Silvia Gosewinkel
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Ich will zu Anfang deutlich betonen, dass ich in diesem Parlament Politik für alle Schülerinnen und Schüler mache – egal, woher sie kommen. (Beifall von der SPD, der CDU und der FDP) Was die AfD hier heute vorlegt, ist die altbekannte Leier, dass die Schulprobleme der ungebremsten Migration und der Diversitätsideologie geschuldet seien. Ihre Lösung ist einfach: Separation, Pflichtkurse, Sanktionen. Das ist doch keine Bildungspolitik, sondern ideologisch motivierte Spaltung. Das bedeutet – ganz wissenschaftlich –: Das ist für den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen schädlich. Es ist wirklich unerträglich, Landtag wie Sie das wider irgendwelche Erkenntnisse vortragen. Ich komme zu den Fakten aus Ihrem Antrag. Erstens. Ja, die Leistungen der Schülerinnen und Schüler sind gesunken. Das ist zuletzt durch die PISA-Studie aus dem Jahr 2022 dargelegt worden. Die Werte waren die niedrigsten seit Beginn der Messung. Die Ursachen dafür sind vielfältig: die Pandemie, soziale Ungleichheit, internationale Trends. Ich schließe mich hierzu den Interpretationen der OECD und der KMK an. Wer aber daraus aber den monokausalen Zusammenhang „Migration gleich Leistungsabsturz“ bastelt, verdreht die Fakten und instrumentalisiert die Studien. Sie schüren einfach nur Ressentiments. (Beifall von der SPD, der FDP und Martin Sträßer [CDU]) Zweitens. Die IQB-Befunde gelten bundesweit und nicht nur in NRW aufgrund von Mehrsprachigkeit. Die Rückgänge betreffen alle Bundesländer, und Diversität ist nicht die Ursache dafür. Wer das behauptet, missbraucht Monitoringdaten für Polemik. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Drittens. Ihre vorgeschlagenen Willkommensklassen zeigen deutlich: Integration schlägt Segregation. Studien zeigen, dass Wartezeiten und Parallelsysteme die Deutschkompetenzen verschlechtern. In erfolgreichen Modellen wird zügig in altersgerechte Klassen integriert und Förderung eng mit dem Regelunterricht verzahnt. Das bedeutet im Klartext: Separation bremst und Integration nicht. Ich frage mich, wo Sie eigentlich unterwegs sind. In meinem Wahlkreis gibt es gute Go-In-Klassen; ich sehe bei mir zu Hause in Kamen die Erfolge und bewerte das deshalb deutlich anders. Viertens. Mehrsprachigkeit ist ein Schatz und kein Feindbild. Wird Deutsch konsequent als Bildungssprache aufgebaut und werden Familiensprachen didaktisch einbezogen, stärkt das die Lesekompetenz, fachliches Lernen und metasprachliche Fähigkeiten. Das ist kein Entweder-oder – das ist widerlegt –, sondern ein Sowohl-als-auch. Das wirkt, und das bestätigen zum Beispiel die aktuelle Studie des Mercator-Instituts oder die Robert Bosch Stiftung. Fünftens. Würde man Ihrem Antrag folgen, verschärfte man den Lehrermangel. Schon 2022 fehlten rund 8.000 Lehrkräfte; in 2025 waren 8.800 Stellen unbesetzt. Wer Parallelklassen aufbauen will, braucht Personal, und dieses gibt es nicht. Was Sie hier vorgelegt haben, entspricht kompletter Realitätsverweigerung und ist keine Lösung. (Beifall von der SPD und Franziska Müller- Rech [FDP]) 28.01.2026 Sechstens. Ihre Ethik und Ihr Weltbild erzeugen einfach nur Angst statt Verantwortung. Die AfD schürt Angst, spaltet und bietet untaugliche Scheinlösungen. Wer Kinder nach Herkunft sortiert, nimmt ihnen wertvolle Lernzeit, die Alltagssprache, das Selbstvertrauen. Die Leistungen werden dann schlechter und nicht besser. Ich stehe klar für die Position der SPD-Fraktion: Wir wollen früher ansetzen und verbindlich fördern. Wir fordern dafür schon lange landeseinheitliche Sprachstandserhebung. (Markus Wagner [AfD]: Deswegen werden die Bildungsergebnisse auch immer schlechter!) Dann würden die Kinder anhand ihrer Potenziale, anhand dessen, was sie mitbringen, gefördert, und das alltagsintegriert. Zweitens fordern wir Integration vor Separation, und das mit Deutsch als Zweitsprachenunterricht. Drittens fordern wir die Stärkung alltagsintegrierter Sprachbildung. Das haben wir hier häufig genug vorgelegt. Viertens fordern wir Qualitätssicherung, auch durch Personalgewinnung, sowie fünftens Monitoring und Transparenz. Wir orientieren uns an Studiendaten, also an dem, was wissenschaftlich belegt ist, und nicht an irgendeiner Ideologie. Sechstens möchten wir keine Politik, die Angst schürt und unsere Gesellschaft spaltet. (Beifall von der SPD) Kinder sind keine Schachfiguren unserer Weltanschauung. Sie haben Anspruch auf wissenschaftsbasierte und menschenwürdige Bildung. Das bietet die AfD nicht. Wer Bildung ernst nimmt, stärkt die deutsche Sprache, integriert und setzt auf eine gute Bildungspolitik, die der Menschenwürde entspricht. Wir lehnen diesen Antrag daher entschieden ab. – Herzlichen Dank. (Beifall von der SPD)
