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Angela Freimuth

FDP 29.01.2026 Sitzungen 18/116

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor fast zwei Jahren, nämlich bereits im Mai 2024, hat meine Kollegin Susanne Schneider – von hier aus: gute Besserung! – mit Leidenschaft und mit, wie ich finde, nach wie vor überzeugenden Argumenten für eine Verbesserung der Versorgung von Betroffenen – fast ausschließlich sind es Frauen – geworben. Wir und mit uns viele Expertinnen und Experten sowie natürlich die Betroffenen haben auf deutliche Defizite in der Versorgung hingewiesen. Forschung und Studien wie die LIPLEG-Evaluierung mussten vorangebracht, Hochschulpartnerschaften gestärkt und eine interdisziplinäre Versorgung gefördert werden, um den Betroffenen tatsächlich wirksame, evidenzbasierte Maßnahmen zugänglich zu machen, die sich an den Ergebnissen laufender und abgeschlossener Studien orientieren. Ja, die Aufnahme der 29.01.2026 Liposuktion in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung ist ein Schritt, aber die Hürden sind immer noch hoch. Die Kollegin hat schon darauf hingewiesen. Wir müssen uns immer wieder vergegenwärtigen: Das Lipödem ist eine chronische und schmerzhafte Fettverteilungsstörung, von der Schätzungen zufolge mehrere Millionen Frauen in Deutschland betroffen sind. Das ist kein Nischenthema. Die Betroffenen erleben es in der Praxis immer wieder und leiden zu lang – Kollegin Weng hat es vorhin gesagt –, sodass oft zehn Jahre bis zur Diagnose vergehen. Die Wege bis zu einer Diagnose sind immer noch viel zu lang, es gibt Fehldiagnosen, Stigmatisierung und eine jahrelange Leidenszeit mit erheblichen Schmerzen. Häufig werden die Symptome noch nicht einmal erkannt oder als psychisch bedingt abgetan. Viele Frauen erhalten – auch das wurde schon erwähnt – fälschlicherweise die Diagnose Adipositas, obwohl weder ihre Ernährung noch ihre Bewegung dieses Urteil rechtfertigen. Wer so lange um eine Anerkennung seiner Krankheit bzw. um eine zutreffende Diagnose kämpfen muss, trägt eben nicht nur an einem medizinischen Problem mit massivem Leidensdruck. Als Politik haben wir die Verantwortung, die Rahmenbedingungen zu verbessern und Betroffene nicht länger allein zu lassen. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum sich bislang immer noch nichts daran verbessert hat, obwohl auch die Mehrheitsfraktionen die Unzumutbarkeit der Situation anerkannt haben. (Beifall von der SPD und von Christina Weng [SPD]) Kollegin Weng, ich habe es im Ausschuss schon gesagt: Auch ich ahne, welches Schicksal diesen Antrag genauso ereilen wird, wie seinerzeit unseren FDP-Antrag. (Zuruf) – Aber dann legen Sie doch bitte Ihre eigenen Vorstellungen vor. Handeln Sie. Sie sind in einer Gestaltungsverantwortung. Versuchen Sie doch wirklich etwas für die Frauen zu verbessern. (Beifall von der FDP und der SPD) Die SPD-Fraktion legt mit ihrem Antrag einen besonderen Schwerpunkt auf die gleichstellungspolitische Dimension, also auf gleiche Chancen auf Diagnose, adäquate Therapie und gesellschaftliche Teilhabe, und wirbt auch für die Sichtbarkeit der fast ausschließlich weiblichen Patientinnengruppe. Frauengesundheit – es wurde völlig zu Recht schon darauf hingewiesen – ist eben kein Nischenthema, sondern Kernbestandteil einer modernen Gesundheitspolitik. Deswegen haben wir Freien Demokraten, obwohl es im Vergleich zu unserem Antrag andere Akzentsetzungen gab, für diesen Antrag geworben. Trotz gegenteiliger Bekenntnisse, die wir in Teilen auch heute Landtag wieder gehört haben, stockt die Hilfe für die Betroffenen, ist die Kostenübernahme nicht überall gerecht geregelt und gibt es weiterhin große Defizite in der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Erkrankung. Und bitte: Wer ernsthaft behauptet, das Land könne hierzu gar nichts beitragen, der macht es sich wirklich zu einfach. (Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der SPD) Wenn Sie unseren Anträgen nicht zustimmen wollen, dann legen Sie doch bitte eigene Programme bzw. einen eigenen Antrag vor. Wir werden das konstruktiv und positiv begleiten. Denn die Botschaft an die betroffenen Frauen darf nicht lauten: Wir erkennen euren Leidensdruck zwar an, sehen uns aber dafür nicht zuständig. Die Kollegin hat vorhin gesagt: Wir müssen, wir müssen, wir müssen. – Das war eine lange Liste. Ja, aber dann macht, bitte schön. Für die FDP-Fraktion gilt: Die Situation der Betroffenen in Nordrhein-Westfalen muss verbessert werden, insbesondere bei der frühzeitigen Diagnostik und beim Zugang zu evidenzbasierten Therapien. Dazu gehört die bessere Ausbildung in den medizinischen Studiengängen und Gesundheitsberufen, eine qualifizierte Begutachtung durch den Medizinischen Dienst und eine klare Strategie gegen Fehldiagnosen und das reflexhafte Gleichsetzen von Lipödem und Adipositas. (Beifall von der FDP und von Christina Weng [SPD]) Es bleibt unser Ziel, den betroffenen Frauen endlich sachlich evidenzbasiert, nachhaltig und strukturell zu helfen. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP und der SPD)

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