Silvia Gosewinkel
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die AfD nennt die Digitalisierung in der Bildung einen Irrweg. Ich nenne das Realitätsverweigerung. Ich muss sagen: Selten habe ich in diesem Hause eine so ambitionslos vorgetragene Rede gehört. Und das Erste, was Sie danach tun: Sie setzen sich an Ihren Platz und daddeln auf dem Handy. (Beifall von der SPD, den GRÜNEN und der FDP) Landtag Es scheint so zu sein, dass Sie der Technik gar nicht so abgeneigt sind. Dennoch verlangen Sie in Bezug auf unsere Kinder, dass die digitale Bildung bekämpft wird. Damit bekämpfen Sie auch die Qualität in der Bildung und wollen somit einen Rückschritt. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Das ist nicht evidenzbasiert, das ist einfach nur ideologisch verblendet. Sie verkaufen es als evidenzbasierte Neuausrichtung, in Wahrheit ist es aber Ihr ideologischer Rückschritt und somit auch ein Angriff auf die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. (Beifall von der SPD) Warum? Die AfD behauptet schon in ihrer Überschrift, die Digitalisierung sei ein Irrweg. Sie verweisen auf die Kosten für Endgeräte, auf die Anschlussfinanzierung nach dem REACT-EU und auf Beispiele aus Schweden und Dänemark, die angeblich zurück zu Büchern gehen. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Sie fordern sogar die schrittweise Reduzierung der Tablet-Nutzung und eine Rückkehr zu analogen Lernformen, also zu Handschrift und Büchern. Das klingt irgendwie nach Sparsamkeit, aber in Wahrheit ist das ein Programm für Bildungsabbau. Warum ist das so gefährlich? Erstens. Die AfD-Fraktion ignoriert die Realität. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern eine Grundvoraussetzung für die Chancengleichheit in der Bildung und auch für unsere wirtschaftliche Zukunft. Zweitens. Sie verschweigen, dass Länder wie Schweden nicht die Digitalisierung abschaffen, sondern ihre Konzepte vor Ort verbessern. Drittens. Wissenschaftliche Studien zeigen klar, dass digitale Kompetenzen heute genauso grundlegend sind wie Lesen und Schreiben. Sie plädieren für Evidenzbasierung und ziehen dann populärtechnische Quellen aus der Schublade wie techjunkies.blog. Das ist eine Expertenmeinung, wenn überhaupt. In der Wissenschaft betrachtet man das Ganze als geringste Evidenz, die man zurate ziehen kann. Ganz großes Kino, liebe AfD! (Beifall von der SPD und den GRÜNEN) Was sagt denn die Wissenschaft? Sie beziehen sich auf sogenannte evidenzbasierte Erkenntnisse. Schauen wir uns Ihre Quellen einmal an. Sie haben zwei Quellen genannt: die EU-Finanzdaten und eine Stellungnahme des Karolinska Institutets. Das sind allerdings keine Meta-Analysen, also nicht sehr hochwertig. Der Rest sind Pressemitteilungen, Blogs, Nachrichtenartikel. Das ist keine Wissenschaft, das ist reine selektive Interpretation Ihrerseits. Das ist einfach nur ideologiebasiert. 26.11.2025 (Beifall von der SPD und Tim Achtermeyer [GRÜNE]) Wer hier in diesem Haus ernsthaft Bildungspolitik gestalten will, der muss sich auf belastbare Studien stützen und nicht auf irgendwelche Schlagzeilen oder Ideologien. Sie daddeln ja nach wie vor auf Ihrem Handy. Ganz ehrlich: Sie scheinen sich also nicht wirklich für das Thema zu interessieren. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und Franziska Müller-Rech [FDP] – Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) – Doch ich schaue mir ganz gerne … (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) – Nein, ich rede jetzt. – Ich schaue mir gerne bildungspolitische Evidenzen an, zum Beispiel das Leibniz-Institut oder die Universität Duisburg-Essen. Die belegen klar, dass digitale Lernumgebungen Lernergebnisse verbessern können – vorausgesetzt, dass Lehrkräfte qualifiziert sind und die Technik didaktisch eingebettet wird. (Sven Werner Tritschler [AfD]: Können!) Das ist das Wichtige: Es ist eine Methode. Oder eine andere Studie, die ICILS ... (Sven Werner Tritschler [AfD]: Warum werden die Schüler dann immer schlechter?) – Wenn Sie etwas zu sagen haben, können Sie sich gerne melden. Aber jetzt rede ich – so wie jeder andere, der hier vorne stehen darf. (Beifall von der SPD – Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Die ICILS-Studie zeigt, dass Schüler in den Ländern mit hoher digitaler Kompetenz bei Problemlösung und Medienkritik besser abschneiden. Ich finde, dass gerade in der heutigen Zeit eine wichtige Schlüsselqualifikation für das Thema „Demokratie“ und für unsere Arbeitswelt ist. Genau deshalb ist das wichtig. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Im vorliegenden Antrag wird Schweden angeführt, wo die Nutzung von Tablets in den Grundschulen angeblich reduziert wurde. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Doch es wird vermutlich bewusst von Ihnen verschwiegen, dass Schweden gleichzeitig über 100 Millionen Euro in die digitale Infrastruktur und Lehrkräfte investiert. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Das machen die nämlich parallel. Das ist keine Rückkehr ins Gestern, sondern eine Balance. Und genau Landtag die brauchen wir auch hier. Sie wollen einfach nur den Stecker ziehen. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU, den GRÜNEN und der FDP) Genau darin liegt der Kern: Die Wirtschaft in unserem Land braucht digitale Kompetenzen bei unseren Schülern. (Sven Werner Tritschler [AfD]: Die brauchen Lesekompetenz! – Zuruf von der SPD) Unsere Unternehmen von Mittelstand bis Industrie suchen händeringend Fachkräfte. (Sven Werner Tritschler [AfD]: Die können nicht einmal lesen und schreiben! – Weitere Zurufe – Glocke)
