Carolin Kirsch
Um es direkt zu sagen: der vorliegende Antrag zur Internationalisierung der Ausbildung, insbesondere zur Ermöglichung von Auslandsaufenthalten im Rahmen der Praxisphasen, ist ein Schritt in die richtige Richtung für die Studierenden in der Finanzverwaltung des Landes. Die Hochschule für Finanzen Nordrhein-Westfalen leistet sehr gute Arbeit bei der Ausbildung unserer Beamten und Beamtinnen in der Finanzverwaltung. Doch im Gegensatz zu Studierenden anderer Hochschulen haben unsere Studierenden im Beamtenverhältnis bis heute keine Möglichkeit, Auslandsaufenthalte in ihre Ausbildung zu integrieren. Dabei wird dies auch für die Finanzverwaltung immer wichtiger. Die Fachkräfte von morgen müssen über ein Verständnis internationaler Standards sowie praktischer Einblicke in diverse Steuersysteme verfügen. Denn die Welt wird immer globaler und die Internationalisierung spielt auch eine wichtige Rolle bei vielen Fragen wie Doppelbesteuerung, grenzüberschreitende Steuervermeidung und internationale Informationsaustausche. Internationale Erfahrungen stärken nicht nur die fachlichen Qualifikationen. Sie sind auch entscheidend für die persönliche Entwicklung unserer Studierenden. Der Erwerb von interkulturellen Kompetenzen, Fremdsprachenkenntnissen und das Verständnis für unterschiedliche Verwaltungsstrukturen sind Aspekte, die wir dringend fördern sollten. Ein gezielter Aufenthalt in einer ausländischen Steuerverwaltung oder bei EU-Institutionen kann den Studierenden wertvolle Einblicke ermöglichen und somit ihren fachlichen Horizont erweitern. Das Erlebnis eines Auslandsaufenthalts wird auch die Lebenssituation der Studierenden bereichern und damit auch zur Attraktivierung des Studiums beitragen. Denn das brauchen wir wirklich dringend. Und damit komme ich zum eigentlichen Problem: Es wird immer schwieriger, geeignete Bewerberinnen und Bewerber für die Finanzverwaltung zu finden. Die Abbrecherquoten während des Studiums sind bedenklich. Und wir brauchen angesichts der demographischen Entwicklung dringend Nachwuchs. Ohne diesen Nachwuchs werden wir in absehbarer Zeit die Stellen in der Finanzverwaltung nicht mehr adäquat besetzen. Und die Rechnung ist ganz einfach: weniger Köpfe in der Finanzverwaltung bedeutet weniger Steuereinnahmen, weil wir nur mit einer gut aufgestellten Finanzverwaltung wirklich wirksam Steuerkriminalität bekämpfen können. Landtag Da hilft auch die beste KI nichts, wenn wir es nicht auch schaffen, dafür auch die besten Köpfe zu gewinnen. Eine Attraktivierung der Ausbildung kann dabei natürlich auch helfen. In Zeiten, in denen die Herausforderungen komplexer werden und die Ansprüche an den öffentlichen Dienst steigen, ist es unerlässlich, dass wir unsere Ausbildungsformate anpassen. Dazu gehören dann neben einer Internationalisierung aber natürlich auch eine bessere Betreuung insgesamt und kleinere Kursgrößen. Wir unterstützen daher selbstverständlich auch eine Anpassung des Steuerbeamten-Ausbildungsgesetzes und die von den regierungstragenden Fraktionen vorgeschlagene Pilotierung. NRW kann hier wirklich eine Vorreiterfunktion einnehmen. Ehrlicherweise muss man aber auch sagen: Wenn das Ganze wie vorgeschlagen aus vorhandenen Mitteln finanziert werden muss, kann dies für eine Pilotierung vielleicht noch ausreichen. Aber die regierungstragenden Fraktionen müssen sich schon fragen lassen, wieviel Ihnen perspektivisch eine gute Ausbildung wert ist. Und daher kann ich es Ihnen auch nicht ersparen, mal wieder daran zu erinnern, dass alle Betroffenen immer noch auf das angekündigte Gesamtpaket zur Attraktivierung des öffentlichen Dienstes warten. Und ich bin mir im Übrigen sehr sicher: Wenn wir als Oppositionsfraktion diesen Vorschlag gemacht hätten, dann hätten Sie uns wieder gesagt: Wir wollen keinen Flickenteppich – wir sind doch noch in Gesprächen – wartet doch mal ab. Wir stimmen daher diesem Antrag zu, aber fordern Sie und die Landesregierung auf: Machen Sie endlich Ihre Hausaufgaben. Denn die beste Ausbildung nützt nichts, wenn Sie danach den jungen Fachkräften keine attraktiven Arbeitsbedingungen bieten. Wenn das Thema „Eingangsamt, Arbeitszeit und Aufstiegsperspektiven“ einfach nicht konsequent angegangen wird. Dann werden wir weiterhin erleben, dass nach dem Studium 20% der Absolventen abwandern. Und das können wir uns wirklich nicht mehr leisten. – Danke.
