Christof Rasche
Für die Landesregierung hat nun Minister Karl-Josef Laumann das Wort. Bitte sehr. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir alle wissen, dass über die Zeit psychische Erkrankungen in unserem Land zugenommen haben. Fachleute reden davon, dass etwa jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung bekommt. (Rodion Bakum [SPD]: Im Laufe eines Jah- res!) Es gibt sicherlich Gründe in unserer Gesellschaft, die damit zu tun haben. Ich will sie nicht alle aufzählen, aber die Isolation während der Coronapandemie hat zum Beispiel bei unseren Jugendlichen Spuren hinterlassen. Das muss man ganz offen sagen. Viele andere Unsicherheiten in unserer Zeit belasten die Menschen. Es ist ein Thema, das leider sowohl Kinder und Jugendliche betrifft als auch ältere Menschen. Im Grunde haben alle Generationen in unserem Land mit diesen Erkrankungen zu tun. Deswegen ist es richtig, dass sich der Landtag von Nordrhein-Westfalen auf Antrag von CDU und Bündnis 90/Die Grünen mit dem Thema beschäftigt. Die damit verbundenen Forderungen an die Landesregierung fügen sich gut in die Strategie des Landes im Rahmen der Fortschreibung des Landespsychiatrieplans ein. Die Debatte heute hat gezeigt, dass es eine große Einmütigkeit gibt. Psychische Gesundheit darf nicht erst dann in den Blick genommen werden, wenn eine Erkrankung chronisch oder gar gefährlich wird. Denn dann wird der Hilfebedarf schnell sehr komplex. Die Gesundheits- und Sozialsysteme sind gefordert, weil sich schwere psychische Störungen auf alle Lebensbereiche auswirken; auf die berufliche und die soziale Teilhabe bis in die Familien und unsere Gesellschaft hinein. Daher muss der Fokus stärker auf Gesundheitsförderung und Prävention von psychischen Erkrankungen gelegt werden, und dies schon frühzeitig auch bei unseren Kindern und Jugendlichen. Mir ist es wichtig, dass Angebote der Gesundheitsförderung und Prävention so ausgestaltet sind, dass damit die Zielgruppen erreicht werden, die bisher noch nicht ausreichend angesprochen werden. Dies erfordert eine stärkere Berücksichtigung unterschiedlicher Bedarfe, gerade mit Blick auf Bildungshintergrund, Kenntnisse der Hilfesysteme oder Zugehörigkeit zu vulnerablen Gruppen. Ein wichtiger Punkt ist dabei die sektorübergreifende Versorgung. Es gibt bereits ein vielfältiges psychiatrisches und psychotherapeutisches Behandlungs-29.01.2026 angebot, das im besten Fall sowohl auf die Erkrankung als auch die Lebenswelten der Betroffenen zugeschnitten ist. In der Realität gibt es jedoch noch Verbesserungsmöglichkeiten. Diese betreffen insbesondere die Übergänge zwischen den einzelnen Versorgungsstrukturen. Betroffene Menschen erleben Brüche zwischen ambulanter, stationärer und rehabilitativer Behandlung. Gerade bei schwierigen Erkrankungen sind eine kontinuierliche Behandlung und Unterstützung entscheidend. Wir brauchen daher eine engere Verzahnung zwischen Krankenhäusern, Institutsambulanzen und den ambulanten Behandlungsangeboten. Wir brauchen aber auch eine bessere vernetzte Struktur über die Rechtskreise hinweg. Eben weil sich psychische Krankheiten auf viele Lebensbereiche auswirken können, müssen verschiedene Hilfesysteme zusammenarbeiten, zum Beispiel die Eingliederungshilfe, die Jugendhilfe oder die Wohnungslosenhilfe. Auch müssen Krankenhäuser, Sozialpsychiatrische Dienste, Ordnungsbehörden, Polizei und gemeindepsychiatrische Einrichtungen noch besser zusammenarbeiten, und zwar schon vorbeugend. Kontinuierliche Behandlungen und sektorübergreifende Unterstützung helfen, nicht nur den Einzelnen wieder gesund werden zu lassen, sie dienen zugleich der Verhinderung von Gewalttaten durch psychisch erkrankte Menschen. Zwar begeht – das will ich hier ausdrücklich sagen – statistisch betrachtet nur ein sehr kleiner Teil der psychisch erkrankten Menschen eine Gewalttat, wir wissen aber auch, dass eine kontinuierliche Behandlung das Risiko von Gewaltausübung erheblich senkt. Die Behandlungen sind somit ganz klar auch ein Beitrag zum Schutz der Allgemeinheit. Wir haben in diesem Bereich ohne Frage Herausforderungen vor uns. Die Forderungen aus diesem Antrag sind dafür richtig und wichtig. – Schönen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN und Lisa- Kristin Kapteinat [SPD])
