Rainer Schmeltzer
Danke sehr, Herr Tritschler. – Für die Landesregierung spricht jetzt Herr Minister und Chef der Staatskanzlei Liminski. Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien im Geschäftsbereich des Ministerpräsidenten: Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Lieber Herr Tritschler, Sie haben mittlerweile eine Kunst darin entwickelt, wirklich jedes Thema irgendwie unter die Gürtellinie zu kriegen. (Dr. Robin Korte [GRÜNE]: Billig! Sieben Män- ner klatschen bei Tampon-Witzen!) Ich sage Ihnen eines: Dass Ihnen das auch bei E-Sports gelingt, setzt dem Ganzen die Krone auf, aber der Ekel, den Sie damit auslösen, trifft irgendwann Sie selbst. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP) Wir diskutieren heute zum Glück über ein Thema, das nicht mehr in der Tabuzone ist und das nicht mehr nur noch in Kellern, Jugendzimmern oder auf improvisierten LAN-Partys stattfindet. Wir diskutieren über ein Thema, das glücklicherweise längst aus dem Schatten herausgetreten ist und heute die großen Hallen unserer Städte füllt. Ich glaube, jeder, der einmal in Köln in der LANXESS arena bei einem der großen E-Sports-Events gewesen ist, der weiß, wovon ich spreche: ausverkauftes Haus, Teams aus aller Welt und eine Stimmung wie im RheinEnergie-STADION, wenn der 1. FC Köln mal wieder aufgestiegen ist. (Vereinzelt Heiterkeit) E-Sports ist längst mehr als Computerspielen. Es ist Wettkampf, Fairplay, Teamgeist – Herr Rasche hat es gerade gesagt –, und es ist live und digital ein Ereignis für Millionen Zuschauer weltweit. 19.09.2025 E-Sport ist aber noch viel mehr: Es ist Teil moderner Unterhaltungskultur, weit über die Jugendkultur hinaus – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Diese Branche, dieser Sportbereich braucht es aber, dass Politik das auch einmal feststellt, und deswegen bin ich dankbar für diesen Antrag der Fraktionen von CDU und Grünen, die das sehr deutlich zum Ausdruck bringen. Drei Punkte möchte ich kurz hervorheben. Erstens – vor wenigen Tagen ist endlich dieser gordische Knoten durchschlagen worden –: E-Sports-Angebote sollen künftig gemeinnützig sein. Das wurde gerade hier und da mal erwähnt, aber dem ging ein jahrelanges Bemühen – nicht zuletzt unserer Landesregierung – voraus. Ich bin froh, dass wir den Sommer in der Bundesregierung nutzen konnten, um an der Stelle endlich weiterzukommen. Das braucht die Szene; das gibt Planungssicherheit. Deswegen ist das ein ganz wichtiger Schritt. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Zweites. Mit diesem Kabinettbeschluss wird auch klargemacht, dass im Zentrum die Vereinsarbeit steht. Es ist sehr wichtig, dass die Vereinsarbeit gestärkt wird, weil sie der Schlüssel für Spitzenleistungen, für Gemeinschaft und auch für gesellschaftliche Akzeptanz ist. Drittens. Es geht darum, ein stabiles Ökosystem für E-Sports aufzubauen. Hierfür leisten wir als Landesregierung unseren Beitrag. Zum einen haben wir die Gemeinnützigkeit erkämpft, zum anderen wollen wir sie jetzt nutzen und in die Breite tragen. Es ist wichtig, dass wir an der Stelle das Konzept von Gemeinnützigkeit so gestaltet haben, dass man damit tatsächlich arbeiten kann. Ich möchte gerne in den Dank, der hier gerade geäußert worden ist, ganz explizit den Landessportbund Nordrhein-Westfalen einbeziehen. Wir haben vor sechs, sieben Jahren noch ganz andere Diskussionen – sehr deutsche Diskussionen, wenn ich das als Halbfranzose mal sagen darf – über die Frage geführt, wer definiert, was Sport ist und was nicht. Mittlerweile sind wir dahin gekommen, dass der Landessportbund gemeinsam mit dem GAME-Verband und dem E-Sport-Bund Deutschland den Weg hin zu einer pragmatischen Lösung in diesem Kabinettbeschluss der Bundesregierung geebnet hat. Dafür auch von meiner Seite herzlichen Dank. Das ist der richtige Weg. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Wir müssen darüber hinaus die Vereinsarbeit stärken – ich habe es gerade gesagt. Dafür können wir auch als Land einen Beitrag leisten. Wir haben das schon mit der esports player foundation getan, die hier in Nordrhein-Westfalen bewusst gegründet worden ist, auch mithilfe der Landesregierung. Mit ihr schieben Landtag wir den Imagewandel dieses Sportbereichs an. Ich hoffe, dass das viele Nachahmer findet. Ein weiterer Punkt ist das Ökosystem. Die gamescom wurde schon angesprochen, ich habe die großen Events in Köln erwähnt. Aber es wird darum gehen, dass wir an der Stelle weitermachen. Deswegen freue ich mich, dass zum Ende dieses Jahres erstmals der große Leitkongress für E-Sports, nämlich der GERMAN ESPORTS SUMMIT, nach Nordrhein-Westfalen kommt. Ich kann Ihnen sagen: Das ist kein Zufall. Denn die fühlen sich bei uns in Nordrhein-Westfalen zu Hause, willkommen und unter Freunden. Deswegen freue ich mich, dass sie hierherkommen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Lassen Sie mich mit einem letzten Gedanken schließen; denn wir sollten hier nicht stehen bleiben. Ich finde, Herr Obrok hat es in seiner Rede gerade richtig gesagt: Wir haben vieles erreicht, aber da ist noch sehr viel mehr Potenzial, und zwar gesellschaftlich, wirtschaftlich und mit Blick auf den Sport, mit Blick auf die Jugendlichen. Deswegen ist es wichtig, dass wir auch neue Visionen aufzeigen. Eine dieser Visionen heißt „Olympia“. Denn momentan wird im Internationalen Olympischen Komitee an olympischen E-Sport-Spielen gearbeitet. Wir haben das mit dem, was wir aus Nordrhein-Westfalen zum Thema „Olympia“ in die Waagschale bringen, immer befördert. Ich will, dass wir als Deutschland mit einer erfolgreichen E-Sport-Mannschaft antreten, wenn E-Sports olympisch wird. Und ich will noch mehr: Ich will, dass wir, wenn Olympia wieder einmal nach Deutschland kommt – am besten nach Nordrhein-Westfalen –, dann auch ein starker Standort für den olympischen E-Sport sind. Insofern haben wir schon die nächste Vision am Horizont. Daran sollten wir arbeiten, gerne überparteilich. Deswegen möchte ich ganz explizit zum Schluss meiner Rede aufgreifen, was Herr Obrok und Kollege Rasche gesagt haben. Ich bin dankbar dafür, dass trotz der Divergenzen um Entschließungsanträge im Vorfeld sehr deutlich das Signal gesendet worden ist, dass wir im Ausschuss daran arbeiten, hier zusammenzukommen. Wir tun der Branche, den Jugendlichen und auch allen anderen den größten Gefallen, wenn wir bei diesem Thema nicht künstlich parteipolitisch werden, sondern zusammen an einem Strang ziehen, um Nordrhein-Westfalen auch in Zukunft zum E-Sport-Land Nummer eins zu machen. – In diesem Sinne herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
