Rainer Schmeltzer
Vielen Dank, Frau Kollegin Schäffer. – Für die Landesregierung spricht jetzt Ministerin Paul. (Christian Dahm [SPD]: Jetzt kommen die Lö- sungen!) Josefine Paul, Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration: Vielen Dank. – Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Halten wir also fest, (Marcel Hafke [FDP]: Jetzt kommen die Ideen! Jetzt kommen sie!) Landtag zumindest nach der zweiten Runde, dass auch die Opposition es richtig findet, dass die Landesregierung mit den Beteiligten spricht und konstruktiv Lösungen auslotet. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Jo- chen Ott [SPD]: Wenn Sie dabei wären, wäre es gut!) Das ist ja schon mal ein Vorteil. Aber dann hören Sie auch auf, das zu skandalisieren und als „Geheimpapiere“ zu bezeichnen. (Lachen von Jochen Ott [SPD] – Nadja Lüders [SPD]: Bitte?) Wir haben so viele Fachkräfte wie noch nie im System. Wir haben so viel Geld wie noch nie im System. Gleichzeitig sind aber auch die Bedarfe so hoch wie nie. Die Kinder und ihre Bedarfe haben sich verändert. Auch die Bedarfe der Familien haben sich verändert. Deswegen muss frühkindliche Bildung heute mehr leisten, anderes leisten, als das früher einmal der Fall war. Diese Herausforderungen sind Teil der Dinge, die zu betrachten sind. (Marcel Hafke [FDP]: So, Frau Ministerin, kommen jetzt die Ideen? Kommt jetzt was?) Wenn wir schon bei der Historie sind: Es war doch der FDP-Familienminister, bei dem die Personaloffensive in der Schublade liegen geblieben ist. Auch das ist Teil dessen, was heute zum Problem führt. (Vereinzelt Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Zuruf von Marcel Hafke [FDP]) Die Gewährleistung eines stabilen und verlässlichen Kita-Systems ist auch in Zeiten einer mancherorts herausfordernden Personallage eine notwendige Voraussetzung dafür, dass wir die Qualität in der frühkindlichen Bildung dauerhaft sichern können. (Marcel Hafke [FDP]: Oh! – Zuruf von Elisa- beth Müller-Witt [SPD]) Es gilt, die Stärke unserer Fachkräfte überall im Land besser zu nutzen und zur Förderung unserer Kinder besser einzusetzen. (Marcel Hafke [FDP]: Kommt jetzt was?) Es geht also um bessere Steuerungsmöglichkeiten in Verantwortung der Einrichtungen. (Nina Andrieshen [SPD]: Mangelverwaltung!) Es gilt auch, verschiedene Maßnahmen zu prüfen und gemeinsam in der Verantwortungsgemeinschaft gegebenenfalls neue Wege zu gehen. Darüber kann man in der Sache streiten. Aber Sie müssen sich an der Stelle jetzt mal entscheiden: Kritisieren Sie die Vorschläge, die wir gemacht haben, weil Sie die ganz schlimm finden, 19.09.2025 (Marcel Hafke [FDP]: Sie haben doch gar keine gemacht!) oder kritisieren Sie, dass wir keine Vorschläge machen? Beides zusammenzubringen, ist selbst in der Oppositionsrhetorik einigermaßen erstaunlich. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Jo- chen Ott [SPD]: Haben Sie denn jetzt Vor- schläge gemacht oder nicht?) Wir haben uns zum Ziel gesetzt, mehr multiprofessionelle Teams in Kitas zu bringen und den Trägern mehr Flexibilität beim Einsatz ihres Personals zu ermöglichen. Gerade für die Träger ist das eine wichtige Unterstützung im Kita-Alltag. Übrigens melden uns das auch die Einrichtungen zurück. Nicht jede Kita hat den gleichen Bedarf. Es braucht die Flexibilisierung, um das den Kitas, die beispielsweise eine profilergänzende Kraft für ihr Konzept oder an anderer Stelle die Einsatzmöglichkeiten für Logopäd*innen oder andere therapeutische Professionen benötigen, zu ermöglichen und den Trägern die Flexibilität für die Notwendigkeiten der Kitas zu geben. (Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der CDU) Nicht jede Kita wird von diesen unterschiedlichen Möglichkeiten Gebrauch machen. Wir eröffnen den Einrichtungen aber die Chance, Personal nach ihrem pädagogischen Bedarf und nach ihrem einrichtungsspezifischen Profil einzusetzen. Ich möchte in diesem Zusammenhang noch mal klar betonen: Wir haben sehr gut ausgebildetes Personal in unseren Kitas. Jede Person, die in Nordrhein-Westfalen mit unseren Kindern pädagogisch in den Kitas arbeitet, hat eine pädagogische Aus- oder Weiterbildung. Das gilt für die Fachkräfte und für die sogenannten Ergänzungskräfte, die ein elementarer, wichtiger und professioneller Teil