Dr. Marcus Optendrenk
Unser Nachwuchs ist unsere Zukunft – und unsere Finanzanwärterinnen und -anwärter sind die Zukunft unserer Steuerverwaltung. Diese Zukunft ist global und digital. Und sie stellt ganz andere Ansprüche an die jungen Menschen als noch vor 10 oder 20 Jahren – auch im öffentlichen Dienst. Damit die Finanzverwaltung auch zukünftig am Puls der Zeit bleibt, müssen wir unsere Ausbildung entsprechend anpassen und flexibler gestalten. Nur so können wir den Talenten von morgen das entsprechende Rüstzeug mitgeben. Das duale Studium zum Diplom-Finanzwirt in Nordrhein-Westfalen hat bereits über die Landesgrenzen hinaus einen sehr guten Ruf. Darauf ruhen wir uns aber nicht aus. Denn im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung müssen wir ständig innovativ bleiben und über den Tellerrand und die Landesgrenzen hinausschauen. Der Antrag der Regierungsfraktionen greift genau das auf. Ein Auslandsaufenthalt ist sowohl für die Studenten als auch für die Finanzverwaltung eine echte Bereicherung. Junge Menschen wachsen nicht nur persönlich, sondern auch fachlich an Auslandserfahrungen. Sie lernen andere Kulturen und Sprachen kennen – und erhalten Einblicke in fremde Steuer- und Verwaltungssysteme. Durch diese Erfahrungen können sie länderübergreifende Sachverhalte besser einordnen und verstehen. Ich habe selbst in Maastricht im Rahmen des ERASMUS-Programms studiert und weiß aus eigener Erfahrung, wie bereichernd ein Auslandsaufenthalt für die weitere persönliche und berufliche Entwicklung sein kann. Deshalb ist ein Auslandsaufenthalt fester Bestandteil vieler dualer Studiengänge. Mit solch einem Angebot bleiben wir als Finanzverwaltung also auf Augenhöhe mit anderen Universitäten und gewinnen kluge Köpfe für Nordrhein-Westfalen. Angesichts der enormen gesellschaftlichen Herausforderungen ist ein starkes Europa wichtiger denn je. Damit dieses starke Europa nicht an Steuerfragen haltmacht, sind praktische Erfahrungen für die Anwärter der Finanzverwaltung wichtig. Der schon bestehende Austausch mit unseren europäischen Nachbarn wird so weiter gefestigt. 10.07.2025 Wie wichtig dieser enge Kontakt ist, zeigt sich vor allem in der Bekämpfung der Finanzkriminalität. Denn Geldströme des Terrors und der Organisierten Kriminalität fließen schnell, international und digital. Wir können uns keine Reibungsverluste an Staats- oder Zuständigkeitsgrenzen leisten, wenn wir dem einen Riegel vorschieben und das Geld unserer Bürgerinnen und Bürger schützen wollen. Anwärterinnen und Anwärter könnten zum Beispiel schon zu Beginn ihres beruflichen Werdegangs den Informationsaustausch zwischen EU-Mitgliedstaaten praktisch begleiten und ihre Erfahrungen mit in das Finanzamt oder das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität nehmen. Ein Beispiel aus der Praxis: Eins unserer Finanzämter in Nordrhein-Westfalen stellt ein Auskunftsersuchen an ein Finanzamt in den Niederlanden. Die Anwärterinnen und Anwärter begleiten direkt vor Ort in den Niederlanden die Verfahrensabläufe zur Beantwortung dieser Anfrage. Sie begleiten den Außendienst, um zu überprüfen, ob Leistungen zwischen dem deutschen und dem niederländischen Unternehmen tatsächlich erbracht wurden. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung grenzüberschreitender Finanzkriminalität – gleich zu Beginn ihrer Laufbahn. So machen wir die Fahnder von morgen fit für ihre künftigen Einsätze. Die Internationalisierung der Ausbildung zu stärken, ist eine echte Win-Win-Situation – für unseren Nachwuchs und für unsere Steuerverwaltung. Doch laut BMF ist aktuell ein Auslandsaufenthalt während des Studiums noch nicht mit dem Steuerbeamtenausbildungsgesetz (StBAG) vereinbar. Wir werden deshalb aktiv werden und uns für eine entsprechende bundesrechtliche Regelung einsetzen. Mit einem Auslandsaufenthalt während des Studiums kann die Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen das richtige Signal für eine moderne und zukunftsfeste Ausbildung in einer globalen Welt setzen. So machen wir die Nachwuchskräfte fit für ihren Einsatz in einer europäisch vernetzten Finanzverwaltung.
