Dr. Bastian Hartmann
Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die großen Fragen unserer Zeit – der Umgang mit Pandemien, der Klimawandel oder die Herausforderungen und Chancen von Künstlicher Intelligenz – haben alle eine Sache gemeinsam: Je komplexer die Aufgabe ist und je tiefgreifender die Veränderung, desto notwendiger ist es, dass wir technische Lösungen nicht nur finden, sondern sie auch besser erklären. Genau das tut Wissenschaftskommunikation. Sie bereitet schwierige Themen für eine Fachöffentlichkeit, für die Gesellschaft und auch für uns Politikerinnen und Politiker auf. Sie erklärt Probleme, und sie erklärt Lösungen. Damit schaffen wir Legitimation für wissensbasierte Politik. An sehr vielen Stellen passiert das schon. Das reicht von einer institutionellen Anbindung in Hochschulen und in Forschungseinrichtungen bis hin zu einzelnen Doktorand*innen, die ihr Herz in die Hand nehmen und Einblicke in ihren Forschungsalltag, in ihre Forschung geben und aufklären möchten. Das ist unbestreitbar wichtig. Aber Wissenschaftskommunikation wird auch unbestreitbar schwieriger, und zwar nicht nur, weil Engagement in Wissenschaftskommunikation nicht gerade karriereförderlich ist, weil es nicht goutiert wird, sondern auch, weil Forscherinnen und Forscher teilweise beschimpft, verächtlich gemacht, mitunter konkret bedroht werden. Auch darum ist klar: Es braucht dafür mehr Unterstützung. In Berlin hat man das erkannt. Dort hat man im letzten Jahr in einem großen, umfangreichen Antrag aufgeschrieben, was Wissenschaftskommunikation alles braucht. Besonders bemerkenswert ist, dass dieser Antrag die Zustimmung von SPD, Union, Grünen und FDP fand. Insofern gibt es erfreulicherweise zumindest in Berlin einen breiten politischen Konsens. Es geht um die Verankerung von Wissenschaftskommunikation auf allen Ebenen einer wissenschaftlichen Karriere, um Unterstützungsstrukturen, zum Beispiel beim Scicomm-Support, und darum, gemeinsam mit den Ländern neue Formate beispielsweise im Bereich der Weiterbildung zu entwickeln, um Austausch zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik zu ermöglichen. 09.10.2025 Vieles davon fällt in die Landeszuständigkeit. Deswegen setzen wir genau hier mit diesem Antrag an. Wir möchten mit dem Antrag die Anerkennung für Wissenschaftskommunikation gewährleisten, Menschen, die das tun, den Rücken stärken und Freiräume für sie schaffen. Und ja, das geht auch mit einer institutionellen Verankerung von Wissenschaftskommunikation einher. Denn gerade hier – das zeigen uns Studien, und auch in der Anhörung ist das deutlich geworden – hat Nordrhein-Westfalen noch Potenzial, das wir nutzen wollen. Wir wollen es zum Beispiel nutzen, indem wir die Aufgaben von Wissenschaftskommunikation ins Hochschulgesetz schreiben – das ist in Schleswig-Holstein schon lange der Fall – oder indem wir, wie wir vorgeschlagen haben, die Kompetenzen, die wir in Wissenstransfer, in Third Mission und in Wissenschaftskommunikation haben, im Ministerium bündeln und eine Ansprechstelle für die Community bilden. Das haben wir übrigens als Prüfauftrag aufgeschrieben. Wenn aber schon ein Prüfauftrag, also die minimalinvasive Vorstellung von parlamentarischen Eingriffen, die ehemals selbsternannte Zukunftskoalition in Angst und Schrecken versetzt, dann ist auch klar, glaube ich, warum uns Bayern hier meilenweit voraus ist. (Beifall von der SPD) Jetzt könnten wir das alles als weiteren Punkt auf der langen Liste politisch üblicher Selbstzufriedenheit einer Mehrheitskoalition abtun, der die alte bzw. übliche Deutungshoheit wichtiger ist als der Inhalt einer Initiative. Das könnten wir machen, wäre da nicht noch ein letzter Aspekt. Das ist die Bedeutung von Wissenschaftskommunikation, um demokratische Resilienz zu fördern und eine freie Gesellschaft zu verteidigen, gerade auch im Kampf gegen Fake News und Desinformationskampagnen, wie wir sie mittlerweile jeden Tag erleben. In der Anhörung haben wir einen ziemlich klaren Auftrag bekommen. Dort wurde laut und deutlich gesagt: Ran an die Urteilsfähigkeit der Empfängerseite, das heißt an die Vermittlung von Medienkompetenz, von Datenkompetenz, von KI-Kompetenz und besonders an die Verankerung dessen insbesondere in der Lehrkräftebildung und -weiterbildung! Das hätte eigentlich einen Konsens verdient – nicht nur in Berlin, sondern auch zwischen den Demokratinnen und Demokraten hier. Es wäre schön, wenn sich diese Notwendigkeit bis nach Düsseldorf herumsprechen würde. Im Moment warten wir noch darauf. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall von der SPD)
