Yvonne Gebauer
Herr Präsident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich eine Bemerkung vorneweg sagen. Liebe Frau Wermer, ich schätze Sie sehr, aber es als unredlich und weltfremd einzuordnen, wenn auf die Problemlage der freien Theaterhäuser hingewiesen und sich für diese eingesetzt wird, das müssen Sie den Kulturschaffenden der freien Theaterhäuser nicht nur heute, sondern in den kommenden Tagen noch einmal sehr deutlich erklären. (Beifall von der FDP und Andreas Bialas [SPD]) 08.10.2025 Die deutsche Kulturlandschaft – das ist schon gesagt worden – wäre ohne die freie Theaterszene nicht vorstellbar. Als Orte des Dialogs tragen die freien Theater gerade in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Polarisierung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei und fördern unsere demokratischen Werte. Sie stehen zudem für kulturelle Innovation, für gesellschaftliche Reflexion und für Meinungsfreiheit. Anders als große Häuser sind sie oft experimentell, gesellschaftskritisch – auch wichtig – und geben marginalisierten Perspektiven ebenso eine Plattform wie vielen Nachwuchskünstlerinnen und Nachwuchskünstlern. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere sieht nicht ganz so rosig aus. Denn viele Produktionshäuser sind durch Inflation, steigende Miet- und Energiepreise und die verbindliche Einführung vom Mindesthonoraren unter einen erheblichen Druck geraten. Dies könnte dazu führen, dass Theaterhäuser ihre Angebote reduzieren oder den Betrieb im schlimmsten Fall ganz einstellen müssen. Liebe Frau Osei, wir werden schauen, was sich am Ende des Tages hier in Nordrhein-Westfalen hinsichtlich der Theaterhäuser tun wird. Ich hoffe sehr, dass es so weit nicht kommen wird. (Beifall von Andreas Bialas [SPD]) Denn die Theaterschließungen wären ein schwerer Schlag ins Kontor unserer Kulturlandschaft und ein verheerendes Signal für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Nordrhein-Westfalen, zumal unsere freien Theater besonders in pädagogischen Programmen oder Schulkooperationen sehr aktiv sind. Deshalb wollen wir, SPD und FDP, mit diesem Antrag ein klares Zeichen für die Sicherung der kulturellen Vielfalt in Nordrhein-Westfalen setzen. Dabei kommt es – es ist schon angesprochen worden – natürlich auf faire Arbeitsbedingungen an. Wir leben in einer Zeit, in der die meisten Bühnen ihre Existenz nicht oder nicht mehr aus den Einnahmen ihrer Veranstaltungen sichern können. Wenn wir weiterhin die Prämisse verfolgen, dass die Aufführungen einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden sollen, wird sich daran auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Deshalb muss das Land seiner Verpflichtung nachkommen und die Sicherung der freien Theater als Teil einer vielfältigen Kulturlandschaft ermöglichen. Ein zu geringer oder sogar sinkender Etat für freie Bühnen leistet dazu keinen Beitrag. Was ist eigentlich mit den Verpflichtungen aus dem Kulturgesetzbuch, welches der Landtag im November 2021 mehrheitlich beschlossen hat und das eine faire Bezahlung der freien Szene vorsieht? Dieses Versprechen muss eingehalten werden. Denn wenn Kulturschaffende unterhalb des Existenzminimums arbeiten müssen, wird die gesamte kulturelle Wertschöpfungskette in Nordrhein-Westfalen gefährdet, was bedeutet, dass auch weitere Arbeitsplätze gefähr-Landtag det sind, zum Beispiel im Bereich der Veranstaltungstechnik. (Beifall von der FDP) Deshalb ist eine auskömmliche Finanzierungsgrundlage generell und eine angemessene Bezahlung nicht nur für freiberufliche Künstlerinnen und Künstler entscheidend. Liebe Kolleginnen und Kollegen, vergessen wir nicht, was uns die Sachverständigen aus der Anhörung zum Thema „Kulturelle Vielfalt sichern“ im März dieses Jahres mit auf den Weg gegeben haben. Jeder Euro, der für die Förderung der freien Theater ausgegeben wird, fließt in die Gesellschaft zurück und ist damit eine Investition in Bildung, in Teilhabe und auch in Demokratie. Als Gesellschaft brauchen wir für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt die Kultur. Die Kultur wiederum braucht neben uns als Publikum auch zwingend Planungssicherheit und eine auskömmliche Finanzierung. All das wird im vorliegenden Antrag vereint. Deshalb werbe ich zusammen mit meinem Kollegen Andreas Bialas um ihre Zustimmung zu diesem gemeinsamen Antrag. – Herzlichen Dank. (Beifall von der FDP und Andreas Bialas [SPD])