der frühkindlichen Bildung in Nordrhein-Westfalen sind. Kinderpfleger*innen haben eine zweijährige, staatlich anerkannte Ausbildung absolviert. Eine weitere gute Nachricht ist, dass fast 74 % der in Nordrhein-Westfalen pädagogisch Tätigen einen Fachschulabschluss oder einen höheren Abschluss haben, also Erzieher*innen sind oder ein einschlägiges Hochschulstudium absolviert haben. Damit liegt Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu anderen Bundesländern über dem Durchschnitt; in Bayern beispielsweise sind es nur knapp 50 %. Es muss deshalb darum gehen, dass diese Kräfte, die unsere Kita-Profis sind, gezielt nach den jeweiligen Qualifikationen, also flexibler und nicht nach starren Vorgaben, eingesetzt werden können. Die Anforderungen innerhalb eines Kita-Alltags sind unterschiedlich, und daher ist auch der Einsatz des ausgebildeten und qualifizierten Personals im Kita-Alltag differenziert zu betrachten. Landtag Wie sprechen Sie denn eigentlich oftmals über unsere hochqualifizierten Kräfte und dieses gut ausgebildete Personal? Kinderpfleger*innen sind schon heute wichtige Kräfte in unseren Kitas und eine tragende Säule der frühkindlichen Bildung. Sie haben es verdient, dass man sie auch als solche anerkennt. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Wir behalten bei all diesen Fragen im Blick, dass ganzheitliche Bildung in Kitas viele Komponenten umfasst – die Sprachbildung als eine elementare Aufgabe unserer Kitas, aber eben auch das Freispiel, das Kinder in ihrer Entfaltung und Persönlichkeitsentwicklung stärkt. Es gilt, das in pädagogische Konzepte und auch in die Personalplanung einzubeziehen. Auch die Kita-Helfer*innen sind heute eine wichtige Bereicherung und eine Erfolgsgeschichte. (Nina Andrieshen [SPD]: Wo Sie kürzen!) Sie tragen zur Entlastung des pädagogischen Personals und somit auch zur Bildungsqualität bei. Um den Fachkräftemangel weiter anzugehen, bauen wir mit der KiBiz-Novelle selbstverständlich auch die Fachkräfteoffensive aus. Wir müssen und wir werden die Ausbildung und die Ausbildungsbegleitung stärken, insbesondere in der praxisintegrierten Ausbildung. Das wird sich positiv auf die Zahl der Fachkräfte auswirken und langfristig Fachkräfte ins System bringen, sie dort halten und damit das Gesamtsystem entlasten. Fakt ist, dass die Erzieher*innenausbildung nach wie vor die zweithäufigste von jungen Menschen gewählte Ausbildung in ganz Deutschland und auch in Nordrhein-Westfalen ist. Aller Schwarzmalerei zum Trotz, die Sie hier immer wieder betreiben, ist es doch eine gute Nachricht, dass sich junge Menschen nach wie vor für diesen verantwortungsvollen und wichtigen Job in unserer Gesellschaft entscheiden. (Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der CDU – Zuruf von der SPD) Wir haben darüber hinaus einen massiven Anstieg bei der Kinderpflegeausbildung. Diese zusätzlichen Kinderpfleger*innen erhöhen auch das Potenzial für zusätzliche Erzieher*innen, ebenso wie die Sozialassistent*innen für die Betreuung von Grundschulkindern, für die es seit letztem Jahr in NRW einen eigenen Bildungsgang gibt. Nordrhein-Westfalen war eines der ersten Länder, die erkannt haben, dass die praxisintegrierte Ausbildung eine wichtige Säule ist, wenn wir Fachkräfte dauerhaft gewinnen und sichern wollen. Neben der schulischen Ausbildung ist die praxisintegrierte Ausbildung in Nordrhein-Westfalen heute ein Standardausbildungsgang. (Zuruf von der SPD) 19.09.2025 Andere Bundesländer fangen erst jetzt systematisch an, diese Dinge in die Wege zu leiten. Ja, wir müssen das System stabilisieren, indem wir auch in die Ausbildung investieren. Wir brauchen eine verbesserte Qualität und mehr Chancengerechtigkeit – angepasst an die veränderten Bedarfe und auch an die Anforderungen, aber auch an die Rahmenbedingungen. Die kann man sich wünschen und schönmalen, aber wir müssen die Realitäten genauso im Blick behalten. Was Kinder, Eltern, Fachkräfte und Träger brauchen, ist, dass wir gemeinsam und konstruktiv um Lösungen ringen. Was sie aber nicht brauchen, ist das dauerhafte Schreckensszenario-an-die-Wand-malen, immer eins nach dem nächsten, und darüber hinaus mit Unterstellungen oder Behauptungen Ängste und Sorgen zu schüren. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
