Klaus Hansen
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal möchte ich mich bei der SPD und vor allen Dingen bei Ihnen, Frau Kahle-Hausmann, für den vorliegenden Antrag bedanken – nicht nur, weil es ein wichtiges Thema ist, sondern auch, weil mit mir unzählige weitere Imker in Nordrhein-Westfalen mit ihren Bienenvölkern betroffen sind. Seit 2004 haben wir Kenntnis darüber, dass die Asiatische Hornisse in Frankreich angekommen ist. Seit 2014 breitet sie sich bei uns in Deutschland unkontrolliert aus. Seit 2016 ist die Asiatische Hornisse unionsweit als invasive gebietsfremde Art gelistet und somit auch zu bekämpfen. Es besteht durch die EU-Verordnung Nr. 1143/2014 sogar eine Pflicht zur Früherkennung und zur wirksamen Bekämpfung. Nun einmal zu unserer aktuellen Problematik, die wirklich ernst zu nehmen ist. Hierbei geht es nicht nur um Honig und die Arbeit unserer Imker, sondern um einen zu erwartenden bedrohlichen volkswirtschaftlichen Schaden, den die Asiatische Hornisse in Nordrhein-Westfalen, aber zunehmend auch in ganz Deutschland anrichten kann. Unsere Aufgabe im Landesparlament ist es, die Gefahr und die damit zusammenhängende Problematik klar zu benennen und dann eine Lösung zu finden. Das Problem liegt in der Intensität der Bedrohung durch diese Art. Die Uni Hohenheim hat bereits 2020 eine diesbezügliche Schätzung vorgelegt und ausgerechnet, dass der ökonomische Wert der Bestäubungsleistung durch Bienen und andere Insekten in Deutschland bei etwa 2 Milliarden Euro pro Jahr liegt. Ich glaube, dass damit die enorme Bedeutung der Honigbienen einerseits für die Artenvielfalt und andererseits für unsere Volkswirtschaft allen eindeutig klar ist. Jetzt kommt die Asiatische Hornisse ins Spiel, die als Invasor unsere Bienenvölker bedroht. Wenn es um die Aufzucht von deren Brut geht, gehört unsere heimische Westliche Honigbiene zum Nahrungsspektrum der Asiatischen Hornisse. Die Biene macht einen Großteil, bis zu 80 %, von deren Beute aus. Durch die extreme Ausbreitung und das Nahrungsverhalten dieser Hornisse kommt es nicht nur bei den Bienen unserer Imker, sondern auch bei den Beständen von Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten zu extremen Verlusten. Das ist uns allen seit Jahren bekannt. Was bedeutet das nun konkret? Ein hoher Verlust bei unseren Honig- und Wildbienen bedeutet nicht nur einen Verlust an Biodiversität, sondern durch die verringerte Bestäubungsleistung in erster Linie auch einen wirtschaftlichen Schaden im Bereich der Landwirtschaft, des Obst-, Wein- und Gemüseanbaus. 27.03.2025 Wir sehen also, dass die unkontrollierte Ausbreitung dieser Asiatischen Hornisse nicht nur die Biodiversität bedroht, sondern auch die Auswahl an Produkten, die wir bis jetzt noch in unserem Supermarkt vorfinden. Damit könnte ein mittlerweile nicht zu unterschätzender volkswirtschaftlicher Schaden entstehen, dessen endgültige Größe und Wert uns aktuell noch gar nicht bekannt ist. Nun hören wir aktuell aus dem Umweltministerium in Berlin, dass die Asiatische Hornisse von Art. 16 der Unionsliste, der die Pflicht zur Bekämpfung beschreibt, zu Art. 19 zurückgestuft wird, wo es heißt, dass ein fakultatives Management anzuwenden sei. Dieses komplett falsche Signal – ein Signal der Aufgabe und des Hinnehmens – ist so nicht zu akzeptieren. Aktuell liegen uns noch nicht viele empirische Belege für die Auswirkungen auf die Biodiversität vor. Gerade hier sehe ich die Gefahr, dass wir abwarten, bis wir die Belege haben. Dann ist es vielleicht zu spät, um diese Hornisse effektiv zu bekämpfen. Wir haben jetzt die Chance, aus den Fehlern zum Beispiel der Neuseeländer zu lernen. Die Einfuhr der Gemeinen Wespe nach Neuseeland hatte eine verheerende Wirkung auf die dortige Tier- und Pflanzenwelt. Sie stellt inzwischen für zahlreiche Insektenund Vogelarten ein ernstzunehmendes Problem dar. Daher ist es richtig, dass wir uns mit der Gefahr, die von der Asiatischen Hornisse ausgeht, ernsthaft auseinandersetzen. Die Meinung der Imkerverbände ist diesbezüglich weiterhin eindeutig und unmissverständlich. Die Asiatische Hornisse ist und bleibt eine invasive Art, die unsere Honigbienen bedroht und bekämpft werden muss. Hier müssen wir eine ähnliche Gewichtung der Problematik vornehmen, wie wir sie aus dem Bereich der pflanzlichen Erreger und Krankheiten im Warenverkehr kennen. Daher stimmen wir der Überweisung an den Fachausschuss sehr gerne zu und wünschen uns zu diesem Thema eine Anhörung, um die daraus erworbenen Erkenntnisse zielgerichtet und wirkungsvoll umzusetzen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN und der SPD)
