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Marcel Hafke

FDP 09.07.2025 Sitzungen 18/98

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wer in diesen Tagen in Nordrhein-Westfalen ein Kind unter drei Jahren betreuen lassen will, braucht vor allem eins: Glück, Glück, einen der viel zu knappen Kita-Plätze zu bekommen, Glück, dass nicht wieder eine Gruppe geschlossen wird, weil Personal fehlt, Glück, dass der eigene Wohnort nicht gerade in einer besonders betroffenen Kommune liegt. Ein Bildungssystem darf aber nicht von Glück abhängen. Frühkindliche Bildung muss planbar, verlässlich und flächendeckend sein. Alles andere ist ein bildungspolitischer Offenbarungseid. Genau da stehen wir aber in Nordrhein-Westfalen: über 90.000 fehlende U3-Plätze, Gruppen, die wegen Personalmangels nicht eröffnet werden, Familien, die verzweifelt auf einen Kita-Platz warten – und das, obwohl wir gleichzeitig fast 4.000 unbesetzte Ausbildungsplätze für Erzieherinnen und Erzieher haben. Bis 2030 könnten in unserem Land sogar bis zu 20.000 Stellen für pädagogische Fachkräfte fehlen. Diese Schieflage gefährdet unsere frühkindliche Bildung, und das muss sich ändern. (Beifall von der FDP) Frau Ministerin, gleichzeitig sehen wir in Ostdeutschland ein komplett anderes Bild: sinkende Geburtenzahlen, Kitas, die schließen müssen, und Fachkräfte, die ihren Job verlieren, obwohl sie an anderer Stelle dringend gebraucht werden. So fallen allein in Leipzig rund 4.000 Kita-Plätze weg, schlicht weil sie nicht mehr gebraucht werden. Das ist das Kita-Paradoxon in Deutschland: Im Westen fehlen die Fachkräfte, im Osten die Kinder. Wir brauchen eine pragmatische Lösung. Genau deshalb legen wir Ihnen heute eine Idee vor. Wir setzen darauf, die vorhandenen Ressourcen sinnvoll einzusetzen. Das heißt für uns: gezielte Rekrutierung von Fachkräften aus Regionen mit Überkapazitäten. Wir wollen echte Anreize schaffen, zum Beispiel durch Umzugs- und Wohnkostenzuschüsse oder durch Unterstützung für mitziehende Partnerinnen und Partner. 09.07.2025 Wir wollen junge Menschen aus strukturschwachen Regionen gezielt ansprechen und für eine Ausbildung in Nordrhein-Westfalen gewinnen. Frau Ministerin, wir brauchen außerdem eine klare Kampagne, die zeigt, dass Nordrhein-Westfalen attraktiv für pädagogische Fachkräfte ist. Wir verhelfen jungen Menschen zu einer echten Perspektive. Wir verhelfen Familien in Nordrhein-Westfalen zu mehr Verlässlichkeit. Wir stabilisieren die frühkindliche Bildung – das Fundament jeder Bildungsbiografie. Gleichzeitig müssen wir feststellen, dass die groß angekündigte Fachkräfteoffensive der schwarz-grünen Landesregierung bislang keine messbaren Ergebnisse liefert, Frau Ministerin. Konkrete Zahlen? Fehlanzeige. Noch immer fehlt die überfällige Novellierung des Kinderbildungsgesetzes; wir haben es eben diskutiert. Frau Ministerin Paul, wir erwarten von Ihnen nicht nur Ankündigungen, sondern endlich konkrete Taten. Erklären Sie uns hier und heute nicht, warum irgendetwas nicht geht, sondern erklären Sie uns, wie es geht. Die Familien, die Träger, die Fachkräfte – Sie alle brauchen jetzt Lösungen. (Beifall von der FDP) Mit unserer Personaloffensive machen wir Ihnen ein konstruktives Angebot. Lassen Sie uns die Kräfte bündeln, die Potenziale verbinden, die Chancen nutzen – für ein starkes, zukunftsfestes Kita-System in Nordrhein-Westfalen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der FDP)

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