René Schneider
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wer glaubt, Lachgas sei ein harmloser Partyspaß, der irrt gewaltig. „Schluss mit lustig“, so haben wir unseren Antrag überschrieben, und das ist ernster gemeint, als es zunächst vielleicht klingt, denn Lachgas Landtag gefährdet nicht nur die Gesundheit junger Menschen, sondern auch unsere Umwelt, unser Klima und die Sicherheit unserer Abfallwirtschaft. Die Fakten sind eindeutig. Schon 2024 zählte das Bundesinstitut für Risikobewertung bundesweit 50 aktuelle und akute Vergiftungsfälle, drei Viertel davon bei Minderjährigen oder jungen Erwachsenen. Die Folgen reichen von Ohnmacht und Stürzen bis hin zu bleibenden Nervenschäden. In Frankfurt hat bereits jeder sechste Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren einmal Lachgas konsumiert. Doch es geht nicht nur um die Gesundheit. Lachgas ist ein hochwirksames Treibhausgas. Es bleibt mehr als 100 Jahre in der Atmosphäre und ist 273-mal klimawirksamer als CO . Jede weggepustete Kartusche ist ein Schlag gegen unser Klimabudget – und das in einer Zeit, in der wir eigentlich alles daransetzen müssen, Emissionen zu senken. Hinzukommt ein Risiko, das bislang viel zu wenig beachtet wird: die Entsorgung. Nicht vollständig entleerte Kartuschen fliegen in den Müll, landen in unseren Müllverbrennungsanlagen und explodieren dort. Die ITAD, die Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen, berichtet von einem massiven Anstieg solcher Explosionen. In NRW geben Betreiber an, dass in den vergangenen zwei Jahren die Zahl der sogenannten Überdruckereignisse teils drastisch zugenommen hat. Die Schäden liegen schnell im sechsstelligen Eurobereich. Jede Reparatur bedeutet Stillstand, höhere Abfallgebühren für Bürgerinnen und Bürger und weniger Energie für die kommunale Wärmeversorgung. Es geht auch um die Sicherheit der Beschäftigten. Weggeschleuderte Teile, geborstene Schaugläser, Explosionsklappen – deshalb dürfen Kesselräume oft nur noch per Video überwacht werden. Das ist nicht akzeptabel. Trotz dieser eindeutigen Sachlage macht Minister Krischer wieder Minister-Krischer-Sachen. Wir haben in einer Anfrage nachgehakt, wie die Landesregierung die Probleme bei der Entsorgung bewertet. Und siehe da: Eine Datenbasis hat Herr Minister Krischer nicht, und eine Verantwortung beim Land sieht er erst recht nicht. Ein echter „Krischer“: nichts gesehen, nichts gehört, nichts gemacht. (Beifall von der SPD) Das – ich glaube, das habe ich hier deutlich gemacht –, ist nicht zum Lachen. Doch zum Glück sind wir von der SPD bereit, es besser zu machen. Lachgas ist kein Partyspaß, es ist brandgefährlich. Es schadet der Gesundheit junger Menschen, ist 270-mal klimaschädlicher als CO und bringt unsere Müllverbrennungsanlagen zum Explodieren. Die Reparaturen zahlen am Ende die Bürgerinnen und Bürger. Wer die Bilder von leeren Kartuschen auf unseren Spielplätzen und Schulhöfen sieht, weiß: Das ist 18.09.2025 kein Randphänomen mehr. – Darum sagen wir klar: Schluss mit lustig! Lachgas gehört streng reguliert. Deshalb ist es richtig, dass Bundesgesundheitsministerin Nina Warken nun ein Verbot von Verkauf und Abgabe an Minderjährige auf den Weg gebracht hat, aber: Wir wissen aus den Niederlanden und Frankreich, dass reine Verkaufsverbote nicht reichen. Dort ist ein Schwarzmarkt mit Produkten entstanden, die noch unsicherer sind, sodass weitere Kartuschen in den Müllverbrennungsanlagen explodieren. Ich denke, wir alle hier sind uns einig, dass wir die Bemühungen der Bundesregierung aus NRW heraus unterstützen. Was wir zudem brauchen, sind flankierende Maßnahmen. Ein Pfandsystem für größere Kartuschen, technische Sicherheitsstandards wie Überdruckventile und nicht zuletzt eine europäische Lösung, damit wir nicht von Land zu Land unterschiedliche Regeln haben, die am Ende niemanden schützen. Kümmern wir uns also mit vereinten Kräften, denn Lachgas ist eben kein Spaß und keine harmlose Spaßdroge. – Glück auf und Gottes Segen! (Beifall von der SPD)
