René Schneider
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Wolf gehört abgeknallt. – Der Wolf muss unbedingt geschützt werden. – Herdenschutz ist das einzige Mittel, das hilft. – Herdenschutz löst keine Probleme. – Wir haben genug Wölfe in Deutschland. – Der Wolf ist noch immer gefährdet. Suchte man ein Thema, anhand dessen die Polarisierung unserer Gesellschaft exemplarisch gezeigt wird, wäre die Wiederansiedlung des Wolfes in Europa ein Musterexemplar für die Bildung von gegeneinanderstehenden Lagern und unversöhnlichen Standpunkten. Umso schwieriger fällt es, politisch das richtige Maß zu finden, um allen berechtigten Interessen gerecht zu werden. In den vergangenen zwei Jahren haben sich dennoch – oder gerade deshalb – alle demokratischen Fraktionen mit dem Wolf befasst. Sie haben Anträge geschrieben und versucht, auch der Entwicklung auf europäischer Ebene Rechnung zu tragen. Nun sieht es so aus, als ob der Schutzstatus tatsächlich gesenkt und die Bejagung von sogenannten Problemwölfen erleichtert werde. Insofern war keiner der drei Anträge von FDP, CDU und Grünen sowie uns im Sommer dieses Jahres noch aktuell. Dennoch haben wir in der Zwischenzeit eine Menge gelernt. In der großen Anhörung vom 10. März kamen Experten zu Wort, die manches Mal konträrer Ansicht, sich in einigen Punkten aber doch sehr einig waren. Diese Punkte haben Sie, sehr geehrte Kollegen von CDU und Grünen, in Ihrem bereits beschlos-10.07.2025 senen Entschließungsantrag jedoch komplett ignoriert. Das halten wir für falsch. Deshalb haben wir heute einen Entschließungsantrag vorgelegt, mit dem die Lücken geschlossen werden sollen. Wir haben schon sehr früh versucht, Sie für einen gemeinsamen Antrag zu gewinnen. Schließlich habe ich Norwich Rüßes Standardausspruch – an dieser Stelle gute Besserung an den Kollegen! – zum Thema „Wolf“ stets in den Ohren: „Das Thema eignet sich nicht für parteitaktische Geländegewinne“, pflegt er zu sagen. Auch deshalb, sehr geehrter Herr Wolters, hat mich Ihre Rede sehr enttäuscht. (Beifall von der SPD) Denn wir hatten gehofft, fraktionsübergreifend einen großen, gemeinsamen Antrag der demokratischen Fraktionen hinzubekommen. Aber das wollten CDU und Grüne anscheinend nicht. Unsere Anfragen an Sie, die stets vor etwaigen Publikationen standen, blieben lange unbeantwortet; die ausgestreckte Hand wurde am Ende ausgeschlagen. Schade! Wir wollen es heute trotzdem noch einmal probieren und haben fünf Punkte aufgeschrieben, die frei von Parteitaktik und unterschiedlichen Positionierungen von allen Experten anerkannt wurden. Erstens: ein einheitliches, länderübergreifendes und vor allem aktives Wolfsmonitoring unter Einbezug aller relevanten Akteure, also nicht nur der Jägerinnen und Jäger. Dann wissen wir verlässlich, welche Rudel in welchem Umfang wir überhaupt haben. Zweitens: mehr Prüfkapazitäten von Wolfsproben schaffen, um schneller Entscheidungen treffen zu können. Drittens: für die nordrhein-westfälischen Regionen an die Bedingungen vor Ort angepasste Wolfsmanagement-Szenarien entwickeln und anzuwenden, in denen bei Herdenschutzmaßnahmen beispielsweise topografische Eigenheiten berücksichtigt werden. Denn auch das war immer wieder eine Rückmeldung nicht nur der Expertinnen und Experten, sondern auch der Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter beispielsweise in bergigeren Gegenden unseres Landes. Viertens. Herdenschutz sollte allumfassend gefördert werden, damit kein geschädigter Weidetierhalter leer ausgeht. Fünftens: Entschädigungen endlich landesweit ermöglichen, wie es vom Minister eigentlich schon vor Monaten angekündigt wurde. Mit diesen Kernforderungen aller Experten halten wir Ihnen beileibe kein Stöckchen hin, sondern wir versuchen noch einmal, fraktionsübergreifend und ohne parteipolitisches Kalkül das Beste für Wolfs- und Herdenschutz hinzubekommen. Geben Sie sich also Landtag bitte einen Ruck, und enttäuschen Sie nicht die Menschen, die in die Beratung unserer Anträge in den vergangenen Jahren so viel Hoffnung gelegt haben. Lassen Sie uns einen gemeinsamen Beitrag leisten, den Kulturkampf um den Wolf ein Stück zu befrieden. – Glück auf und Gottes Segen! (Beifall von der SPD)
