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Dr. Hartmut Beucker

AfD 20.03.2026 Sitzungen 18/120

Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Damen, geehrte Herren! „Welchen Jubel, welche Freude […]“: So heißt es in einem Weihnachtslied. Der Titel würde zu diesem Antrag passen. Diese Überschwänglichkeit erinnert mich daran, was wir in der Schule über den römischen Triumphzug gelernt haben. Der war in der damaligen Zeit auch ein Anlass zu sehr viel Jubel. Da wurde extra jemand abgestellt, der dem Triumphator den ganzen Tag ins Ohr blasen musste: Gedenke, dass du sterblich bist. – Etwas profaner gewendet: Heb’ jetzt bloß nicht ab. Als Frage zu diesem Antrag formuliert, lautete das: Ist der Jubel hier gerechtfertigt? Bleibt NRW wirklich Spitzenstandort für Wissenschaft und Forschung in der Welt? Nein, denn das ist unser Land nicht, und es wird das in absehbarer Zeit auch nicht sein – schade. Bereits im bundesweiten Vergleich trifft die Behauptung nicht zu. Laut einer Untersuchung von Times Higher Education dieses Jahres liegt international Bayern mit den Unis in München auf den Plätzen 27 und 34, Baden-Württemberg mit Heidelberg auf Platz 49 und Berlin mit der Humboldt-Universität und der Charité auf den Plätzen 89 und 91. Die liegen alle vor NRW-Unis, die es nicht mal unter die ersten 100 schaffen. Seit Jahren ist das so. Im QS-Ranking der deutschen Universitäten aus dem Jahr 2025 findet sich immerhin die RWTH Aachen auf Platz 6 wieder; international liegt sie aber auch nur auf Platz 105. Die Spitzenuniversitäten weltweit befinden sich ganz offensichtlich woanders. Dementsprechend titelte die FAZ letzte Woche zur Exzellenzstrategie: „Für Weltklasse reicht es nicht.“ Und weiter: „Die Schattenseiten der Exzellenzstrategie zeigen sich in einem riesigen Apparat […]“, der insgesamt für die Antragstellung aufgebaut werden musste. Die 20.03.2026 Verwaltung der Cluster und die Strategieabteilungen verschlingen auch enormes Personal: „Jahrelang werden die Kräfte von Spitzenforschern gebunden […]“, wodurch die Lehre ganz stark vernachlässigt wird, sofern die Forscher nicht sogar ganz davon freigestellt werden. Im Artikel wird fortgefahren mit: „Kritiker der Exzellenzstrategie sind schon längst der Auffassung, dass der Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag steht.“ „Ertrag“ ist ein gutes Stichwort: Die letzte wirklich weltweit bedeutende wissenschaftliche Innovation aus Deutschland war die Erfindung des MP3- Verfahrens im Jahr 1995. Die kam leider nicht aus NRW, sondern von der Universität in Erlangen – das Land: Bayern. Nicht einmal heute ist die Uni in Erlangen Exzellenzuniversität. Sie ist aber mit vielen Drittmitteln ausgestattet – meist von Siemens. Darüber sollte hier in NRW mal nachgedacht werden. Es besteht also überhaupt kein Grund zur Selbstbeweihräucherung. Vielmehr ist festzustellen, dass die Regierungsparteien die Tatsachen durch diesen Antrag offensichtlich vernebeln wollen. Die Zustände im Land sollen die Bürger wohl wie durch eine rosarote Brille wahrnehmen. Spitze sind wir schon, aber woanders. In der Kurzfassung des aktuellen „Gender-Report 2025“ wird vermerkt: "Aktuell entstehen an zwei Universitäten, zwei HAWs und einer Kunsthochschule insgesamt fünf neue, durch das Landesprogramm geförderte Professuren […] für Geschlechterforschung. Somit werden bislang […] unterversorgte Fächergruppen gestärkt.“ (Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Ui!) Weltgeltung bringt uns das nicht. Wenn man dann auch noch die Wünsche der Hochschulen missachtet – das war am vergangenen Montag im Wissenschaftsausschuss zu sehen –, erzeugt das erst recht keine echte Weltgeltung. Da wurde von professoraler Seite zum wiederholten Male zum Ausdruck gebracht, dass der Großteil der neuen Regelungen im sogenannten Hochschulstärkungsgesetz überflüssig sei. Zudem werde die Professorenschaft etwa im Promotionsverfahren durch die personelle Trennung von Betreuung und der Erst- sowie Zweitbegutachtung eindeutig schwer belastet. Das sei realitätsfremd und kontraproduktiv, so der Tenor, und das gerade bei den angehenden Spitzenwissenschaftlern. So wird der Sprung in die wirkliche Exzellenz nicht gelingen. Die AfD würde zum Beispiel erst einmal bei der Studierfähigkeit ansetzen. Das Miteinander an den Unis muss zwar human sein, aber es muss immer auch um Leistung gehen. Wenn die stimmt, stellt sich die gefeierte Exzellenz von selbst ein. Landtag Ansonsten gilt: Der Jubel im Antrag ist leider lauter, als es zum Anlass passt. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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