Marcel Hafke
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kriminalität gegen ältere Menschen ist kein Randthema. Sie ist ein reales, ernstes und für viele Betroffene zutiefst belastendes Problem. Wer ältere Menschen betrügt, stiehlt nicht nur Geld. Wer ältere Menschen betrügt, missbraucht Vertrauen, verunsichert Menschen und greift ihre Würde an. Die Polizeiliche Kriminalstatistik NRW 2025 zeigt deutlich, dass gerade organisierte Betrugsformen massive Schäden verursachen. Allein die im Antrag genannten 34 Millionen Euro Schaden durch Inlandstaten machen klar, über welche Dimension wir sprechen. Es sind eben keine Bagatelldelikte. Es ist ein Deliktsfeld mit erheblicher wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz. Die Wahrheit ist doch, dass die bekannten Zahlen wahrscheinlich nur einen Teil des Problems zeigen. Landtag Denn viele ältere Menschen zeigen Straftaten gar nicht erst an – aus Scham, aus Angst oder weil sie glauben, auf eine perfide Masche hereingefallen zu sein und sich dafür auch noch rechtfertigen zu müssen. Diese psychologischen Faktoren vergrößern das Dunkelfeld. Genau deshalb müssen wir das Problem noch ernster nehmen, als es die Statistik ohnehin schon nahelegt. Wer ältere Menschen wirksam schützen will, darf sich nicht mit allgemeinen Appellen zufriedengeben. Der Innenminister muss daher die Präventionsmaßnahmen stärken, die Strafverfolgung verbessern und den Opferschutz ausbauen. Er muss endlich auch einen Zusammenhang ernst nehmen, über den diese Landesregierung zwar gerne spricht, aus dem sie aber selten die nötigen Konsequenzen zieht: Einsamkeit kann ein Einfallstor für Kriminalität sein. Hendrik Wüst hat Einsamkeit selbst zur neuen sozialen Frage unserer Zeit gemacht. Man muss aber auch sagen: Wer Einsamkeit als Schwerpunktthema nennt, darf es bei der Bekämpfung nicht als Randthema behandeln. Denn Einsamkeit ist nicht nur ein soziales Problem. Einsamkeit kann auch ein Sicherheitsproblem werden. Wer allein ist, hat oft weniger Austausch. Wer weniger Austausch hat, erkennt Warnsignale oft später. Wer niemanden hat, mit dem er einen verdächtigen Anruf, einen merkwürdigen Besuch oder eine ungewöhnliche Geldforderung besprechen kann, ist für perfide Betrugsmaschen besonders anfällig. Genau deshalb reicht es nicht, Herr Innenminister, Einsamkeit in Sonntagsreden zu beklagen. Genau deshalb reicht es auch nicht, Konferenzen zu veranstalten, Plattformen auszubauen und Aktionspläne zu präsentieren. Entscheidend ist, ob ältere Menschen vor Ort tatsächlich erreichbare Ansprechpartner, Präventionsangebote und Schutzstrukturen haben. Genau an dieser Stelle bleibt Schwarz-Grün aus unserer Sicht zu oft zu unverbindlich: viel Sensibilisierung, viel Symbolik, viel Begleitkommunikation, aber zu wenig Verbindlichkeit in der Fläche. Wer Einsamkeit zur sozialen Schlüsselfrage erklärt, muss auch dafür sorgen, dass daraus konkrete Politik zum Schutz der Menschen wird. Prävention muss dort stattfinden, wo ältere Menschen tatsächlich erreicht werden. Nicht jeder informiert sich digital. Nicht jeder erkennt die verschiedenen Betrugsmaschen auf Anhieb. Viele der Täterinnen und Täter sind professionell aufgestellt. Sie agieren arbeitsteilig, oft überregional oder international. Deshalb braucht unsere Polizei die notwendige personelle, technische und organisatorische Ausstattung. (Beifall von der FDP) 18.03.2026 Der Rechtsstaat darf gegenüber professionellen Betrügern nicht einen Schritt zu langsam sein. Auch hier gilt: Ankündigungen ersetzen keine Schlagkraft. Es geht um die klare Botschaft: Nordrhein-Westfalen schaut nicht weg, wenn ältere Menschen gezielt zu Opfern gemacht werden. Deswegen danken wir der SPD für den Antrag und werden ihm auch gerne zustimmen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der FDP)
