Matthias Eggers
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Situation der Landestheater ist herausfordernd. Die finanzielle Lage ist schwierig und für die betroffenen Menschen bedrückend. Diese Herausforderung erkennen wir an. Da gibt es auch nicht zu beschönigen. Die vier Landestheater in Castrop-Rauxel, Detmold, Dinslaken und Neuss haben einen festen Platz im kulturellen Angebot Nordrhein-Westfalens. Anders als rein stationäre Theaterspielstätten reisen diese Ensembles auch durch das ganze Land. Sie bieten Theaterkultur insbesondere auch in den Landesteilen an, die nicht über eigene Theaterensembles vor Ort verfügen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch die drei Landesorchester nennen, die in ähnlicher Art kulturell unterwegs sind und mit denselben Herausforderungen zu kämpfen haben. Erst gestern hatte ich gemeinsam mit Kollegen meiner Fraktion einen guten Austausch mit den Verantwortlichen der Südwestfälischen Philharmonie. Als Abgeordneter aus dem ländlichen Raum und auch als Vorsitzender des Kulturausschusses meiner Heimatstadt kann ich die kulturelle Aktivität der Landestheater und Landesorchester nur begrüßen. Gerade für Regionen abseits der großen Städte sind die Angebote der Landestheater und Landesorchester von höchstem Wert. Die Kultur in meiner sauerländischen Heimat lebt insbesondere vom Engagement ehrenamtlicher Akteure. Im Ehrenamt wird Großartiges geleistet, (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) und dies ohne umfangreiche öffentliche Unterstützung, ohne außerordentlich zahlungskräftige Mäzene, aber mithilfe von vielen kleinen Gönnern und Spendern. Das ist ein kultureller Hochgenuss für alle Menschen, für alle Generationen und insbesondere auch bezahlbar für unterschiedliche finanzielle Voraussetzungen. Landtag Ich möchte beispielhaft die ehrenamtlichen Theatervereine nennen, und den Balver-Festspielverein aus meinem Wahlkreis, der in diesem Jahr wieder Tausende von Kindern bei insgesamt 17 Aufführungen des Musicals „Dschungelbuch“ in der Balver Höhle begeisterte, und die vier Theatervereine meiner Heimatstadt Menden, die eigene Spielstätten betreiben – liebevoll gestaltete kleine Theater, die ehrenamtlich unterhalten werden müssen. Ich nenne das Theaterkunst mit und für alle Generationen. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN und Yvonne Gebauer [FDP]) Die ehrenamtliche Kultur wird vielerorts durch die Gastspiele der Ensembles der Landestheater mit ihren kulturellen Highlights ergänzt. Diese sind eine großartige Bereicherung für den ländlichen Raum: Kultur abseits der Metropolen in kleinen und mittelgroßen Städten und für alle zugänglich. Auch dieses Angebot schafft Vielfalt und bereichert unsere Kulturlandschaft. Die vier Landestheater befinden sich nicht in Trägerschaft des Landes, auch wenn die Bezeichnung „Landestheater“ dies vielleicht suggeriert. (Jens-Peter Nettekoven [CDU]: Ja!) Insofern ist der Titel dieses Antrags schon etwas irreführend. Träger und Gesellschafter sind Städte und Kreise in unterschiedlichen Konstellationen. Trotzdem finanziert das Land nahezu 50 % der Budgets. Es darf deswegen auch nicht allein vom Land erwartet werden, dass Mehrkosten – insbesondere erzeugt durch Tarifsteigerungen – ausschließlich durch das Land aufgefangen werden. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Nicht allein vom Land; schon partnerschaftlich von allen!) Träger und Gesellschafter sind die beteiligten Körperschaften. Diese sind gemeinsam mit dem Land gefordert, zu handeln. (Beifall von der CDU – Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Die handeln ja!) Die gesamtwirtschaftliche Lage ist uns allen bekannt. Wir befinden uns bereits im dritten Jahr einer Rezession. Steuereinnahmen bleiben aus; gleichzeitig steigen Kosten durch externe Effekte. Deshalb ist ein gemeinsamer Kraftakt gefordert. Diesen können wir nur unter Beteiligung aller Akteure bewältigen. (Beifall von der CDU – Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Sie sind die einzigen, die sich nicht be- teiligen!) Wir begrüßen es deshalb sehr, dass auf Initiative von Ministerin Ina Brandes eine Studie zur Zukunft der Landestheater und Landesorchester erarbeitet werden soll. Dies ist der einzig richtige Weg: analysieren und auf den Prüfstand stellen, hinterfragen und neue kreative und auch pragmatische Lösungen ent-10.07.2025 wickeln. Ich wünsche mir dabei keine Denkverbote, sondern eine ehrliche Analyse und eine kritische Überprüfung von Strukturen, von Trägermodellen und auch von weiteren Kooperationsmodellen für die Landestheater und Landesorchester. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Welche denn?) Gerade in der ehrenamtlichen Kulturarbeit steckt enormes Potenzial zur Kooperation – ebenso wie in der kulturellen Bildung. Der Überweisung an den Ausschuss für Kultur und Medien stimmen wir zu. Lassen Sie uns gemeinsam eine gute Zukunft für die Landestheater und Landesorchester gestalten. – Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU)
