Marco Schmitz
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Kollegin Teschlade, ich glaube, dass Sie weder von mir noch von Karl-Josef Laumann oder von unseren Kollegen aus dem Sozialbereich schon mal gehört haben, dass wir die Menschen stigmatisieren. (Lena Teschlade [SPD]: Ist aber so!) Das würde mich jetzt sehr wundern. Denn ich habe es als Geschäftsführer eines Jobcenters hier in Düsseldorf selbst erlebt. Ich habe sehr viel in der Praxis mit den Menschen gearbeitet. Wir haben uns gerade auch um die jungen Erwachsene gekümmert. Da möchte ich dann doch darum bitten, dass Sie die Perspektive ein wenig ändern. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Wenn wir heute über junge Menschen ohne Anschlussperspektive sprechen, sprechen wir ja nicht bloß über eine Zahl – diese Zahl ist natürlich viel zu groß –, sondern über Lebenswege, über Chancen, über Familien, die sich Sorgen machen, und über Betriebe, die dringend Nachwuchs suchen. Deswegen müssen wir an dieser Stelle intensiv arbeiten. Diese Zahlen zeigen aber auch: Nordrhein-Westfalen schaut inzwischen sehr genau hin. Seit es die Datenübermittlungen an die Bundesagentur gibt, werden die jungen Menschen besser sichtbar, und wir haben die Möglichkeit, ihnen zu helfen. Denn wer jungen Menschen helfen will, muss sie zuerst sehen. Genau das tun wir jetzt damit. Niemand darf nach der Schule einfach aus dem Blick verloren werden. Niemand darf alleingelassen werden, nur weil der Weg in die Ausbildung oder den Beruf noch nicht klar ist. Deshalb ist es auch richtig, dass Schulen, Berufsberatung, Kommunen und das Land enger zusammenarbeiten. Die SPD macht daraus einen Vorwurf und sagt, die Landesregierung habe den Übergang von Schule in Ausbildung nicht im Griff. Aber das ist ein wenig zu schlicht gedacht. Denn dieses Problem ist nicht über Nacht entstanden, sondern wir haben mit Bildungserfolgen, mit Sprache, mit familiärer Belastung zu tun. Es ist also ein ganzes Potpourri, an dem wir arbeiten. Zugleich erleben wir die widersprüchliche Lage. Auf der anderen Seite haben wir Unternehmen und Betriebe, die händeringend Auszubildende suchen, die Landtag Menschen suchen, die anfangen können, bei ihnen zu arbeiten. Aber es fehlt oft die Chance, dass auf der einen Seite junge Menschen und auf der anderen Seite der Ausbildungsbetrieb richtig gematcht werden und zusammenkommen. Auch daran müssen wir weiter arbeiten. Das tut Nordrhein-Westfalen auch. Nicht nur mit einzelnen Programmen, sondern mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen kümmern wir uns um diese jungen Menschen. Mit „Kein Abschluss ohne Anschluss“ haben wir eine Landesinitiative, die sehr früh ansetzt. Berufsorientierung beginnt bereits in der 8. Klasse. Die jungen Menschen sollen hierbei ihre Stärken kennenlernen. Sie sollen in Praktika Berufsfelder erleben, um zu sehen, in welchen Bereich sie gehen möchten. Die Diskussion darüber hatten wir auch in den Haushaltsberatungen, Kollegin Teschlade. Es gibt aus Sicht der Fraktionen von CDU und Grünen nicht den Topf „schlechtes Geld“ und den Topf „gutes Geld“, sondern wir stellen Geld zur Verfügung, damit Menschen eine Perspektive bekommen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Wir reden hier auch nicht über kleine Träger, sondern über Träger, die durchaus in der Lage sind, aus dem ESF Geld zu akquirieren. Unser Ziel ist klar: Kein junger Mensch darf nach der Schule verloren gehen. Dazu kommt, dass das Land erhebliche Mittel für berufliche Orientierung, den Übergang in Ausbildung, Bildungszentren, überbetriebliche Lehrlingsunterweisung und weitere Ausbildungsförderung einsetzt. Das ist ein wirklich starkes Signal. Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Unterschied zwischen Ihnen von der SPD und uns als regierungstragender Koalition ist doch klar: Sie beschreiben Probleme. Wir arbeiten an der Lösung dieser Probleme, um den jungen Menschen zu helfen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Ganz konkret heißt das: KAoA wird weitergeführt und weiterentwickelt. Die Berufseinstiegsbegleitung unterstützt junge Menschen, die auf dem Weg in Ausbildung zusätzliche Hilfe brauchen. „Ausbildungswege NRW“ bringt junge Menschen und Betriebe zusammen. Coaches und Übergangslotsen begleiten beim Einstieg. Das Werkstattjahr bietet jungen Menschen ohne direkten Ausbildungsplatz berufliche Qualifizierung und Praxis. Außerdem haben wir die Teilzeitberufsausbildung, die Menschen mit Familienverantwortung die Chance eröffnet, einen Beruf zu ergreifen. KAoA-STAR unterstützt Jugendliche mit Behinderung oder sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf. Hinzu kommen die Investitionsmittel, die wir dem Handwerk für Bildungszentren und überbetriebliche Lehrlingsunterweisungen zur Verfügung gestellt haben, damit die Unternehmen, die vielleicht sehr klein sind 07.05.2026 und wenige Auszubildende haben, auch die Möglichkeit bekommen, gute praktische Ausbildung durchführen zu können. Das zeigt: Wir reden nicht nur über Übergänge, sondern wir gestalten sie als regierungstragende Fraktionen zusammen mit der Landesregierung. Wichtig ist dabei auch: Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist die beste Brücke in ein selbstbestimmtes Leben. Das sagen wir immer wieder. Deswegen versuchen wir auch, dass jeder junge Mensch diese Anschlussperspektive bekommt. Praktische Erprobung, persönliche Begleitung, berufliche Orientierung: Das ist es, was wir stärken wollen. Das machen wir auch täglich in der Praxis. Vor Kurzem haben wir uns als CDU-Fraktion mit dem Geschäftsführer der G.I.B. getroffen, mit Torsten Withake, der auch lange in der Regionaldirektion der Arbeitsagentur hier in Düsseldorf gearbeitet hat. Dabei wurde deutlich, dass auch digitale Instrumente helfen können. Er hat uns noch einmal das Prinzip der Berufswahl-App dargestellt. Es geht also darum, dass wir auch schauen: Wie schaffen wir es denn, die jungen Menschen auf allen Wegen zu erreichen? Wir können nicht mehr klassisch nur einen Flyer hinlegen, sondern wir müssen sagen: Da ist eine App; ihr könnt euch orientieren. Dort ist ein persönlicher Berufsberater; ihr könnt euch orientieren. Hier ist ein Lehrer, der euch auf diesem Weg begleitet. Das sind alles Bereiche, in denen die Landesregierung versucht, den Kindern und Jugendlichen eine Perspektive zu ermöglichen. Denn diese Berufsorientierung ist notwendig, damit wir – das haben Sie eben gesagt – nicht zukünftig Menschen haben, die dann im Sozialsystem verankert sind. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen: Wir versuchen, jedem, auch demjenigen, der jetzt Leistungen bezieht, eine Perspektive zu geben. Es geht nicht darum, Menschen zu stigmatisieren. Aber die CDU ist auch für diejenigen zuständig, die arbeiten, für die, die vielleicht nicht so viel verdienen, aber bereit sind, jeden Morgen aufzustehen – die Freunde der fleißigen Menschen. Dafür stehen wir als CDU. Dafür werden wir weiterhin arbeiten. (Lachen von der SPD) Da muss man auch deutlich machen, dass „Fördern und Fordern“ ein Prinzip ist, hinter dem wir stehen. – Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
