Christian Berger
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Psychische Belastungen in der Arbeitswelt sind ein ernstes Thema. Die Zahlen steigen, und dahinter stehen Menschen, die Unterstützung brauchen. Deshalb ist es richtig, dass wir uns damit befassen. Aber wer dieses komplexe Problem auf eine einzige Ursache reduziert, der wird ihm nicht gerecht, und genau das wird mit dem vorliegenden Antrag getan. Im Kern wird behauptet, Bürokratie und politische Entscheidungen seien die Hauptursachen für psychische Erkrankungen. Das ist einfach zu kurz gedacht, denn die Realität ist deutlich vielschichtiger. Psychische Belastungen entstehen vor allem dort, wo Arbeitsabläufe verdichtet sind, wo Personal fehlt, wo Führung nicht funktioniert und wo Unsicherheit im Arbeitsalltag besteht. Das sind die zentralen Herausforderungen, es ist nicht ein einzelner politischer Faktor. Ja, Bürokratie kann belasten; ja, ihr Abbau ist richtig und notwendig. Aber wer daraus die Hauptursache für psychische Erkrankungen macht, der vereinfacht ein komplexes Problem und liefert damit auch keine tragfähigen Lösungen. Hinzu kommt: Im Antrag wird das Bild gezeichnet, als würde bislang zu wenig passieren, und das ist Landtag schlicht nicht zutreffend. Die Landesregierung verfolgt einen umfassenden Ansatz von Prävention über Gesundheitsförderung bis hin zur Weiterentwicklung von psychiatrischer Vorsorge. Auch beim Bürokratieabbau wird gehandelt, auf Landes- und auf Bundesebene. Meine Damen und Herren, gute Politik zeichnet sich dadurch aus, dass sie Probleme differenziert, analysiert und nicht durch einfache Erklärungen schnelle Antworten liefert. Wenn wir die psychische Gesundheit in der Arbeitswelt stärken wollen, müssen wir an mehreren Stellen gleichzeitig ansetzen: bessere Arbeitsbedingungen, stärkere Führung, ausreichend Fachkräfte und wirksame Prävention. Was wir nicht brauchen, sind monokausale Erklärungen und politische Schuldzuweisungen. Mehr kriegen Sie in Ihrem Antrag nicht zustande, aber ich erwarte von Ihnen auch gar nicht mehr, sehr geehrter Herr Vincentz. Im Antrag wird ein wichtiges Thema benannt, aber die Analyse bleibt unvollständig, und die Schlussfolgerungen greifen zu kurz. Deshalb lehnen wir diesen Antrag ab. – Vielen lieben Dank. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN)
