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Justus Moor

SPD 06.11.2025 Sitzungen 18/106

„Da oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir. Ich trag mein Licht und fürchte mich nicht.“ Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Jetzt will die AfD also Sankt Martin für sich instrumentalisieren, um wieder Angst und Furcht vor Terrorismus, vor Einwanderung, vor dem Islam zu verbreiten; denn davon ernährt sich die AfD: von Furcht und Hetze. Doch das Martinsfest ist das Gegenteil all dessen. In Laternenumzügen und Lichterfesten wird Gemeinschaft, wird Barmherzigkeit, wird das Vereinende gefeiert und nicht das Abschotten, nicht das Hetzen. Der eine oder andere weiß, dass ich seit meinem elften Lebensjahr im Bläserkreis der Evangelischen Gemeinde Heessen Trompete spiele. Ganz liebe Grüße! Unser Bläserkreis hat auf unzähligen Laternenumzügen all die Klassiker gespielt: „Da oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir.“ Bei den Laternenumzügen und Lichterfesten sind Familien aller Glaubensrichtungen dabei, egal ob evangelisch, katholisch, orthodox, egal ob muslimische, jüdische oder hinduistische Familien, egal, ob man sich keiner Religion oder einem Glauben zugehörig fühlt. Wenn die Lieder erklingen, die Laternen leuchten und man das Strahlen in den Augen der Kinder sieht, dann ist vollkommen egal, wo man herkommt und ob und wie man glaubt. Die Kinder tragen ein Licht in die Welt. Darauf kommt es an. Es ist das Vereinende, nicht das Trennende. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der CDU) Doch die AfD will genau das instrumentalisieren. Sie wollen die Geschichte des römischen Soldaten Martinus instrumentalisieren. Sie wollen Tradition instrumentalisieren. Dabei passt nur blöderweise die Geschichte von Martinus, von Sankt Martin, so gar nicht zur Ideologie der AfD. Vielleicht hätte man vorher einmal etwas mehr lesen und sich ein bisschen mehr mit der Geschichte auseinandersetzen sollen. Vor gut 1.700 Jahren ist Martinus als alleinreisender, männlicher – übrigens nicht christlicher – Minderjähriger nach Westeuropa eingewandert – (Gordan Dudas [SPD]: Hört, Hört!) 06.11.2025 ziemlich sicher aus Richtung der Balkanrouten. (Gordan Dudas [SPD]: Auch das noch!) Gut, dass die AfD damals nicht existiert hat. Sie hätten Sankt Martin direkt wieder abschieben wollen. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der CDU) Während die AfD den Spitzensteuersatz senken, die Erbschafts- und Schenkungssteuer abschaffen und den Sozialstaat aushöhlen will sowie gegen den Mindestlohn eintritt, steht doch Sankt Martin für das genaue Gegenteil. Am Stadttor von Amiens, im Norden des heutigen Frankreichs, sah er einen unbekleideten Mann und teilte den einzigen Mantel, den er besaß, in zwei Hälften und gab eine Hälfte dem Mann. Was für eine Tat! In der katholischen Kirche ist er deswegen der Schutzheilige der Reisenden, der Armen und übrigens auch der Flüchtlinge. (Dr. Günther Bergmann [CDU]: Das passt jetzt gar nicht! – Zurufe: Oh!) Ein Einwanderer, der sich für arme Menschen, Bettler und Geflüchtete einsetzt und dafür von seinem Reichtum noch etwas abgibt, kann man auch als ziemlich gutes Lebensmotto verstehen: Lebe so, dass die AfD etwas dagegen hat. Sankt Martin hat es vorgemacht. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der CDU) Ich bin mir ziemlich sicher: Würde Martin heute leben, würde er die andere Hälfte seines roten Mantels als Fahne nutzen und wäre bei den Demos gegen Rechts an vorderster Stelle; denn eines ist klar: Sankt Martin ist definitiv Team Laternenumzug und nicht Team Fackelmarsch. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP) Daher machen wir das so, wie Sankt Martin es vorgemacht hat: Wir leben so, dass die AfD etwas dagegen hat. Deswegen lehnen wir diesen Antrag selbstverständlich ab. Martin hätte es auch getan. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP)

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