Josef Neumann
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Rauchen ist Sucht, Nikotin schafft Sucht, und Nikotinersatzstoffe schaffen ebenfalls Sucht. Den Einstieg von Kindern und Jugendlichen in diese Sucht gilt es zu begrenzen, einzuschränken, zu verhindern. Lassen Sie mich mal ein paar Jahre zurückblicken. Im Jahr 2012 wurde in diesem Parlament die Einführung des Nichtraucherschutzes in Nordrhein-Westfalen vehement diskutiert und der Nichtraucherschutz dann umgesetzt. Das war die Zeit – für alle, die damals noch nicht im Landtag waren –, in der man in den Büros hier noch geraucht hat. Das war die Zeit, in der man in Gaststätten, in Restaurants, in Zügen und sonst wo geraucht hat. Das war ein ganz normaler Vorgang. Ich erinnere mich daran, dass, als dieses Thema hier aufgenommen wurde, in einigen Clubs und Gaststätten in Wuppertal Fotos von Bell, Bialas und Neumann mit der Überschrift waren: Und die sind für Nichtraucherschutz. – Ja, das waren wir, und wir sind stolz darauf. Landtag Wenn man heute eine Besuchergruppe von jungen Menschen hier im Landtag hat und über den Nichtraucherschutz spricht, den wir damals umgesetzt haben, dann gucken dich alle an und denken: Was erzählt der eigentlich? So selbstverständlich ist das geworden. Das Abendland ist nicht untergegangen. Deutschland existiert noch immer. (Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Ge- sundheit und Soziales: Aber viele Eckkneipen nicht mehr!) Es gibt noch immer Restaurants und Gaststätten. Das glaubte keiner, aber das war die Debatte von damals. Gesundheit, Rauchen und die gesellschaftlichen Kosten müssen wir zusammen betrachten. Rauchen verursacht gesellschaftliche Kosten von insgesamt mehr als 100 Milliarden Euro im Jahr, und zwar nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch dadurch, dass Menschen längerfristig ausfallen, wo dann der Arbeitgeber oder Sonstige die Kosten zu tragen haben. Insofern ist der heutige Antrag sehr wichtig. Die SPD wird ihm auch zustimmen, weil wir glauben, dass er die konsequente Weiterentwicklung dessen ist, was wir als Nichtraucherschutz in Nordrhein-Westfalen gemeinsam in den letzten Jahren und Jahrzehnten auf den Weg gebracht haben. Die Zigaretten- und Tabakindustrie ist, wie wir wissen, sehr kreativ und innovativ. Die neuen Vapes und alles, was darum herum in den letzten Jahren und Jahrzehnten erfunden wurde, werden als modern, geil, sexy, super verkauft. Wir wissen aber, dass am Ende des Tages dadurch die Gesundheit von jungen und älteren Menschen gefährdet wird. Deshalb ist es wichtig, auf diese Entwicklungen einzugehen. Es ist vor allem wichtig, wenn es um junge Menschen geht. Kollege Schmitz und Kollegin Thoms haben es bereits ausgesprochen. Es ist wichtig, dass wir die Sprache und die Medien verwenden, in denen wir auch junge Menschen erreichen. Da geht es nicht nur um das Papierstück, mit dem man was mitteilt, Social Media und alle Kampagnen, die dazu gehören, sind aus unserer Sicht ebenfalls sehr wichtig. Das sollten wir gemeinsam angehen. Wir haben eine Verantwortung für junge Menschen, und die Verantwortung geht so weit, zu sagen: Da, wo Gesundheit gefährdet ist, müssen wir es nicht nur deutlich sagen, sondern wir müssen diese Gesundheitsgefährdung auch ausschließen, auch dann, wenn andere sagen: Es ist geil und sexy. – Das ist ein Widerspruch, aber in der Verantwortung stehen wir alle, die schon ein paar Tage älter sind und wissen, was Rauchen bedeutet. Die Bilder, die heute auf vielen Zigarettenschachteln sind, zeigen ja sehr deutlich, was es bedeutet. Trotz allem rauchen Menschen weiter, weil sie dieser Sucht unterliegen. 08.05.2026 In diesem Sinne: Es ist wichtig, den Nichtraucherschutz auch bei E-Zigaretten umzusetzen. Es ist wichtig, die Gesundheit von jungen Menschen zu schützen. Das ist eine sehr große Herausforderung. Sucht ist nicht einfach zu bekämpfen, aber mit jeder verhinderten Sucht haben wir gewonnen. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD, der CDU und den GRÜNEN)
