Rainer Schmeltzer
Danke sehr, Herr Schalley. – Für die Landesregierung spricht jetzt Ministerin Schäffer. 19.03.2026 Verena Schäffer*), Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration: Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Kitas sind der erste Bildungsort. (Zuruf von der SPD: Nee, das ist die Familie!) Dort findet Bildung und natürlich auch Sprachbildung statt. Sprachbildung beginnt am ersten Tag und selbstverständlich nicht erst im letzten Jahr vor der Einschulung. Ich finde – das ist zum Teil schon angeklungen und wird vielleicht noch Thema im Ausschuss sein –, dass wir auch darüber diskutieren sollten, warum aktuell nicht alle Kinder in Nordrhein-Westfalen in die Kita gehen – auch nicht im letzten oder im vorletzten Kita-Jahr. Mir ist es ein wichtiges Anliegen, dass wir uns das, die Zahlen dazu genau anschauen. Ich bin gespannt auf die neuen Kita-Anmeldezahlen. Ich finde, dass das unser Anspruch sein muss, weil wir wissen, dass Kitas ein so wichtiger Bildungsort sind. Ich möchte gerne, dass wir durch die Kitas alle Kinder erreichen und ihnen dort wichtige Kompetenzen mit auf den Weg geben können. Dazu gehört die alltagsintegrierte Sprachbildung. Anders als es im vorliegenden Antrag vielleicht suggeriert werden soll, steht die alltagsintegrierte Sprachbildung in den Kitas überhaupt nicht infrage. Wir haben in den Kitas ein bewährtes System der alltagsintegrierten Sprachbildung und der verbindlichen Beobachtung und Dokumentation der Sprachentwicklung. Dieses System ermöglicht eine kontinuierliche, prozessbegleitende und vor allem frühzeitige Förderung von Beginn an – ich sagte es eben bereits: von Beginn an, ab dem ersten Tag in der Kita. Ich will an dieser Stelle einmal all denen in den Kitas, den sozialpädagogischen Fachkräften, den anderen Kräften, die dafür sorgen, dass wir Kinder in den Kitas in ihrer Entwicklung erfolgreich unterstützen und fördern, danken. Denn Kinder lernen Sprache im Alltag, im Spiel und in der Interaktion mit anderen Kindern und den vertrauten Fachkräften. Gleichzeitig wissen wir, dass sich die Anforderungen an unser Bildungssystem verändern. Die Heterogenität der Kinder und Familien nimmt zu. Sprachliche Förderbedarfe werden vielfältiger. Die Landesregierung hat bereits eine Reihe von Maßnahmen für gute Start- und Bildungschancen auf den Weg gebracht. Daran setzen wir auch mit der KiBiz-Reform an. Mit dem Gesetzentwurf schaffen wir verbindlichere Anforderungen an die Erhebung des Entwicklungsstandes und an die darauf aufbauende Förderplanung. Das Ziel ist es, die Beobachtung der kindlichen Entwicklung noch stärker mit konkreten Fördermaßnahmen zu verknüpfen und so die Qualität der pädagogischen Arbeit weiter zu verbessern. Landtag Das Ganze wird durch wissenschaftliche Projekte flankiert. Gemeinsam mit der Wissenschaft und der Fachpraxis arbeiten wir daran, die Grundlagen der alltagsintegrierten Sprachbildung weiterzuentwickeln, evidenzbasierte Methoden, etwa das dialogische Lesen, stärker in die Praxis zu übertragen und Qualifizierungsangebote für Fachkräfte auszubauen. Es geht darum, dass Kinder, wenn sie Sprachen lernen, nicht nur den Spracherwerb an sich lernen. Denn Sprache bedeutet Teilhabe; Sprache bedeutet Bildungschancen. Ein besonderer Fokus liegt für uns auf den Einrichtungen, die vor besonders großen Herausforderungen stehen. Die Sprach-Kitas werden künftig gesetzlich abgesichert, die Förderaufträge werden in plus-KITAs gebündelt, und perspektivisch werden Chancen-Kitas aufgebaut. Ich habe es heute Morgen schon einmal gesagt: Wir sind schon in die Entwicklung eines Kita-Sozialindexes eingestiegen. Wir wollen dafür sorgen, dass personelle und finanzielle Ressourcen gerade in den Stadtteilen, in denen besonders viele Herausforderungen aufeinandertreffen und besondere Förderbedarfe bestehen, gebündelt werden. Zu den ABC-Klassen. Es geht uns als Landesregierung um die Unterstützung von Familien, Eltern und Kindern. Es geht darum, unsere Kinder stark zu machen. Deshalb sollen sogenannte ABC-Klassen als ergänzendes Element eingeführt werden. In kleinen Gruppen sollen Kinder vier Stunden die Woche zusätzlich in ihren sprachlichen, sozial-emotionalen und motorischen Kompetenzen gefördert werden. Das soll vor Ort, idealerweise in Schulen, Kitas oder passgenauen Orten passieren. Es ist mir wichtig, dass wir als MKJFGFI über die fachliche Ausgestaltung der ABC-Klassen in einem engen fachlichen Austausch mit dem MSB stehen. Ich glaube, dass wir uns eigentlich darüber einig sind, dass gute Sprachkenntnisse für einen starken Start in der Grundschule und für den weiteren Bildungserfolg elementar sind. Dieses Ziel verfolgen wir als Landesregierung mit dem Anliegen der ABC-Klassen. Ich als Kinderministerin möchte noch einmal sehr deutlich machen, dass ich eine starke alltagsintegrierte Sprachbildung in den Kitas wichtig finde. Ich finde aber auch, dass die alltagsintegrierte Sprachbildung in den Kitas und die ABC-Klassen nicht als Gegensätze zu verstehen sind. Ganz im Gegenteil: Sie sind als Ergänzung zu verstehen. Uns ist es wichtig, dass wir einen guten Übergang von der Kita in die Grundschule gestalten. Ich möchte, dass wir Kindern gute Bildungschancen mit auf den Weg geben. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) 19.03.2026
