstverständlich sehr gerne zu. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU) 18.06.2026

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