Kirsten Stich
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! In zwei Wochen findet bei uns im Landtag eine Sachverständigenanhörung statt. Und jetzt raten Sie mal, zu welchem Thema! Es geht um die Mehrsprachigkeit an Schulen und die Chancen für die Gesellschaft und die persönliche Entwicklung. (Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD]) Deshalb wundert man sich, warum heute dazu ein Antrag der AfD vorliegt. Wir wissen allerdings: Es geht Ihnen ja gar nicht um fachliches Expertenwissen oder gar um Sprachentwicklung, sondern einzig und allein um populistische Sensationshascherei. (Beifall von der SPD) Es gibt nirgendwo Hinweise darauf, dass Klassenarbeiten künftig in anderen Sprachen stattfinden sollen. Ihre völlig übertriebene große Besorgnis ist also absolut überflüssig – so wie Ihr Antrag. Ich sage Ihnen: Mit Blick auf die Fakten, auf Gerechtigkeit und auf unsere gemeinsame Verantwortung gegenüber allen Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen ist die einzige Haltung, die man in dieser Frage haben kann, die Ablehnung des Antrags. (Beifall von der SPD) Grundsätzlich ist Mehrsprachigkeit niemals ein Hindernis, sondern eine außerordentliche Begabung, und Herkunftssprachlicher Unterricht ist für viele Schülerinnen und Schüler eine Bereicherung. Bereits jetzt zeigen Studien: Wer seine Erstsprache schon gut beherrscht, erzielt auch in weiteren Sprachen bessere Leistungen. Wenn wir also unsere jungen Menschen zwangsläufig auf eine alleinige deutsche Sprache reduzieren, anstatt ihre Mehrsprachigkeit zu fördern, ignorieren wir wissenschaftliche Erkenntnisse und die Lebensrealität vieler Familien in NRW. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Bildung ist nämlich kein Luxus. Sie ist grundlegend für Teilhabe, Selbstwirksamkeit und gesellschaftliche Integration. Wer ausreichende Sprach- und Sachkompetenzen erwirbt, kann nicht nur am Unterricht teilnehmen, sondern mitdenken, mitreden und sich darüber hinaus noch viel besser integrieren. Zudem Landtag gibt es überzeugende Belege dafür, dass Bildung präventiv gegen Kriminalität und Ausgrenzung wirkt. (Beifall von der SPD) Wir müssen uns also fragen: Wollen wir, dass Jugendliche Aufgabenstellungen nur dann verstehen, wenn sie sprachlich privilegiert sind? (Enxhi Seli-Zacharias [AfD]: Ja!) Oder wollen wir, dass sie mithalten können und sich bilden, damit sie echte Perspektiven haben? Wollen wir, dass sie im Unterricht mitkommen, verstanden werden und dadurch ein konstruktiver Teil unserer Gesellschaft sein können? Am vergangenen Samstag hat der möglicherweise rechtsextremistische neue Jugendverband der AfD mit dem entsprechenden NRW-Landesverband in Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis eine, wie Sie es selbst ausdrücken, „Jungakademie“ für die „politische Elite von morgen“ abgehalten, (Zurufe von der SPD: Ui! – Zuruf von Enxhi Seli-Zacharias [AfD]) zusammen mit dem Abgeordneten Tritschler. Er soll dort, man mag es kaum glauben, über das Thema „Medienarbeit“ gesprochen haben. Ernsthaft? (Lachen von Enxhi Seli-Zacharias [AfD]) Insgesamt gehe ich nicht davon aus, dass Worte wie „Integration“, „Mehrsprachigkeit“ oder auch „Chancengerechtigkeit“ Bestandteil dieser Jungakademie waren. (Enxhi Seli-Zacharias [AfD]: Süß!) Ein Blick auf die Tagesordnung, Grußworte und Tagungsgäste zeigt, dass Themen wie „Remaskulinisierung“ und die „Verteidigung traditioneller Frauenrollen“ sowie die offene Propaganda von faschistischen Ideologien eher im Mittelpunkt dieser „Lehrveranstaltung“ standen. (Zuruf von Enxhi Seli-Zacharias [AfD]) Wir alle wollen uns nicht vorstellen, was die AfD unter der „jungen politischen Elite von morgen“ versteht. Ich kann nur sagen: Ich verstehe diese angebliche Elite nicht als konstruktiven Teil unserer Gesellschaft. Das ist einfach nur zum Schämen. (Beifall von der SPD, den GRÜNEN und Jens- Peter Nettekoven [CDU] – Zuruf von Andreas Keith [AfD]) Der diesjährige bundesweite Vorlesetag stand am … (Zuruf von Andreas Keith [AfD]) – Das muss ja richtig knallen, jawohl. Der diesjährige bundesweite Vorlesetag am vergangenen Freitag stand unter dem Motto … 25.11.2025 (Zuruf von Andreas Keith [AfD] – Silvia Gose- winkel [SPD]: Sie sind nicht dran!) Frau Präsidentin, vielleicht können Sie dafür sorgen, dass ich jetzt sprechen kann. (Thorsten Klute [SPD]: Scheint ja getroffen zu haben! – Weitere Zurufe von der SPD und den GRÜNEN)
