Markus Höner
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das ist jetzt ein Landtag ganz anderes Thema. Nichtsdestotrotz ist es uns genauso wichtig. Es geht um die Schadnagerbekämpfung. Es geht darum, dass Schadnager überall auftreten, überall da, wo Nahrung, Abfälle, Wasser, Wärme und Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sind, in Städten und Gemeinden in Kanälen, in Gewässern, in Lebensmittelbetrieben, in Lager- und Vorratsräumen und natürlich auch in Höfen, in Ställen, auf landwirtschaftlichen Betrieben, in den Futtermittellagern. Sie übertragen Krankheiten, sie verunreinigen Vorräte, sie verursachen erhebliche Schäden an Gebäuden, Leitungen, Technik und Infrastruktur. Schadnager sind kein Thema für Panik, aber auch kein Thema für Verharmlosung. In den grünen Berufen sind die Herausforderungen ähnlich groß. In den grünen Berufen geht es um betriebliche Hygiene, um Seuchenprävention, um Lebensmittelsicherheit. Eine wachsende Population an Schadnagern ist ein Gesundheitsrisiko. Es droht eine Futtermittelbelastung, aber ganz besonders gerade in der heutigen Zeit auch eine Seuchenübertragung. Laut Industrieverband Agrar entsteht bundesweit ein Schaden im Jahr von rund 100 Millionen Euro nur an Vorräten in den Betrieben. Allein in Nordrhein-Westfalen haben wir geschätzt ca. 50 Millionen Ratten. Jetzt stellt man sich die Frage: Wofür brauchen wir diesen Antrag? Wir brauchen diesen Antrag, damit langfristig Rodentizide – unter strengen regulatorischen Anforderungen – auf den Betrieben der grünen Berufe zum Einsatz kommen können. Dafür lohnt sich heute auch dieser Einsatz. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Der Anwendungskreis reduziert sich durch die aktuelle Gesetzgebung zukünftig sehr stark. Und genau aus dem Grunde wollen wir auch handeln. Wie wollen wir handeln? Es ist relativ klar, dass heute schon in der landwirtschaftlichen und in der gartenbaulichen Ausbildung viele Grundlagen dafür gelegt werden. Es geht um Hygienebetriebsmanagement, es geht um sicheren Umgang mit Betriebsmitteln, es geht um den sicheren Umgang mit der Schadnagerbekämpfung. Das heißt, es ist heute schon Bestandteil der Ausbildung in den grünen Berufen, sich mit der Schadnagerbekämpfung intensiv auseinanderzusetzen. Es geht darum, dass in den Betrieben die Grundlagen für Hygiene, für Tiergesundheit und für Betriebssicherheit gelegt werden. Die vorhandenen fachlichen Grundlagen können gezielt genutzt, ergänzt und jetzt rechtssicher anerkannt werden. Und genau das ist unser Ziel. Genau das wollen wir umsetzen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Schon heute haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Betrieben der grünen Berufe einen Sachkundenachweis Pflanzenschutz. Den erzielen sie, indem sie in ihrer Ausbildung die Fähigkeiten dazu 17.06.2026 erwerben, mit diesen Gefahrenstoffen umzugehen. Und wir wollen nichts anderes machen, als dieses etablierte System weiter zu stärken. Es ist behördlich kontrolliert. Es ist behördlich anerkannt. Es gibt eine Fortbildungsverpflichtung, und die ist sehr praxisnah. Wenn wir über Bürokratieabbau, über Bürokratierückbau sprechen, dann ist das genau der Punkt, an dem wir ansetzen möchten. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Uns geht es darum, keine Parallelstrukturen aufzubauen, sondern das vorhandene System zu nutzen, es zu stärken, die Fortbildungsintervalle weiter zu stärken und rodentizid-spezifische Inhalte weiter in den Fortbildungslehrgang einzubringen, sodass wir in den regelmäßigen Fortbildungen darauf zurückgreifen können. Es geht darum, dass wir langfristig fachlich ausgebildete Personen haben, die behördlich kontrollierte Sachkunde haben und einen regelmäßigen Fortbildungsintervall durchleben müssen. Das ganze Thema haben wir im Plenum auch schon einmal besprochen. Es war ein Antrag vom 30.09. Ich erinnere mich ganz gut: Es war die letzte Rede vom Kollegen Nolten, der zu diesem Thema bereits gesprochen hat, und die FDP hat einen Antrag dazu gestellt. Dieser Antrag hatte aber die falsche Schlagrichtung, weil er nur Richtung Privatanwendung und Monitoring ging. Lieber Dietmar Brockes, da muss man sich wirklich die Zeit nehmen: Monitoring, um die Entwicklung der Population festzustellen, brauchen wir zurzeit nicht. (Beifall von der CDU und von Norwich Rüße [GRÜNE]) Auch die Privatanwender sind für uns, ehrlich gesagt, die falschen Adressaten. Wir wollen dahin gehen, wo die Betriebe aktiv in der Fortbildung sind, wo ein gesichertes System dahinter steht, wo wir unsere Betriebe stärken können, und das soll jetzt umgesetzt werden. Vielleicht abschließend noch einmal ganz kurz zum AfD-Änderungsantrag. Da es hier um die Anerkennung des Sachkundenachweises geht, ist das Ratting nicht so schwerwiegend, dass wir damit unseren Antrag verwässern wollen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
