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Elisabeth Müller-Witt

SPD 27.11.2025 Sitzungen 18/110

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! „Denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben […]. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll.“ Es ist dieser Vers aus Jesaja 56, der die Mission von Yad Vashem zusammenfasst. „Ihr seid nicht schuldig für das, was damals geschehen ist, aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts von dieser Geschichte wissen wollt.“ So Esther Bejarano, eine deutsche, jüdische Überlebende des KZ Auschwitz-Birkenau. Mit Anita Lasker-Wallfisch und anderen spielte sie im Mädchenorchester von Auschwitz. Wer wird dieses Lächeln je vergessen, diese Stimme, diese eindringlichen Worte? Esther Bejarano war wie auch Margot Friedländer und andere Überlebende des Holocaust im Gespräch mit jungen Menschen, um ihnen das weiterzugeben, was nur Zeitzeugen selbst weitertragen konnten. Es war neben dem Wissen, den Fakten das, was man nur spüren konnte: die Emotion, die Traurigkeit, aber auch die Liebe zu den Menschen. Diese Form der Weitergabe hat uns nun fast verlassen, und wir suchen neue Wege, das „Nie wieder“- Versprechen umzusetzen. Dies hat sich neben dem vorrangigen Gedenken und Erinnern Yad Vashem zur Aufgabe gemacht. Deshalb wurde in Yad Vashem ein besonderer Wert auf Bildungsarbeit gelegt, um künftige Generationen zu erreichen. Mit der Gründung der Internationalen Schule für Holocaust-Studien wurde im Jahre 1993 der Grundstein für ein umfangreiches Bildungsangebot zum Holocaust gelegt. So bietet die Schule Fortbildung an und fördert den Erfahrungsaustausch mit Pädagoginnen und Pädagogen aus aller Welt. Landtag Eine ihrer wesentlichen Aufgaben ist die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien für den Einsatz in Grund-, aber auch in weiterführenden Schulen. Die Internationale Schule für Holocaust-Studien ist didaktisch weltweit führend. Die von ihr entwickelten pädagogischen Konzepte basieren auf einer langen Erfahrung mit der Auseinandersetzung und Vermittlung des Holocaust an Kinder und Jugendliche. Deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass man sich dazu entschieden hat, in Deutschland, dem Land der Täter, einen Standort der Internationalen Schule für Holocaust-Studien, ein Yad Vashem Holocaust Education Center, zu schaffen. Eines der in die engere Auswahl für den Standort gekommenen Bundesländer ist Nordrhein-Westfalen. Bereits dies ist für uns Ehre und Ansporn zugleich. In unserem Bundesland gibt es inzwischen mehr als 30 Mahn- und Gedenkorte, die sich individuell der Aufarbeitung des Nationalsozialismus und des Holocaust im Speziellen widmen. Im Jahr 2000 sprach unser damaliger Landesvater und späterer Bundespräsident Rau als erster Deutscher vor der Knesset. Damit begann die lange, bis heute andauernde Zeit der Versöhnung. Erst kürzlich besuchte Landtagspräsident Kuper mit einer Delegation Israel. Damit haben auch Sie für uns ein Zeichen gesetzt. Dafür möchte ich Ihnen von hier aus herzlich danken. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP) Die Reihe der Besuche nordrhein-westfälischer Politiker in Israel sowie das heutige nordrhein-westfälische Büro in Tel Aviv bringen den Wunsch nach einer besonderen Beziehung Nordrhein-Westfalens zum Staat Israel zum Ausdruck. In unserem Bundesland leben wieder zahlreiche jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger. So bereichern Synagogengemeinden das religiöse Leben, und jüdische Traditionen sind wieder fester Bestandteil von Nordrhein-Westfalen. Gerade deshalb wäre es ein unschätzbarer Wert für Nordrhein-Westfalen, wenn mit einem Standort des Yad Vashem Education Centers die pädagogische Arbeit zum Holocaust einerseits und damit auch der Kampf gegen den Antisemitismus andererseits einen großen Zugewinn erfahren würden. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP) Lernen über das Lernen des Unsagbaren vom Land der Opfer – welch eine Geste! Ich habe meine Rede mit einem Zitat von Esther Bejarano begonnen und möchte mit den Worten von Margot Friedländer schließen: 27.11.2025 „Wir dürfen niemals vergessen, doch erinnern allein reicht nicht.“ – Ich danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP)

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