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Klaus Voussem

CDU 27.11.2025 Sitzungen 18/110

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Erinnerung ist das Geheimnis der Erlösung.“ Dieses Wort des Rabbiners Israel ben Eliezer erinnert uns daran, dass Erinnerung nicht Vergangenheit konserviert, sondern Zukunft gestaltet. Wer über Yad Vashem spricht, spricht über mehr als eine Institution. Wir sprechen über einen moralischen Grundpfeiler einer Weltordnung, die aus der dunkelsten Katastrophe unserer Geschichte erwachsen musste. Yad Vashem steht für die Verpflichtung, die Shoah zu erinnern, und für die Einsicht, dass diese Erinnerung nie abgeschlossen ist. Die vorliegende Initiative unterstreicht, dass Nordrhein-Westfalen seiner historischen Verantwortung auch in Zeiten wachsender Anfeindungen gegen Jüdinnen und Juden in unserem Land gerecht werden will. Nordrhein-Westfalen verfügt über eine außergewöhnlich hohe Dichte in der Bildungs- und Forschungslandschaft und über mehr als 30 geförderte Gedenkstätten sowie über ein starkes Netzwerk zivilgesellschaftlicher Initiativen. Diese Vielfalt schafft ein Fundament, das europaweit seinesgleichen sucht. Zugleich pflegt unser Land seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu Yad Vashem und zu Israel. Früh entstanden hier aus der Zivilgesellschaft heraus die ersten Brücken, noch bevor 1965 diplomatische Beziehungen aufgenommen wurden. Studierendenund Jugendaustausch, Städtepartnerschaften und das breite Engagement von Kirchen und Verbänden prägten dieses besondere Vertrauensverhältnis. Es wurde vertieft durch die Absichtserklärungen der Landesregierungen von 2014, 2019 und 2025 und durch die Eröffnung des Israel-Büros des Landes in Tel Aviv. Dass Yad Vashem erwägt, erstmals ein Education Center außerhalb Israels zu errichten, und Nordrhein-Westfalen dafür in die engere Auswahl gekommen ist, ist Ausdruck dieser besonderen Partnerschaft, aber auch Anerkennung unserer Bildungsarbeit Landtag und unseres kontinuierlichen Engagements gegen Antisemitismus. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN, Elisabeth Müller-Witt [SPD] und Dirk Wedel [FDP]) Nordrhein-Westfalen ist mit rund 18 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands, liegt im Herzen Europas und ist innerhalb eines 500-km-Radius von über 160 Millionen Menschen erreichbar. Wir verfügen über die größte jüdische Gemeinschaft in Deutschland, über eine hoch leistungsfähige Infrastruktur, mehrere internationale Flughäfen und über das dichteste Schienen- und Straßennetz des Landes. Damit bietet Nordrhein-Westfalen ideale Voraussetzungen für stationäre wie mobile Bildungsangebote von europäischer Reichweite. Ein Vorhaben dieser Tragweite wäre ein europäischer Leuchtturm der historisch-politischen Bildungsarbeit. Es würde Lehrkräfte, Studierende, Multiplikatoren und junge Menschen aus ganz Deutschland und darüber hinaus erreichen. Gerade in einer Zeit, in der geschichtsrevisionistische Narrative, Relativierungen und offene Judenfeindlichkeit wieder lauter werden, braucht es Orte, die Wissen vermitteln, Haltung prägen und Demokratie immunisieren. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN und Dirk Wedel [FDP] – Vereinzelt Beifall von der SPD) Die Landesregierung stärkt diese Arbeit seit Jahren konsequent, und zwar mit der Kampagne „Nie wieder ist jetzt“, dem 10-Punkte-Plan gegen Antisemitismus, der Hilfsinitiative „Shalom Chaveruth“ als Zeichen der Solidarität nach dem 7. Oktober 2023 und dem kontinuierlichen interreligiösen Dialog, bei dem jüdische, christliche und muslimische Vertreter gemeinsam Verantwortung übernehmen. Diese tragfähige Basis wird durch die breite Unterstützung von Kirchen, Religionsgemeinschaften, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden sowie den Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen flankiert, die ausdrücklich hinter der Bewerbung stehen. Die heutige fraktionsübergreifende Einbringung des Antrags zeigt: Erinnerungspolitik ist keine Frage politischer Farben, sondern eine Frage der staatsbürgerlichen Vernunft. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN, Elisabeth Müller-Witt [SPD] und Dirk Wedel [FDP]) Damit geben wir der Landesregierung einen klaren und verbindlichen Handlungsrahmen für die nächsten Schritte: Nordrhein-Westfalen muss diese Bewerbung mit allem gebotenen Nachdruck weiter vorantreiben und seine starke Position im bundesweiten Verfahren selbstbewusst einbringen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Erinnerungskultur ist nicht nostalgisches Gedenken. Sie ist eine Investition in die demokratische Widerstandsfähigkeit unseres 27.11.2025 Landes. Wenn Nordrhein-Westfalen die Chance erhält, Standort des ersten Yad Vashem Education Centers außerhalb Israels zu werden, ist das ein historisches Signal – ein Signal der Verantwortung, der Solidarität und der Zukunftsorientierung. Lassen Sie mich mit einem Satz des Vorsitzenden von Yad Vashem, Dani Dayan, schließen: „To remember is a choice and to educate is a duty.“ Wir treffen heute die richtige Wahl, und wir erfüllen unsere Pflicht. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

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