Dr. Werner Pfeil
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Kollegen und Kolleginnen! Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie den Begriff „Psychiatrie“ hören? Geschlossene Abteilungen? Zwangsjacken? Ruhigstellen mit Medikamenten? Viele Menschen haben immer noch diese überkommenen Vorstellungen. Wer für eine Behandlung ins Krankenhaus muss, wird das in der Regel offen erzählen. Wer jedoch in eine Psychiatrie muss, wird das eher für sich behalten. Dabei sind psychiatrische Kliniken ein wichtiges Angebot für Menschen in Not. Psychische Erkrankungen gelten immer noch als Stigma. Sie werden verschleiert, weil Betroffene Angst vor Diskriminierung zum Beispiel am Arbeitsplatz haben. Dabei sind psychische Erkrankungen weit verbreitet und können jeden treffen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Daher kann man es nicht oft genug sagen: Mentale Gesundheit ist kein Tabu und darf auch kein Tabu sein. Die schwarz-grüne Koalition will nun nach knapp zehn Jahren den Landespsychiatrieplan fortschreiben. Wir teilen ausdrücklich den Ansatz, nicht nur auf stationäre Einrichtungen, sondern auch auf ambulante, teilstationäre und stationsäquivalente Angebote zu setzen, schließlich wird die Mehrheit der psychischen Erkrankungen ambulant behandelt. Unklar bleibt jedoch, welche weiteren Schwerpunkte bei der Fortschreibung gesetzt werden sollen. Einerseits sollen Präventionsmaßnahmen an die Gesamtbevölkerung adressiert werden. Andererseits sollen unter anderem junge Menschen und Wohnungslose in den Fokus genommen werden. Wir sehen die Gefahr, dass man zwar alles will, aber nicht alles schafft. Zudem fehlen wichtige Punkte wie ein Ausbau digitaler Versorgungsangebote. Außerdem muss die Krisenintervention gestärkt werden. Die Einführung einer rund um die Uhr professionell besetzten psycho-Landtag sozialen Notrufnummer wie in Bayern wäre der richtige Weg. Wir haben in dieser Wahlperiode bereits gehört, dass Frauen- und Männerherzen unterschiedlich schlagen. Auch bei psychischen Erkrankungen gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern, zwischen den Geschlechtern. Meine Fraktionskollegin Susanne Schneider hatte daher mehrere Kleine Anfragen zur geschlechtersensiblen Medizin gestellt. Im Vergleich zu Männern sind Frauen fast doppelt so oft von Depressionen oder Angststörungen betroffen. Allerdings werden Frauen oftmals vorschnell psychische Erkrankungen zugewiesen. Bei Männern hingegen werden Symptome eher auf organische Ursachen zurückgeführt. Männer gehen daher bei Depressionen zu spät zur Behandlung. Geschlechterspezifische Unterschiede gehören stärker in den Fokus. Dies wird im Begründungsteil zwar angesprochen, im Forderungsteil aber beschränkt es sich auf die Themen „Schwangerschaft“ und „Geburt“. Präventions- und Hilfsangebote müssen aber generell geschlechtersensibler ausgestaltet werden. Viele Maßnahmen aus dem Antrag können wir mittragen. Wie so oft ist aber ist auch hier wieder die schwarz-grüne Zauberformel verankert: All diese umfangreichen Aufgaben sollen allein im Rahmen vorhandener Mittel umgesetzt werden. Wie das funktionieren soll, ist vollkommen unklar. Daher befürchten wir, dass dieser Antrag lediglich eine schöne Absichtserklärung ist. Denn ohne echte finanzielle Untermauerung wird die Umsetzung schwierig. In der Gesamtabwägung können wir uns daher leider nur enthalten. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)
