Rodion Bakum
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Frau Oellers, wissen Sie, was ich gemacht habe? Ich habe vorher mal Chat-GPT gefragt: Wie wird Frau Oellers wohl auf den heutigen Antrag der FDP reagieren? Und was hat ChatGPT mir gesagt? Zustimmung zum Grundanliegen, Hinweise zur Ethik, zu bestehenden Regelungen und Möglichkeiten und Vertrauen statt Generalverdacht. Ich würde sagen: Da war alles dabei. (Heiterkeit von Susanne Schneider [FDP]) Ich schlage vor: In Zukunft schreibe ich einfach Ihre Reden. Dann können Sie sich auf die Stichwahl in Krefeld oder andere Dinge konzentrieren. (Heiterkeit von der SPD – Beifall von der SPD und der FDP – Zuruf von Britta Oellers [CDU]) Wir aber betreiben hier ernsthafte Arbeit, auch mit den Anträgen der anderen Fraktionen. Wir stimmen zu: Likes dürfen nie wichtiger als die Menschenwürde sein. 19.09.2025 Die Landesregierung musste in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage einräumen: Es gibt, wie die Kollegin Schneider sagte, mehrere Vorfälle, nicht nur in Pflegeeinrichtungen, sondern auch in Krankenhäusern. Es sind Fälle, in denen der Schutz der Privatsphäre nicht ernst genug genommen wurde. Darum brauchen wir verbindliche Leitlinien. Genau da setzt die FDP mir ihrem Antrag an. Ich sage ganz klar: Wir werden dem Antrag auch im Fachausschuss zustimmen. Der Sozial- und Medienwissenschaftler Professor Stefan Piasecki von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung weist seit Jahren darauf hin: Wir dürfen nicht nur über Medienkompetenz sprechen, also die Fähigkeit, Geräte und Apps zu bedienen. Entscheidend ist Medienliteralität, also die Fähigkeit, Inhalte kritisch zu verstehen, ihre Quellen einzuordnen, Manipulationen zu erkennen und notfalls gefährliche Inhalte klar abzulehnen. Auch das gehört zum heutigen Thema dazu. (Beifall von der SPD und der FDP) Viele Menschen – da ist das Problem –, ob in der Pflege, bei der Polizei oder auch in anderen Bereichen, haben nie gelernt, systematisch mit digital vermittelter Kommunikation umzugehen. Dadurch fehlt oft das Unrechtsbewusstsein, wenn Inhalte geteilt oder öffentlich gemacht werden, die eigentlich die Würde anderer verletzen. Piasecki nennt das den blinden Fleck unserer Ausbildungssysteme. Übertragen auf die Pflege heißt das: Wer heute mit Social Media arbeitet, braucht nicht nur das technische Können, sondern auch eine reflektierte Haltung. Nur so können Pflegekräfte wissenschaftlich fundierte Informationen von gefährlichem Unsinn unterscheiden. Nur so bleibt ihre Arbeit wirksam und verantwortungsvoll. Wir kennen zwei sehr positive Beispiele: Doc Caro, die Ärztin aus Mülheim an der Ruhr, die mit Leidenschaft für Gesundheitsaufklärung auftritt, und Pfleger Ricardo, der mit seinem TikTok-Kanal Einblicke in den Pflegealltag gibt und damit vielen Menschen zeigt, was Pflege wirklich bedeutet. Sie beide rücken Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte als das, was sie sind, in den Fokus: Profis mit Expertise und Verantwortung. Genau diese Stimmen brauchen wir, nicht selbsternannte Influencer, die gefährliches Halbwissen verbreiten. Es gibt nämlich eine andere Seite: Influencer, die behaupten, Demenz könne man mit simplen Hausmitteln heilen, oder die empfehlen, Medikamente eigenmächtig abzusetzen. Das ist nicht nur falsch, das kann sogar lebensgefährlich werden. Darum sage ich: Auch wenn Pflegekräfte heute schon enorm belastet sind, brauchen wir die systematische Aufnahme von Medienkompetenz und Medienliteralität in die Ausbildung – nicht als zusätzliche Landtag Last, sondern als Schutz davor, auf unwissenschaftliche Inhalte hereinzufallen, und als Schutz dafür, die seelische Gesundheit zu wahren und die eigene Arbeit nicht durch Influencer-Unsinn gefährden zu lassen. (Vereinzelt Beifall von der SPD und der FDP) – Ich danke dem Kollegen Klute, dass er mich weiterhin motiviert. (Thorsten Klute [SPD]: Frau Kapteinat auch! Und Frau Schneider von der FDP! Hören Sie zu, Herr Bakum! – Heiterkeit von Lisa-Kristin Kapteinat [SPD]) Die Antwort der Landesregierung zeigt: Medienkompetenz, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte sind zwar Querschnittsthemen in der Pflegeausbildung, aber es fehlt an Evaluation und Verbindlichkeit. Genau das wollen wir ändern, gerne gemeinsam mit der FDP. Wir müssen zweierlei im Blick behalten. Erstens: die absolute Sicherheit für Patientinnen und Patienten. Niemand darf unfreiwillig im Internet landen, schon gar nicht Menschen mit Demenz, mit seelischen Erkrankungen oder in palliativer Versorgung. (Lisa-Kristin Kapteinat [SPD]: Richtig!) Zweitens: die Chancen von Social Media. Richtig genutzt können junge Menschen für Pflegeberufe begeistert, Nachwuchs gewonnen und das Image der Pflege gestärkt werden. Das ist die Balance, die wir brauchen: Chancen nutzen und Risiken klar abgrenzen. (Beifall von der SPD und der FDP) Es geht darum, Pflegekräfte zu befähigen, nicht ihnen das Smartphone wegzunehmen: befähigen, seriöse von unseriösen Informationen zu unterscheiden, befähigen, mit Medien verantwortungsvoll umzugehen und befähigen, damit nicht nur Schaden abzuwenden, sondern auch durchaus auch stolz auf den eigenen Beruf sichtbar zu machen. Denn eines darf nie vergessen werden: Pflege ist kein Sensations-Content für TikTok, Pflege ist Fürsorge am Menschen. Darum sage ich zum Schluss: Die Menschenwürde ist unantastbar, auch im digitalen Raum. Mit diesem Antrag werden Pflegekräfte gestärkt, Patientinnen und Patienten werden geschützt und die Qualität unserer Versorgung verbessert, wenn er denn beschlossen wird und durchkommt. Bleiben Sie gesund! (Beifall von der SPD und der FDP) 19.09.2025
