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Frank Sundermann

SPD 18.03.2026 Sitzungen 18/118

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Im vorliegenden Antrag der FDP 18.03.2026 wird gefordert – dagegen kann sicherlich niemand etwas haben –, dass Denkverbote überwunden werden müssen. Das soll progressiv und nach vorne gewandt klingen, ist aber aus unserer Sicht ein weiterer Versuch, unter dem Hinweis auf pragmatische Lösungen alte, teure, umwelt- und klimaschädliche Techniken zu etablieren. Als Begründungszusammenhang gilt jetzt der Wunsch nach krisenfester, autonomer Energieversorgung. Fragen, die sich vor allen Dingen die marktwirtschaftlich getriebene FDP stellen muss, sind allerdings: Ist das ökonomisch sinnvoll? Werden wir Investoren finden, die diese Investitionen marktgetrieben tätigen? (Dietmar Brockes [FDP]: Man muss es erst mal machen!) Das sind doch Fragen, die wir uns stellen müssen – und dabei habe ich die Umwelt- und Akzeptanzprobleme bei dieser Fragestellung bewusst ausgeklammert. Was spricht dagegen? Es wird viele Jahre, vermutlich ein ganzes Jahrzehnt, dauern, bis Felder erschlossen werden können. Das liegt unter anderem an notwendigen vorbereitenden Arbeiten wie Probebohrungen, seismischen Explorationen, aber auch und vor allen Dingen an Genehmigungsverfahren, hier insbesondere wasserrechtlicher Art. Ich gehe nicht davon aus, dass die FDP, um diese ganzen Verfahren zu beschleunigen, Fracking mit dem Rechtsbegriff des herausragenden öffentlichen Interesses belegen möchte. Ich finde, dass man das, wenn man das möchte, hier auch ganz deutlich sagen muss. Die Akzeptanz für solche Maßnahmen würde nämlich auf null fallen. Wir sprechen hier also von hohen Kosten bei einem sehr unsicheren Ertrag. Daraus folgt: Die Zeit für die Erschließung der Gasgewinnung in entsprechenden Feldern wäre extrem kurz und eine ökonomische Ausbeutung schwerlich möglich – es sei denn, man verzichtet auf das Ziel, 2045 klimaneutral zu sein. Ich finde, wenn man das will, muss man das in so einem Antrag deutlich machen. Vor dem Hintergrund der Energieautarkie wird gesagt, es stünden riesige Mengen zur Verfügung. Sie suggerieren in Ihrem Antrag, dass die Bundesrepublik mit der zur Verfügung stehenden Menge bis zu zehn Jahre lang versorgt werden könne. Wenn man sich aber wirklich einmal die Mengen anschaut, die aktuell geschätzt und vom Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie als wahrscheinliche Erdgasreserven beziffert werden, stellt man fest, dass wir über gerade einmal 32,1 Milliarden Kubikmeter reden, also über 40 % des jährlichen Verbrauchs. Das ist sicherlich kein Beitrag zur Souveränität unseres Landes. Landtag Bei all unseren Fragen rund um die Energieversorgung, die wir ja oft diskutieren, spielt die Akzeptanz eine, vielleicht sogar die entscheidende, Rolle. Nach den Erfahrungen, die ich rund um die Diskussion zu Fracking in den 2010er-Jahren machen konnte, kann ich mir wirklich nicht vorstellen, wie man diese Projekte zum Beispiel bei uns im Münsterland – da gibt es ja potenzielle Felder – umsetzen will. Nordrhein-Westfalen ist ein Industrieland, ja. Es ist aber auch das am dichtesten besiedelte Flächenland in der Bundesrepublik Deutschland. Auch vor diesem Hintergrund ist die Frage, die wir uns hier im Landtag Nordrhein-Westfalen stellen müssen: Ist Fracking eine Technik, die wir in unserem Land Nordrhein-Westfalen raumgreifend anwenden wollen? Die Antwort auf diese Frage kann aus unserer Sicht nur Nein sein. Hätte die FDP eine wirklich der Sachlage entsprechende, ernsthafte erneute politische Diskussion anstoßen wollen, hätte sie diesen Antrag sicherlich nicht zur direkten Abstimmung gestellt, sondern uns darüber intensiv beraten lassen. (Dietmar Brockes [FDP]: Ja, ja!) Das Thema „Kernfusion“ wird hier auch kurz erwähnt. Da sind wir ja in einem parlamentarischen Verfahren. Dann muss man sich sicherlich anschauen, was man damit machen kann. Gestatten Sie mir eine Anmerkung: Ich finde, solange wir auf der Erde versuchen, die Kernfusion der Erde nachzubauen … (Dr. Christian Blex [AfD]: Die Erde betreibt keine Kernfusion! Das ist die Sonne!) – Die Sonne. Entschuldigung. Das steht hier auch. Ich habe es falsch gelesen. – Solange wir auf der Erde versuchen, die Kernfusion der Sonne nachzubauen, sollten wir auch die reale Sonne als Energieträger nicht vergessen. Denn Kernfusion ist bereits heute als Energieträger nutzbar: über die Photovoltaik. Wenn wir in den letzten Jahren so viel Energie dort hineingesteckt hätten, wären wir hier vielleicht auch eine ganze Ecke weiter. (Zuruf von Christian Loose [AfD]) Abschließend: Ich glaube, wir stimmen darin überein, dass es unser Ziel sein muss, die Energieversorgung unabhängiger zu machen – unabhängiger, als sie es über Jahrzehnte hinweg war. Wir waren abhängig von importiertem Gas, abhängig von importiertem Öl und abhängig von importiertem Uran. (Zuruf von Christian Loose [AfD]) Der Weg in die Unabhängigkeit und Souveränität unserer Energieversorgung ist aus unserer Sicht europäisch und regenerativ. (Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD]) Diesen Weg sollten wir konsequent weitergehen. 18.03.2026 Wir lehnen den Antrag ab. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der SPD)

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