Christof Rasche
Für die Landesregierung hat nun Minister Karl-Josef Laumann das Wort. Bitte sehr. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein paar Anmerkungen aus Sicht der Landesregierung: Erstens. Wir haben in Nordrhein-Westfalen zum ersten Mal seit vielen Jahren mehr junge Menschen mit unterschriebenen Ausbildungsverträgen im ersten Ausbildungsjahr als Menschen, die sich für ein Studium eingetragen haben. Es gibt zum ersten Mal seit vielen Jahren mehr Ausbildungsverträge als Menschen, die ein Studium beginnen. Das zeigt, dass nicht alles verkehrt gewesen sein kann, was über viele Jahre in dieser Frage in unseren Schulen, aber auch nach der Schule gemacht worden ist, um die Findung eines vernünftigen Berufswunsches bei jungen Menschen zu fördern. Zweitens. Wir sind das einzige Bundesland in Deutschland, das die gesamte ÜBL zu einem Drittel finanziert. Das macht kein anderes Land. Wir sind ein Bundesland, das sich entschieden hat, einen absoluten Schwerpunkt zu setzen – damit haben wir gerade erst angefangen –, indem wir Menschen als Coaches in die Berufsschulen schicken, damit wir vor allen Dingen in den Übergangsklassen einen besseren und schnelleren Übergang in eine Ausbildung erreichen. Dafür setzen wir, wenn ich es richtig im Kopf habe, jedes Jahr rund 10 Millionen Euro ein. Drittens. Wir haben die Meisterprämie eingeführt, um als Land Nordrhein-Westfalen zu zeigen, dass uns akademische und berufliche Bildung gleich wichtig sind. Dass das Handwerk für unser Land ein ganz wichtiger Wirtschaftsbereich ist, muss ich nicht noch einmal betonen, das wird hier andauernd gesagt. Es ist auch richtig, dass die Handwerksberufe sehr schön sein können. Das kann ich bestätigen, weil ich schließlich mal Landmaschinenschlosser gelernt und den Beruf 15 Jahre gemacht habe. Ich finde immer noch, dass Trecker ziemlich schöne, ästhetische Maschinen sind. (Heiterkeit von Matthias Kerkhoff [CDU]) Ich kann Ihnen aber sagen, dass wir auch weiterdenken dürfen. Deswegen finde ich es gut, dass wir darüber im Ausschuss reden. 20.02.2025 Ich glaube aber, wir müssen ein bisschen aufpassen – das ist meine persönliche Meinung –, dass wir nicht jedes Jahr neue und mehr Angebote schaffen und anschließend nur noch ein Wirrwarr an Angeboten haben. Wir müssen grundsätzlich darüber reden: Was soll das ersetzen, wenn man das macht? Ich glaube auch nicht, dass die Zukunft unbedingt – auf jeden Fall nicht im Regelfall – in Langzeitpraktika liegen darf, sondern mit den Praktikamöglichkeiten, die es heute gibt, sind schon gute Voraussetzungen dafür geschaffen worden, dass die jungen Menschen wissen, auf was sie sich letzten Endes einlassen, wenn sie sich für ein bestimmtes Gewerk entscheiden. Ich will zum Schluss noch etwas anderes sagen. Es wird immer wieder von Abbruchquoten zwischen 25 und 30 % gesprochen; es ist ein bisschen unterschiedlich. (Thorsten Klute [SPD]: 40!) Ich will nur darauf hinweisen, dass es das überall gibt. Wir sehen das bei den Universitäten, bei den Fachhochschulen etwa in diesen Bereichen, in der dualen Ausbildung, in der Pflege, und ich habe in dieser Woche gelesen, dass wir das selbst in der Polizeiausbildung haben. (Thorsten Klute [SPD]: In der Pflege haben wir 40 %!) Das liegt auch daran, dass junge Menschen, wenn sie sehen, dass das nicht das Richtige ist, heute Alternativen haben. Die jetzige junge Generation hat den großen Vorteil, dass sie in vielen Bereichen Alternativen hat, was nicht immer so war. Wenn man den Babyboomern angehört, hat man als junger Mensch eine andere Zeit erlebt. Deswegen finde ich, dass wir alles etwas – wie soll ich das sagen? – normaler sehen sollten. Meine Lebenserfahrung ist, dass es für ein glückliches Menschenleben ziemlich wichtig ist, einen Beruf zu haben, der zu der eigenen Persönlichkeit passt. Ich will deswegen niemanden überreden, einen bestimmten Beruf zu erlernen. Wichtig ist, dass Menschen in ihrem Leben irgendwann zu der Erkenntnis kommen: Welcher Beruf passt am besten zu meiner Persönlichkeit? Das ist auch eine Voraussetzung, um am Ende vielleicht zu denken: Ich habe ein gutes Leben gehabt. – Die Arbeitswelt hat schlicht und ergreifend sehr viel damit zu tun, weil wir dort Gott sei Dank einen gewichtigen Teil unserer Lebenszeit verbringen dürfen. – Schönen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
