Frank Müller
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am Antrag der AfD stimmt exakt ein Wort, und das ist das Wort „Deckmantel“. Denn die AfD verdeckt mit diesem Antrag einmal mehr ihre eigentliche Agenda. Wie man aus einer Handlungsempfehlung für ein Chancenjahr eine Kita-Pflicht durch die Hintertür machen kann, scheint man am Ende nur durch mangelnde Leseund Verstehenskompetenz begründen zu können. Möglicherweise wäre bei Ihnen ein Chancenjahr durchaus hilfreich, aber wir alle haben die Hoffnung verloren. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU, den GRÜNEN und der FDP) Nicht nur der Antrag, der ein bisschen wie der Wolf im Schafspelz daherkommt, sondern vor allem Ihre Rede zu dem Antrag ist ein Zeugnis eines grundsätzlichen Misstrauens gegenüber frühkindlicher Bildung. Immer wieder macht die AfD nicht nur an diesem Redepult im Landtag, sondern auch woanders deutlich, wie sie zur frühkindlichen Bildung steht – von der AfD übrigens häufig als „Fremdbetreuung“ geframed. Sie stellt professionelle Förderung in Kitas unter Generalverdacht einer Staatserziehung – davor müssen Sie als AfD ja mächtig Angst haben, mächtig Angst auch vor einer pluralen Gesellschaft – und sehen das allenfalls als Notlösung. Sie wollen etwas anderes, wenn Sie so harmlos formulieren, Eltern müssten frei von wirtschaftlichen 25.11.2025 Zwängen zwischen Eigenbetreuung und Fremdbetreuung wählen können. Sie interessieren sich in keiner Weise für den Bildungserfolg junger Menschen oder für deren Emanzipation oder für deren Rechte. Das Wort „Kinderrechte“ kommt in Ihren Reden übrigens nie vor, wenn man Ihnen zuhört, ganz im Gegenteil: Sie befriedigen schlicht Ihre Sehnsucht nach einem alten Rollenmodell und einer alten Zeit, in der insbesondere für Frauen wenig bis gar nichts gut war, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN und der FDP) Das verwundert nicht, wenn man in Ihre testosterongesteuerten Reihen guckt. Aber wenn man sich das richtig überlegt, hat das mit echter Männlichkeit nichts zu tun, im Gegenteil: Am Ende ist es schlicht erbarmungswürdig. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU, den GRÜNEN und der FDP) Wer Kitas pauschal als Fremdbetreuung diffamiert, der schwächt am Ende die Chancen jener Kinder, die auf Sprachförderung, soziale Integration und frühe Bildung angewiesen sind. Die AfD will ihnen den Boden unter den Füßen wegziehen, indem sie die Institution, die diese Förderung leistet, delegitimiert – es sei denn, diese Institutionen arbeiteten alle in Ihrem Sinne, dann würden wir hier etwas anderes erleben. Aber wie ich gerade schon sagte: Sie müssen mächtig Angst vor Meinungsvielfalt und davor, dass Kinder auch eigene Positionen und Meinungen entwickeln, haben. Wir sagen deswegen klar: Frühkindliche Bildung ist kein Angriff auf Elternrechte, sondern die Grundlage für Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit und auch die Garantie für die unveräußerlichen Rechte, die Kinder als eigenständige Individuen in unserem Land haben sollten. Wer sie unter dem Schlagwort „Fremdbetreuung“ bekämpft, betreibt nicht nur Politik gegen die Zukunftschancen junger Menschen, sondern er betreibt am Ende Politik gegen die Zukunft unseres Landes. Und wer Politik gegen die Zukunft unseres Landes macht, der kann unser Land am Ende nicht lieben. – Herzlichen Dank, Glück auf, und allen noch einen schönen Abend. (Beifall von der SPD und der FDP – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN)
