Yvonne Gebauer
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn wir über Kultur sprechen, dann denken viele von uns wahrscheinlich zuerst an das Theater, an die Musik oder an die Literatur, vielleicht weniger an den Film, an die Filmkultur. Warum ist das so? Vielleicht liegt es schlicht und ergreifend daran, dass der Film im Leben der Menschen, in unserem Leben einen solch unverrückbaren Platz eingenommen hat, dass er primär gar nicht als das wahrgenommen wird, was er eigentlich ist, nämlich ein eigenständiges Kulturgut. (Beifall von der FDP) „Houston, wir haben Problem!“, „Möge die Macht mit dir sein“ oder – für die Älteren unter uns – „Ich schau dir in die Augen, Kleines“ (Heiterkeit von der FDP und der SPD – Jochen Ott [SPD]: Oh!) sind Zitate aus Filmen, die Menschen, die Generationen geprägt haben. Der Film, die Filmkultur erreicht Menschen unabhängig vom Alter, von der Herkunft, von Bildung oder Einkommen und bietet oftmals denjenigen einen niedrigschwelligen Zugang zur Kultur, die ansonsten wenig oder keine Berührungspunkte mit den klassischen Kultureinrichtungen haben. Der Film bei uns in Nordrhein-Westfalen leistet einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung von Jung und Alt. Er fördert bestenfalls Empathie, Differenzierungsfähigkeit, ästhetisches Verständnis, kritisches Denken und demokratische Bildung. Ich gestehe aber auch ein, dass nicht jeder Film diesen Ansprüchen gerecht wird und eine kulturelle Bereicherung ist. Wenn aber Film gut gemacht ist, dann sensibilisiert er auch für andere Lebenswelten und Kulturen, was gerade für unsere durch Zuwanderung und Vielfalt geprägte Gesellschaft wichtig ist: für die interkulturelle Verständigung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es gibt also viele gute Gründe für die Förderung der Film- und Filmbildungskultur in Nordrhein-Westfalen. Dass die finanzielle Förderung dieser Sparte seit Jahren stagniert, wie im Antrag kritisch ausgeführt wird, ist kein ermutigendes Signal. Dabei wäre es wichtig, den Akteurinnen und Akteuren durch eine verlässliche, auskömmliche und mehrjährige Förderung mehr Planungssicherheit zu geben. (Beifall von der FDP und Andreas Bialas [SPD]) Die Gründe dafür hat mein Kollege Andreas Bialas schon ausführlich beschrieben. Einen Punkt, der mir besonders am Herzen liegt, möchte ich herausgreifen: die kulturelle Teilhabe. Eingangs habe ich davon gesprochen, dass das Medium „Film“ für viele Menschen ein selbstverständ-05.11.2025 licher Alltagsbegleiter ist. Genau darin liegt meiner Ansicht nach die Chance einer Filmbildungsstrategie, wie sie im Antrag gefordert wird, ganz bewusst auch für den ländlichen Raum. Weiße Flecken im ländlichen Raum insbesondere hinsichtlich der Filmbildung sind ein Weckruf und ein Aufruf an die Politik, zu handeln. Denn die Filmbildung – auch das ist schon gesagt worden – schult die kognitive Wahrnehmung, die Interpretationsfähigkeit, die Reflexion eigener und fremder Perspektiven und damit einhergehend die interkulturelle Kompetenz. All das sind Kompetenzen, die allen Menschen, ob in der Stadt oder auf dem Land, zuteilwerden sollten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir uns fraktionsübergreifend darauf verständigen können, dass Filmkultur und Filmbildung ein unverzichtbarer Bestandteil der nordrhein-westfälischen Kulturlandschaft und der kulturellen Bildung sind, dann braucht die Filmkultur auch Verlässlichkeit und die Politik an ihrer Seite. (Beifall von der FDP und Andreas Bialas [SPD]) Sie braucht Verlässlichkeit auch hinsichtlich ihrer Wirtschaftskraft. Schließlich schaffen Filmkultur und Filmbildung Arbeitsplätze und sind somit ein positiver Wirtschaftsfaktor für das Land Nordrhein-Westfalen. Wir können es uns in Nordrhein-Westfalen bei einem Wirtschaftswachstum von minus 0,2 % im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zum vergangenen Jahr nicht leisten, kreative Menschen zu verlieren bzw. kreative Ideen in der Filmkultur, der Filmbildung und der Kreativwirtschaft nicht zu unterstützen. Deshalb halten wir Freie Demokraten es für eine richtige Idee, dass zur Ergründung der wirtschaftlichen Dimension ein Gutachten in Auftrag gegeben werden soll, welches Maßnahmen für die Sicherung und Gewinnung von Fachkräften enthält. Daher begrüßen wir als FDP-Fraktion den vorliegenden Antrag. Wie meine Kolleginnen und Kollegen freue ich mich auf die Beratungen im Ausschuss. – Herzlichen Dank. (Beifall von der FDP, Andreas Bialas [SPD] und Frank Jablonski [GRÜNE])
