Dr. Hartmut Beucker
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Damen, geehrte Herren! Mit der Filmbildung komme ich regelmäßig in Kontakt, weil ein Familienmitglied dem Filmen als Hobby frönt. Da wird Material gesammelt, gesichtet, bearbeitet, geschnitten, vertont und kritisiert. Der ernsthafte Filmfreund tut das selbstverständlich organisiert im Verein. Als Angehöriger kann man an offenen Abenden teilnehmen. Nach drei Stunden und zwölf bis fünf-Landtag zehn Filmen hat man einen schönen Überblick über aktuelle und beendete Projekte – Projekte, die ich regelmäßig als gelungen betrachte, anders als diesen Antrag. Dieser soll die Filmbildung stärken, heißt es in der Überschrift. Doch schon der erste Satz lautet anders. Die Filmkultur als Ganzes wird in den Blick genommen; die Filmbildung wird mit der Filmvermittlung gleichrangig aufgeführt. Schon das Etikett des Antrags stimmt also nicht. Es stimmt auch insofern nicht, als die Überschrift den Eindruck erweckt, bei der Filmbildung – wir wissen nach dem Lesen des Antrags: es geht um Filmförderung als Ganzes – werde gekürzt, dass die Schwarte kracht. Von solch alarmistischen Befunden weiß der Antrag selbst aber dann gar nichts zu berichten. Er spricht davon, dass die Förderung nicht stetig gestiegen sei; gegenüber 2022 sei sie kaum verändert. Nun, wer nachrechnet, findet einen Aufwuchs um 2,46 %. Der Antrag beklagt Desinformation; gegen diese müsse die Filmkultur helfen. Da hätte die SPD besser bei sich selbst angefangen. Der Antrag stellt die Forderung auf, eine bürokratische Verschlankung von Förderprogrammen dürfe nicht mit Kürzungen einhergehen. Das mag ja sein. Aber das steht überhaupt nicht zu befürchten. Die Zahlen des Haushaltes sprechen eine klare Sprache: Es ist reine Panikmache. Panikmache ist auch die alle naslang im Raum stehende Parole, die Demokratie sei gefährdet. Auch dieser Antrag enthält diesen Unsinn. Weil es so wäre, müsse die Filmbildung für eine – Zitat – „gesellschaftliche Resilienz“ sorgen. Mal abgesehen davon, dass dieses Modewort einfach hässlich ist und kaum einzusehen ist, warum die gute alte Widerstandsfähigkeit als Wort unbedingt ersetzt werden muss: Diese Behauptung stimmt hinten und vorne nicht. Lediglich ist zu konstatieren, dass es politische Erfolge für eine Partei der liberalen und konservativen Substanz gibt – für eine Kraft, die nicht den Konsens sucht, sondern den Konflikt aushält, die nicht den Applaus der Gegner will, sondern den Respekt der Geschichte; eine Partei, die begreift, dass politisches Handeln nur dort Wirkung entfaltet, wo es sich dem Zeitgeist widersetzt. Das ist die AfD, und ihr Erscheinen ist ein Lichtzeichen für die Demokratie – nichts anderes. Es verschwindet eine Repräsentationslücke, und es verschwindet eine Lücke in der politischen Wahrnehmung der Realität – nichts anderes. Wenn die Altparteien eine Gefährdung beklagen, dann ist das eine Gefährdung ihrer Macht – nichts anderes. Keineswegs ist es so, dass Kürzungen – kämen sie denn – vor allem Familien und Jugendliche träfen. Filmbildung im Sinne medienpädagogischer Ange-05.11.2025 bote findet vor allem in der Jugendarbeit und in der Schule statt. Diese sind im Antrag wohl eher nicht erfasst. Diskussionswürdiges bietet der Antrag allerdings auch. Das Gefälle in den Angeboten zwischen Stadt und Land besteht, und es muss verringert werden. Das gilt gerade dann, wenn es mangels Wohnraums in den Ballungsgebieten – auch so eine Baustelle der Altparteien – attraktiver gemacht werden muss, ländlicher zu wohnen. Bei der Stärkung des Filmbüros NW als Anlaufstelle und dem Ausbau des Netzwerks Filmkultur NRW stimmen wir dem Antrag ebenfalls vollkommen zu. Andererseits bleibt der Antrag in der Denkungsart der Kultur, die am Tropf von Förderungen hängt, gefangen. Anstatt Förderungen zu begrüßen, wird beklagt, sie seien nur einjährig. Die Akteure der Filmkultur und Filmbildung bräuchten nämlich Planungssicherheit. Dann ist es aber Unsinn, wenn behauptet wird, diese Sparte brächte Arbeitsplätze. Diese erweisen sich so nämlich als herbeisubventioniert. Wenn aber gefördert wird – diesbezüglich hat der Antrag recht –, muss dies möglichst früh feststehen. Da ist wohl noch einiges zu leisten. Was bleibt zu konstatieren? Viel Schatten, wenig Licht! Zum Drehen eines Films wäre das wohl zu wenig. Mal sehen, was die Erörterung im Ausschuss bringt. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
