Rodion Bakum
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! 40,7 °C – diese Rekordtemperatur wurde am 2. Juli vergangener Woche um 14:40 Uhr von der städtischen Wetterstation in Mülheim an der Ruhr gemessen, direkt vor dem Gesundheitsamt. 200 m entfernt befindet sich mein Wahlkreisbüro. Ich bekenne auch öffentlich, dass ich froh war, ausnahmsweise nicht in meinem Wahlkreis zu sein, sondern ausgerechnet hier im Landtag bei der Sitzung des Gesundheitsausschusses, in der unser Antrag von der SPD zum Thema „Kindergesundheit“ – unter anderem mit Hitzeschutz – mal wieder abgelehnt wurde. (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Da sitzen auch nette Menschen!) – Ja, manche sehen das so oder so, was die netten Leute angeht, Herr Kollege. Aber wir wollen hier inhaltlich auch ernst werden. Unser Antrag zum Hitzeschutz insbesondere in den Kommunen – auch das bekenne ich ganz offen – ist aus dem letzten Jahr aufgewärmt. Ich habe tatsächlich überlegt, meine Rede aus dem letzten Jahr einfach noch mal vorzutragen. Das wäre vermutlich gar nicht aufgefallen. Ich habe mich aber anders ent-Landtag schieden, weil ich die Filmreihe mag: „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“. Also trage ich heute die besten Zitate aus Ihren Reden aus dem letzten Jahr vor, mit denen Sie unseren Antrag zum Hitzeschutz in Kommunen abgelehnt haben. Ich zitiere: „Zur Bewältigung der Jahrhundertaufgabe, die der Klimawandel in der Tat ist, bedarf es einer langfristigen Strategie, die alle gesellschaftlichen Akteure einbindet und zusammenführt.“ Das ist ein super Satz von Herrn Hagemeier von der CDU. Ich frage mich, ob der Kollege Guido Görtz uns gleich, ein Jahr später, eine Strategie präsentieren kann. Ich zitiere weiter: „Das Land und viele Kommunen in Nordrhein-Westfalen sind in Sachen Hitzeschutz schon längst auf dem Weg.“ Frau Thoms ist jetzt leider nicht da, aber die Grünen waren mal Klimapartei. Dass sie jetzt in Selbstzufriedenheit baden, statt Menschen konsequent vor Hitze zu schützen, ist ein Offenbarungseid. Ich bin mir aber sicher, dass mir Frau Wenzel gleich etwas anderes sagen wird. (Jule Wenzel [GRÜNE]: Ganz genau!) Es folgt – das muss ich gestehen – mein Lieblingszitat. Ich zitiere – Herr Präsident, mit Ihrer Erlaubnis –: „In der Tat, bei diesem Wetter gucken viele Menschen nach draußen und fragen sich: Wann wird es endlich mal wieder richtig Sommer?“ (Zuruf von Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales) Das ist ein äußerst starker Satz von Dr. Vincentz von der AfD in Anbetracht des heißesten Junis, der jemals gemessen wurde. (Dr. Martin Vincentz [AfD]: Es war schön!) Und das letzte Zitat lautet: „Irgendwie wundert man sich, dass man das andauernd wiederholen muss.“ Sehr geehrter Herr Minister, willkommen im Plenarsaal. Wie können Sie sich wundern, jedes Jahr erklären zu müssen, was Sie in Anbetracht der Hitzetoten machen? Sie sollten sich weniger wundern, Sie sollten mehr regieren. (Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Ge- sundheit und Soziales: Ja! – Heiterkeit und Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Zuruf von Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]) Zitate wie diese zeigen doch ganz klar, warum wir jedes Jahr, aber auch zu anderen Monaten, anderen Jahreszeiten diesen und ähnliche Anträge wieder einreichen müssen, nämlich damit wir nächstes Jahr besser vorbereitet sind und weniger Menschen 10.07.2025 sterben müssen. Etwa 3.000 in Deutschland waren es im letzten Jahr, was absolut vermeidbar war. Die menschengemachte Klimakrise ist ein Fakt. Wer sie leugnet, macht sich schlicht lächerlich. Kleiner Tipp an die AfD: Selbst Ihre eigenen Wählerinnen und Wähler geben in Umfragen an, dass sie das nicht mehr glauben. Ich empfehle Ihnen: Leugnen Sie einfach die menschengemachte Klimamessung. Vielleicht haben Sie dann noch eine Chance, die letzten Fossilfetischisten bei der Stange zu halten. (Vereinzelt Heiterkeit von der SPD) Ich habe Verständnis dafür, dass man das Thema anders empfindet, je nachdem, wo man lebt. Wer in einer Innenstadt im Ruhrgebiet wohnt, der spürt die Hitze direkt. (Jule Wenzel [GRÜNE]: Ja!) Wer hingegen wie Minister Laumann im Münsterland in der kühlen Frische sitzt, der kann sich das Klima auch kühlreden. Offensichtlich hat der Minister etwas zu verbergen. Am 4. Juni 2025 habe ich eine Kleine Anfrage zum Thema „Hitze“ gestellt. Die Antwort war vor acht Tagen fällig, und das Gesundheitsministerium ist nicht dafür bekannt, Fristen zu schlabbern. Deshalb bedanke ich mich, dass für mich offensichtlich eine Ausnahme gemacht wurde. (Vereinzelt Heiterkeit von der SPD) Ich bin mir sicher: Wir hören gleich die Antwort darauf live hier am Redepult. Ich kann nur hoffen, dass Sie die dramatische Lage endlich anerkennen, (Beifall von Thorsten Klute [SPD]) keine Verzögerungstaktik mehr fahren und besser gestern als nächstes Jahr handeln. – Bleiben Sie gesund. (Beifall von der SPD)
