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Benjamin Rauer

GRÜNE 17.06.2026 Sitzungen 18/124

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Der Übergang von Schule in Ausbildung, Studium oder Beruf gehört zu den wichtigsten Phasen im Leben junger Menschen. Hierfür braucht es Orientierung, denn wer seine Stärken entdecken kann und frühzeitig eine Perspektive entwickelt, hat deutlich bessere Chancen auf einen erfolgreichen Start ins Berufsleben. Es ist wichtig, dass wir über Berufsorientierung sprechen, auch wenn wir das Thema bereits in einer 17.06.2026 Aktuellen Stunde der letzten Plenarwoche diskutiert haben. Ja, wir müssen junge Menschen bestmöglich auf ihrem Weg begleiten. Ja, wir müssen alles daran setzen, dass niemand nach der Schule ohne Perspektive bleibt. Liebe Kolleginnen und Kollegen der FDP, aus einer richtigen Problembeschreibung folgt aber noch lange nicht die richtige Lösung, denn genau an diesem Punkt überzeugt Ihr Antrag nicht. Sie stellen mit „Kein Abschluss ohne Anschluss“ – kurz: KAoA – das bewährte Übergangssystem unseres Landes grundsätzlich infrage. Dabei ist KAoA gerade die Struktur, die seit Jahren dafür sorgt, dass Berufsorientierung nicht dem Zufall überlassen wird. Bereits ab Klasse 8 erhalten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Potenziale kennenzulernen, Berufsfelder zu erkunden, Praxiserfahrung zu sammeln und sich systematisch mit ihrer beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen. Natürlich wissen wir, dass sich die Arbeitswelt verändert. Berufsorientierung muss sich weiterentwickeln. Sie muss praxisnah, modern und flexibel sein. Aber eine Weiterentwicklung bedeutet nicht, funktionierende Strukturen einzureißen. Genau das schlagen Sie aber vor, wenn Sie fordern, KAoA ab 2028 nicht mehr fortzuführen. Schulen, Kommunen, Bildungsträger, Kammern, Betriebe und viele weitere Partner*innen arbeiten seit vielen Jahren mit diesem System. Tausende junge Menschen profitieren davon. Wer ein solches landesweites Angebot beenden will, muss genau erklären können, was stattdessen kommen soll. Sie schlagen sogenannte regionale Kompetenzzentren vor. Die stärkere Einbindung von Kammern, Betrieben und weiteren Akteuren ist selbstverständlich sinnvoll, aber dafür brauchen wir doch keine neuen Parallelstrukturen. Kommunale Koordinierungsstellen leisten bereits heute genau diese Vernetzungsarbeit. Wenn wir die regionale Zusammenarbeit stärken wollen, sollten wir bestehende Strukturen weiterentwickeln und nicht neue Verwaltungsebenen schaffen. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU) Bemerkenswert ist: Sie kritisieren Bürokratie und schlagen gleichzeitig den Aufbau neuer Strukturen vor. Sie fordern Vereinfachung und schaffen zusätzliche Organisationsformen. Sie sprechen von Effizienz und wollen funktionierende Netzwerke durch Neues ersetzen. Die Potenzialanalyse hat die Aufgabe, Stärken, Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler mit Blick auf den weiteren Bildungsweg sichtbar zu machen. Eine Ausweitung auf ein umfassendes Lebenskonzept erscheint uns weder fachlich klar definiert noch für die Berufsfindung zwingend erforderlich. Wenn wir den Fokus auf das Landtag Wesentliche verlieren, verlieren wir auch die notwendige Klarheit und Verbindlichkeit. Digitale Angebote sind eine sinnvolle Ergänzung. Genau deswegen gibt es diese bereits durch freie Anbieter. Aber keine App der Welt ersetzt persönliche Beratung, praktische Erfahrung im Betrieb oder die Begleitung durch Fachkräfte vor Ort. Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen, Nordrhein-Westfalen braucht starke Berufsorientierung. Nordrhein-Westfalen braucht mehr Praxisnähe in der Schulzeit. Nordrhein-Westfalen braucht weniger Bürokratie und eine gute regionale Zusammenarbeit. Nordrhein-Westfalen braucht aber keinen Strukturbruch sowie neue Parallelstrukturen. Wir brauchen die Weiterentwicklung von KAoA und die Stärkung bestehender Netzwerke als verlässliche Unterstützung junger Menschen. – Vielen Dank. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU)

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