Dr. Hartmut Beucker
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine verehrten Damen! Meine sehr geehrten Herren! Wissenschaftskommunikation ist unbestritten eine wichtige Aufgabe. Die Menschen sollten Zugang zu Bildung haben, die sie zu mündigen, aufgeklärten und an wissenschaftlichen Entwicklungen interessierten Bürgern werden lässt. Manche von Ihnen kennen vielleicht den äußerst erfolgreichen Scienceslam von Giulia Enders 2012, mit dem sie breites Interesse an dem bis dahin eher unterbelichteten Feld der Gastroenterologie geweckt hat, ein vorbildliches Beispiel gelungener Wissenschaftskommunikation. Der vorliegende Antrag krankt jedoch daran, dass die viel beschworene redliche Wissenschaftskommunikation vereinnahmt und tendenziell in den Dienst regierungskonformer Agenda genommen werden soll. Verräterisch diesbezüglich ist etwa, dass im vorliegenden Antrag von der Wissenschaftskommunikation während der Coronapandemie behauptet wird, sie habe – Zitat – „den Stellenwert professioneller Wissenschaftskommunikation eindrücklich verdeutlicht.“ (Dr. Bastian Hartmann [SPD]: Hat sie auch!) Das hat sie tatsächlich, allerdings als Negativbeispiel, wie wir nach der Veröffentlichung der RKI-Protokolle wissen. (Zuruf von Julia Eisentraut [GRÜNE]) Die Behauptung der Antragsteller wird nicht dadurch wahrer, dass sie inhaltlich die Argumentation des im Bundestag seinerseits verabschiedeten Antrags wiederholt. Damals wurden nämlich schändlicherweise kritische Stimmen gerade aus der Wissenschaft gegenüber den Schulschließungen, der Isolation der Älteren und den Maskenverordnungen diffamiert. Ebenso ergeht es derzeit denjenigen, welche die biologische Tatsache der Zweigeschlechtlichkeit gegenüber der Genderideologie verteidigen. (Julia Eisentraut [GRÜNE]: Auch das ist Quatsch!) Wer sich der Klimahysterie skeptisch entgegenstellt, wird erst recht als Leugner an den Pranger gestellt, als ob die bezweifelten Positionen göttliche Offenbarung und ihre Anzweiflung religiöser Frevel wären. (Zuruf von Julia Eisentraut [GRÜNE]) Im vorliegenden Antrag wird eine Förderung der Scicomm-Support als Anlaufstelle für angefeindete Wissenschaftler gefordert. Auf der Webseite erfährt man, dass seit Beginn der Aktivität im Juli 2023 89 Beratungsfälle bearbeitet wurden. Zitat: „Die meisten Anfragen kommen aus den Sozial- und Verhal-Landtag tenswissenschaften, oft zu Themen wie Klima, Gender und Naher Osten“. Egal aus welcher Richtung: Dringend ist eine Unterstützung nötig, wenn an den Universitäten ein sachlicher und freier Austausch erschwert ist. (Zuruf von Julia Eisentraut [GRÜNE]) Veranstaltungen, die linksgrünem Gedankengut widersprechen, werden zum Beispiel gestört und sogar verhindert. Das Bewusstsein dafür, dass echte Wissenschaft vom Widerspruch lebt und zu ihrer Entfaltung Freiheit braucht, ist zum Teil verloren gegangen, nicht zuletzt durch die Abkehr vom Humboldtschen Bildungsideal im Zuge der Bolognareform mit ihrer Kompetenzorientierung hin auf Anwendbarkeit. Professor Archut vom Bundesverband Hochschulkommunikation merkt zum vorliegenden Antrag an, die Hochschulen seien – Zitat – „in aller Regel selbst in der Lage, ihre Angehörigen in Kommunikations- und auch in Rechtsfragen zu unterstützen und zu beraten. Diese dezentralen Strukturen an den Hochschulen des Landes sollten gezielt gestärkt werden.“ Dem stimmen wir zu. In weitere entsprechende Strukturen neben den hochschuleigenen muss unserer Ansicht nach nicht investiert werden. Die AfD-Fraktion begrüßt Projekte, die das Interesse für und die Teilhabe von Laien an Wissenschaft stärken, also auch Citizen-Science-Projekte. Verständnis und die Toleranz dafür sollen geweckt werden, dass wissenschaftliche Kontroverse essenziell für die Dynamik eines Erkenntnisfortschritts ist. Problematisch finden wir noch, wenn der Antrag zur Wissenschaftskommunikation – Zitat – „eine klare Anerkennung als Schlüsselqualifikation, die in der wissenschaftlichen Karriereentwicklung und Profilbildung entsprechend gewürdigt wird“, fordert. Die AfD-Fraktion befürwortet selbstverständlich gute Wissenschaftskommunikation, aber es sollte zwischen Kommunikationsarbeit und wissenschaftlicher Leistung getrennt werden. (Zuruf von Julia Eisentraut [GRÜNE]) Ansonsten besteht die Gefahr, dass nicht die wissenschaftliche Leistung zuvörderst die Karrierechancen bestimmt, sondern die Kommunizierbarkeit des Themas und die Selbstvermarktungsfähigkeit des Forschers. Bezüglich der Forderung nach einer gesonderten Professur für Science, Data und Media Literacy schließt sich die AfD-Fraktion den ablehnenden Voten der Sachverständigen Professor Wessels, Professor Kriegesmann und Professor Archut an. Den Antrag insgesamt lehnen wir ebenfalls ab. – Danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der AfD) 09.10.2025
