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Dr. Gregor Kaiser

GRÜNE 17.06.2026 Sitzungen 18/124

In Nordrhein-Westfalen besitzen rund 240.000 Menschen einen Fischereischein. Viele von ihnen sind in Vereinen und Fischereigenossenschaften vor Ort organisiert und begehen nicht nur ihr Hobby, sondern sind auch ehrenamtlich in Naturschutz und Umweltbildung unterwegs. Dafür an dieser Stelle erst einmal herzlichen Dank. Mit der hier zur Debatte stehenden Novelle des Landesfischereigesetzes modernisieren wir das Fischereischeinwesen in Nordrhein-Westfalen nun grundlegend und bringen es endlich in das digitale Zeitalter. Dass Bürgerinnen und Bürger regelmäßig zum Amt müssen, um einen Fischereischein zu verlängern, der im Kern immer wieder auf denselben Voraussetzungen beruht, passt nicht mehr in die Zeit und in eine moderne Verwaltung. Mit diesem Gesetz schaffen wir deshalb den digitalen Fischereischein. Anträge können künftig online gestellt und die Nachweise sowie die Zahlung digital erbracht werden. Zudem wird der Fischereischein künftig auf Lebenszeit erteilt. Somit entfallen regelmäßige Verlängerungen. Das ist eine konkrete Entlastung für Anglerinnen und Angler – und langfristig auch für unsere Städte und Gemeinden. Die Bündelung der technischen Zuständigkeiten beim Landesamt für Verbraucherschutz und Ernährung (LAVE) ist der Schritt, der Kommunen entlasten soll. IT-Sicherheit und Registerführung werden zentral organisiert. Vor Ort bleibt aber weiterhin die Möglichkeit erhalten, den analogen Weg über die Stadt oder Gemeinde zu nutzen. Digitalisierung darf nämlich nicht bedeuten, Menschen auszuschließen. Sie muss Verfahren einfacher machen. Ein zweiter wichtiger Punkt dieser Novelle betrifft junge Menschen. Wir wollen Kindern und Jugendlichen einen einfacheren Zugang zur Fischerei ermöglichen. Der bisherige Jugendfischereischein entfällt. Junge Menschen zwischen 10 und einschließlich 15 Jahren können künftig gemeinsam mit einer sachkundigen Begleitperson angeln – ohne zusätzliche Anträge und Gebühren. Landtag Das ist aus meiner Sicht genau der richtige Ansatz. Denn Angeln ist viel mehr als nur der Fang eines Fisches. Es bedeutet Naturerfahrung. Es bedeutet, Gewässer kennenzulernen. Es bedeutet, ökologische Zusammenhänge zu verstehen. Viele Menschen, die sich heute für Gewässer- und Artenschutz engagieren, haben ihren ersten Zugang zur Natur über genau solche praktischen Erfahrungen gefunden. Gleichzeitig sorgen wir dafür, dass Sachkunde vermittelt wird und Verantwortung erhalten bleibt. Kinder und Jugendliche angeln weiterhin nur begleitet von Personen mit Fischereischein. Und wir gehen mit unserem Änderungsantrag noch einen weiteren Schritt: Wir senken das Mindestalter für die Fischerprüfung von 14 auf 12 Jahre. Die Anhörung im zuständigen Umweltausschuss hat deutlich gezeigt: Dafür gibt es viel Unterstützung. Wer früh Interesse entwickelt und die notwendige Sachkunde nachweisen kann, soll diese Möglichkeit auch bekommen. Bei aller Digitalisierung dürfen wir aber eines nicht vergessen: Fischerei bedeutet Verantwortung gegenüber unseren Gewässern und Lebewesen. Wer angelt, muss wissen, wie man verantwortungsvoll mit Fang, Betäubung und Tötung umgeht. Deshalb ist für uns klar: Nach der Digitalisierung muss der nächste Schritt die Weiterentwicklung der Ausbildung und der Fischerprüfung sein. Schon heute gehören Artenkenntnis, Fangmethoden, Fischereirecht und Tierschutz zur Prüfung. Aber gerade der praktische Umgang am Gewässer kann weiter gestärkt werden. Den Vorschlag der Fischereiverbände für einen verpflichtenden Praxistag sehen wir deshalb ausdrücklich positiv. Theorie ist wichtig, aber wer später am Gewässer Verantwortung übernimmt, sollte auch praktisch gelernt haben, wie man Fischarten erkennt, Fanggeräte sicher nutzt und tierschutzgerecht handelt. Daher begrüßen wir sehr, dass bis zum Herbst 2027 ein solcher Praxistag vor einer Fischereischeinprüfung für alle eingeführt werden soll. Heute schaffen wir die Grundlage für ein modernes, digitales und bürgerfreundliches Fischereischeinwesen. Wir reduzieren Bürokratie, erleichtern jungen Menschen den Einstieg und behalten gleichzeitig Sachkunde und Verantwortung im Blick. Deshalb stimmen wir dieser Novelle zu.

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