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Dr. Hartmut Beucker

AfD 05.06.2025 Sitzungen 18/97

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Damen, geehrte Herren! Der vorliegende Antrag beschäftigt sich mit dem Thema „Tanz“. Dieses Wort wird im kulturpolitischen und künstlerischen Zusammenhang spezieller verwendet als im allgemeinen Sprachgebrauch. Der enthält grundsätzlich auch das Ballett, den Tanzsport und das entsprechende Freizeitvergnügen. Der Antrag meint aber wohl eher das und speziell, was man einmal zeitgenössischen Tanz gemeint hat, vielleicht noch ergänzt um das Thema „Ballett“. Das Ballett ausgenommen nahm der zeitgenössische Tanz Anfang des 20. Jahrhunderts seinen Ausgang aus den USA. In Deutschland war die Entwicklung durch den Existenzialismus, Expressionismus geprägt, wurde aber ein Opfer der Unterdrückung durch die NS-Diktatur. Ein Aufschwung war erst wieder in den 70er-Jahren zu verzeichnen. An dieser Stelle bin ich als Wuppertaler geradezu gezwungen, den Namen Pina Bausch zu erwähnen. Sie hatte aber etliche Kollegen, die sich für die beschriebene Popularisierung mitverantwortlich zeichneten. Aktuell ist eine Tendenz zum Quasi-Crossover festzustellen, mit offenen Strukturen, die eine ästhetische oder begriffliche Beschreibung deutlich erschweren. – Das ist der Stand der Dinge, von dem dieser Antrag ausgeht. Im ersten Teil des Antrags werden Notwendigkeit und Wirkung des Tanzes beschrieben. Der Text scheint dies deutlich zu überzeichnen. Es klingt doch sehr beflissen, idyllisch, fast esoterisch. Aber das ist verständlich. Denn es dürfte so gewesen sein, dass die Antragsteller Formulierungen aus der Tanzszene übernommen haben, die sich vor deutlichen Kürzungen fürchtet. Das würde die allzu deutlich werbende Darstellung erklären. Es bleiben aber Fragen zum Text, der Institutionen erwähnt und dadurch Kompetenz andeuten möchte. Er hätte aber durchaus nähere Erläuterungen leisten können. Der Tanzszene in NRW wird kreative Exzellenz und gesellschaftliche Relevanz attestiert. Wer Landtag beurteilt das? Der PACT Zollverein in Essen und das tanzhaus nrw in Düsseldorf werden als Motoren für – Zitat – „richtungsweisende Weiterentwicklungen der Freien Szene“ bezeichnet. Da hätte uns interessiert, welche das sind. Und der tanzmesse nrw wird internationale Strahlkraft zugesprochen. Wir hätten gern gewusst, worin die denn besteht. Grund für diese Ungenauigkeiten ist natürlich, dass dem Antrag solche Fragen nebensächlich sind. Der Gruppenleiter Kultur im Ministerium für Kultur und Wissenschaft überbrachte nämlich die Nachricht von etlichen geplanten oder bereits beschlossenen Kürzungen. Das wird hauptsächlich im Antrag skandalisiert. Dies sei nicht hinzunehmen und unbedingt zu verhindern. In einem offenen Brief haben Ensembles schon gegen die Kürzungen Stellung bezogen. Sie seien nicht inhaltlich begründet. Dazu liege kein Plan vor, wie die Folgen für die Ensembles aufgefangen werden sollten. Und das aktuelle Förderprogramm sei eigentlich viel zu wichtig für Kürzungen, bundesweit einmalig und habe maßgeblich zur Professionalisierung der freien darstellenden Künste beigetragen. In den Dienst dieser Abwehrbestrebungen stellt sich der Antrag. Er steht in der Reihe von zuletzt drei Anträgen von SPD und FDP zur kulturellen Förderung. Diese drei Anträge wurden von CDU und Grünen abgelehnt. Auch dieser Antrag dürfte einen ähnlichen Weg gehen. Wie Frau Ministerin zuletzt im Ausschuss für Kultur und Medien verdeutlichte, seien die Fördermittel und auch die Zahl der zu fördernden Projekte begrenzt. Nicht alle Förderanträge könnten positiv beschieden werden. Kürzungen seien unvermeidlich. Das erscheint der AfD grundsätzlich ebenso bedauerlich wie aber auch zutreffend. Aus ästhetischen und künstlerischen Gründen bedauerlich ist Geld aber auch der Nervus Rerum Actium, das Grundgerüst der Kunstexistenz in der realen Sphäre. Und wenn die Wirtschaft mit der Grundsäule Industrie durch allerlei Transformationshysterie und sonstigen falschen Maßnahmen in die Knie gezwungen wird, dann schlachtet man die Kuh, die man melken will, dann versiegt die Quelle, deren Trank auch die Musen am Leben erhält. Verantwortlich erscheint mir, wo das eben angesprochen worden ist, aus der Ampelregierung aber gar nicht mal so sehr der Finanzminister wie vielmehr der Wirtschaftsminister. Ein Lichtblick bleibt: Das auch von uns unterstützte Kinderprogramm JeKits, das ja auch Tanzen umfasst, ist – soweit bekannt – von den Kürzungen nicht betroffen, Kürzungen, die optimalerweise nur zeitlich begrenzt gemeint sein können. 05.06.2025 Bei allen Kürzungen muss aber immer beachtet werden, dabei Strukturen nicht zu zerstören, die nachher nicht wieder aufgebaut werden können. Das alles galt, bevor die Koalitionsverhandlungen von SPD und CDU das gigantische Schuldenprogramm gebaren. Ob es wenigstens vermag, den hier befürchteten Kürzungsnöten entgegenzuwirken, muss sich noch zeigen. Bis zur Debatte im Ausschuss – eine Anhörung wird es ja sicher auch geben – könnte sich die Entwicklung deutlicher abzeichnen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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