Dr. Patricia Peill
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin ein bisschen überrascht über die Wendung hinsichtlich Ihres Antrags, weil das mit dem, was Sie uns als Antrag vorgestellt haben, ziemlich wenig zu tun hat. Stellen wir uns mal vor, dass uns im Jahr 2050 unsere Kinder und Enkel sagen: Ihr wusstet doch, dass Hitzewellen häufiger werden. Ihr wusstet doch, dass Starkregenereignisse zunehmen. Ihr wusstet doch, dass Städte, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen besser geschützt werden müssen. Warum habt ihr damals eigentlich die ganze Zeit darüber gestritten, ob man Vorsorge treffen sollte? (Dr. Christian Blex [AfD]: Sie glauben doch selber nicht, was Sie da erzählen!) Genau diese Frage wird uns die nächste Generation stellen. Deshalb verwundert mich Ihr Antrag ganz besonders. Er erweckt den Eindruck, als sei mit der Kritik an einem einzelnen Klimaszenario die gesamte Klimaforschung widerlegt. Das ist wissenschaftlich schlicht falsch. Ja, RCP8.5 gilt heute nicht mehr als wahrscheinliches Szenario, aber daraus folgt weder, dass der menschengemachte Klimawandel nicht stattfinden würde, noch dass Klimaanpassung überflüssig wäre. Die internationale Klimaforschung arbeitet natürlich mit unterschiedlichen Szenarien, aber in einem Punkt sind sich alle einig: Wir müssen uns auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der SPD und der FDP) Ich kann nur feststellen: Die AfD bekämpft hier ein Strohmann-Argument. Sie diskutiert über ein einzelnes Szenario und tut so, als würde die gesamte wissenschaftliche Erkenntnis damit zusammenbrechen. Landtag Das Gegenteil ist richtig: Klimaanpassung ist keine Ideologie, Klimaanpassung ist Risikovorsorge. Niemand baut einen Deich, weil er weiß, wann die nächste Flut kommt, nein, man baut ihn, weil man weiß, dass das Risiko dafür besteht. Genauso handeln wir beim Hochwasserschutz, beim Hitzeschutz und beim Schutz unserer Infrastruktur. Wir alle erinnern uns an die Flutkatastrophe im Juli 2021; es ist fast genau fünf Jahre her. Bitte fragen Sie doch mal die Menschen in der betroffenen Region, denn die wissen: Vorsorge ist keine Theorie. Vorsorge rettet Leben.
