Benjamin Rauer
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! 32.809 junge Menschen in Nordrhein-Westfalen verlassen die Schule ohne konkrete Perspektive für Ausbildung, weiterführende Schule oder Arbeit – 32.809 junge Menschen, die nicht wissen, wie es weitergeht. Ich glaube, wir sind uns alle einig: Das dürfen wir niemals einfach hinnehmen. Denn hinter jeder Zahl steckt ein Mensch – ein junger Mensch mit Hoffnung, mit Talenten, mit Fähigkeiten und auch mit der Sorge, keinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Deshalb ist es richtig, dass wir heute über dieses Thema sprechen. Aber wenn wir über Probleme sprechen, sollten wir auch ehrlich sein und schauen, wo bereits gehandelt wird und wo wir gemeinsam besser werden können. Liebe Kolleginnen und Kollegen der SPD, Sie tun heute wieder so, als würde Nordrhein-Westfalen tatenlos zuschauen. Aber das stimmt schlicht nicht. Denn erst dank des vom Land eingeführten Schülerinnen- und Schülerdatenübermittlungsgesetzes wissen wir genauer, welche Jugendlichen am Ende ihrer Schulzeit noch keine Anschlussperspektive haben. Genau das ist doch entscheidend: hinschauen statt wegschauen, frühzeitig erkennen, wer Unterstützung braucht, und dann handeln. Denn niemandem hilft es, wenn wir erst dann reagieren, wenn junge Menschen längst durch das Raster gefallen sind. Mit der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“, kurz KAoA, arbeiten wir seit Jahren genau daran, Jugendliche frühzeitig zu begleiten, Perspektiven zu schaffen und Übergänge verlässlich zu organisieren. Das beginnt nicht erst kurz vor Schulabschluss, sondern bereits ab Klasse 8 – mit Potenzialanalysen, mit Berufsfelderkundungen, mit Praktika, mit echter Berufsorientierung. Denn viele junge Menschen wissen gar nicht, welche Möglichkeiten sie überhaupt haben. Gerade deshalb brauchen sie Orientierung, Begegnung mit Betrieben und Menschen, die ihnen etwas zutrauen. 07.05.2026 Nicht jeder Weg verläuft gerade; nicht jede Bewerbung klappt sofort; nicht jede Familie kann unterstützen. Deshalb braucht es dort, wo Jugendliche keinen Anschluss finden, besondere Unterstützung. Genau dafür haben wir die Verantwortungskette geschaffen. Das bedeutet: Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsschule 10, die noch keine Anschlussperspektive haben, werden nicht alleingelassen. Schulen, Arbeitsagenturen, Kommunen und Betriebe arbeiten gemeinsam daran, Lösungen zu finden und die betroffenen Schülerinnen und Schüler erfolgreich zu vermitteln. (Frederick Cordes [SPD]: Na, dann haben wir ja keine Probleme!) Das ist wichtig. Denn junge Menschen brauchen keine Bürokratiewarteschleife. Sie brauchen Menschen, die Verantwortung übernehmen. Besonders wichtig ist dabei auch der Blick auf diejenigen, die es auf dem Arbeitsmarkt oft schwerer haben als andere, Jugendliche mit Behinderungen zum Beispiel. Mit KAoA-STAR sorgen wir dafür, dass sie frühzeitig begleitet werden – individuell, verbindlich und mit Unterstützung direkt in den Schulen. Integrationsfachdienste helfen dabei, Kontakte zu Betrieben aufzubauen und konkrete Wege in Ausbildung und Arbeit zu eröffnen. Für neu zugewanderte Jugendliche schaffen wir mit KAoA-kompakt gezielte Angebote für junge Menschen, die erst spät in das deutsche Schulsystem gekommen sind. Denn Integration gelingt nicht durch schöne Sonntagsreden. Integration gelingt durch Sprache, Bildung, Ausbildung und echte Chancen. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU) Genau deshalb investieren wir auch in Programme wie „Ausbildungswege NRW“ oder die Übergangslotsen. Seit 2023 unterstützen diese Programme gezielt junge Menschen ohne Ausbildungsplatz – mit individuellem Coaching, mit Begleitung, mit konkreter Hilfe beim Einstieg in die Ausbildung. Seit Anfang 2025 sind dafür landesweit rund 240 Coaches im Einsatz. Das zeigt doch: Diese Landesregierung handelt seit Jahren. Natürlich ist nicht alles perfekt. Natürlich stehen wir weiterhin vor großen Herausforderungen. Der Arbeits- und Fachkräftemangel ist real. Viele Betriebe suchen händeringend Auszubildende. Gleichzeitig verlieren Jugendliche manchmal den Mut, weil sie Absagen bekommen oder sich schnell alleingelassen fühlen. Genau deshalb dürfen wir Jugendliche niemals als Problemstatistik betrachten, sondern müssen sie als Menschen mit Potenzial sehen. Wer ernsthaft verhindern will, dass Jugendliche ohne Perspektive bleiben, muss mehr tun, als Schlagzeilen zu produzieren. (Zuruf von der SPD) Landtag Man muss Strukturen schaffen, Beratung ermöglichen, Betriebe unterstützen und jungen Menschen zeigen: Du wirst gebraucht. – Denn am Ende geht es um mehr als um Arbeitsmarktpolitik. Es geht um Teilhabe, um soziale Sicherheit und um die Frage, ob junge Menschen das Gefühl haben, dass diese Gesellschaft an sie glaubt. (Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der CDU) Sehr geehrte Damen und Herren, ich finde, das sollten wir. – Vielen Dank. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU)
