Lena Teschlade
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die FDP-Fraktion greift hier ein wichtiges Thema auf. Es wirkt im Bereich „Arbeitsmarktpolitik“ aber immer ein bisschen so, als ob die FDP schaut, was wir machen, und dann kurz danach etwas Eigenes auf den Weg bringt, um auch in der Debatte vorzukommen. Deshalb wirken die Inhalte manchmal auch nicht ganz ausgereift und lassen eine gewisse Fachlichkeit vermissen. Die SPD-Fraktion hat den Antrag für die Schülerdatenübermittlung gestellt, und erst im letzten Plenum haben wir die Aktuelle Stunde zu den dramatischen Zahlen in dem Bereich gehabt, weil wir als SPD dazu eine Kleine Anfrage gestellt hatten und mit der Beantwortung nicht so ganz einverstanden waren. Wir haben dabei das Vorgehen der Landesregierung massiv kritisiert. Mit dem vorliegenden Antrag werden durchaus einige richtige Punkte angebracht. Der Idee eines Universitätspraktikums kann ich zum Beispiel durchaus etwas abgewinnen. Die Zahl der Studienabbrüche ist hoch, und das betrifft nicht nur die Wahl des Fachs, sondern auch die Anforderungen an das Studienfach. Die Ansprüche an Eigenmotivation und Selbstorganisation sind dort anders als in einer Ausbildung. 17.06.2026 Deshalb halte ich es für sinnvoll, nicht nur für dringend benötigte Fachkräfte in Ausbildungsberufen zu werben, sondern auch die Anforderungen eines Studiums realistisch darzustellen. Bei einem Punkt macht die Antragsstellerin aber denselben Fehler wie diese Landesregierung. Sie verkennen den Wert des wichtigen Instruments „Kein Abschluss ohne Anschluss“. (Beifall von der SPD) Die älteren Evaluationsberichte zeigen, dass im Jahr 2020/2021 ca. 145.000 Schülerinnen und Schüler in der Jahrgangsstufe 8 an der Potenzialanalyse teilgenommen haben. Das entspricht 92 % der Schulen, die sich am Monitoring beteiligt haben. Vor der Pandemie waren es sogar 97 %. Genau dieser wichtige Punkt der Potenzialanalyse ist jetzt in den ESF verschoben worden. Das ist das, was wir schon die ganze Zeit kritisieren. Auch die Berufsfelderkundung war bei der letzten Erhebung vor der Pandemie mit über 150.000 teilnehmenden Schülerinnen im Jahr 2018/2019 ein großer Erfolg – und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem vielfältigen Erfolgsprojekt. Besonders prekär ist, dass die Landesregierung aktuell aber nicht einmal weiß, wie viele angebotene Maßnahmen sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmer es in den letzten Jahren gab. Auch das haben wir durch eine kürzlich gestellte Anfrage herausgefunden. Das ist genau das Problem: Wir brauchen eine Evaluation, und wir brauchen diese Zahlen; auch das fordern wir als SPD-Fraktion immer. (Beifall von der SPD) Deshalb sind Ihre Ausführungen, liebe Frau Kollegin Schneider, an dieser Stelle wirklich falsch, weil das, was Sie gerade gefordert haben und was Sie jetzt angeblich neu machen wollen, bereits Bestandteil von KAoA und genau das ist, was so erfolgreich ist. Insofern ist das keine neue Forderung, die Sie haben. Ich empfehle, sich wirklich noch einmal mit dem Programm auseinanderzusetzen. (Zuruf von Susanne Schneider [FDP]) Es stimmt aber trotzdem, dass KAoA aktuell nicht mehr allen Anforderungen gerecht wird, weil diese sich in den letzten fünf Jahren natürlich geändert haben. Das ist völlig klar, und das sagen wir auch als SPD sehr deutlich. Deshalb sagen wir immer: Wir brauchen eine Evaluation, wir brauchen eine Weiterentwicklung der Instrumente. – Wir halten es aber für völlig falsch, dieses wichtige Programm jetzt in den ESF zu schieben, weil jetzt viele Träger sagen, sie würden es in Zukunft nicht mehr umsetzen, und damit geht uns eine wichtige Säule verloren. (Beifall von der SPD) Landtag Genau das können wir uns weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich leisten. Denn jeder junge Mensch, der den Anschluss verliert, ist einer zu viel. Das gilt für die Betroffenen selbst, aber auch für unseren Arbeitsmarkt, der händeringend Fachkräfte sucht. Viele junge Menschen brauchen im ersten Schritt mehr Unterstützung, um den passenden Weg für sich zu finden. Deshalb wiederhole ich an dieser Stelle noch einmal unsere zentralen Forderungen: Es braucht erstens eine verbindliche und qualitativ hochwertige Berufsorientierung, zweitens eine stabile und auskömmliche Finanzierung von KAoA, drittens gezielte Unterstützung durch Coaching, Mentoring und verlässliche Begleitung für diejenigen, die mehr Hilfe benötigen, sowie viertens eine enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Betrieben, Jugendhilfen und der Arbeitsagentur, damit Übergänge gelingen können. (Beifall von der SPD) Wir dürfen nicht so tun, als gäbe es den einen richtigen Weg für alle. Die Realität ist: Manche Junge brauchen viel Unterstützung, andere brauchen Zeit, Orientierung und Unterstützung, und wieder andere geraten aus ganz unterschiedlichen Gründen ins Straucheln und sind auf intensive Begleitung angewiesen. Für all diese Gruppen brauchen wir passende niedrigschwellige Angebote. Genau hier liegt der eigentliche Handlungsauftrag an die Politik: Es reicht nicht, immer neue Anforderungen zu formulieren oder über Sanktionen zu diskutieren; wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass junge Menschen ihren Weg überhaupt finden können. Dazu gehören gute Berufsorientierung, echte Einblicke in Ausbildung und Studium, aber eben auch persönliche Begleitung für diejenigen, die sie brauchen. Der Überweisung in den Ausschuss stimmen wir selbstverständlich gerne zu und freuen uns auf die Diskussion. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)
