Lena Teschlade
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist richtig, die Zahl der Auszubildenden geht in Nordrhein-Westfalen seit vielen Jahren zurück, und dabei ist ganz besonders das Handwerk betroffen. Gab es 2014 noch knapp 81.000 Auszubildende, waren es 2023 nur noch knapp 75.000. Das ist ein Rückgang von knapp 7 %. Zeitgleich wissen wir, dass es eine immer höhere Nachfrage nach Handwerkerinnen und Handwerkern gibt, die vielerorts nicht mehr gedeckt werden kann. 20.02.2025 Seit 2009 steigt die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze bundesweit kontinuierlich an. Doch auch die Zahl der Schulabgängerinnen, die gerne eine Ausbildung beginnen würden, aber keinen passenden Platz finden, ist gestiegen. Auf 73.444 unbesetzte Ausbildungsplätze kamen 26.000 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber. Theoretisch gibt es also ein ausreichend großes Angebot, aber Angebot und Nachfrage kommen eben oft nicht zusammen. Das hat etwas mit regionalen Verteilungen zu tun, aber auch mit Erwartungen an die Qualifikation der Azubis. Das ist ein Problem, das in diesem Antrag ganz klar adressiert wird. Die Berufsorientierung stellt dabei einen ganz wichtigen Punkt dar. Die Auflösungsquote von Verträgen im Bereich der dualen Ausbildung lag zuletzt bei fast 30 %. Wir müssen allerdings vorsichtig sein und dürfen die Schuld dafür nicht „nur“ bei den jungen Menschen suchen. Wir wissen, dass die Ausbildungsbedingungen im Handwerk oft schwierig für junge Menschen sind und dass sie sich deshalb entscheiden, die Ausbildung wieder abzubrechen. Es liegt häufig auch daran, dass es gerade in den handwerklichen Ausbildungsberufen keine pädagogische Begleitung im Bereich der Berufsorientierung gibt. Eine Idee, die bereits im Raum Lübeck ausprobiert wird, ist das hier im Antrag beschriebene Freiwillige Handwerksjahr. Der Vorteil liegt dabei klar auf der Hand: Junge Menschen haben die Chance, in verschiedene Berufe hineinzuschnuppern und sich eine fundierte Meinung zu bilden, ob der Beruf zu ihnen passt. Das ist aus unserer Sicht eine wichtige und unterstützenswerte Forderung, die insbesondere von der Handwerkskammer kommt. Es ist aber auch wichtig, wie der Kollege Schmitz gerade schon gesagt hat, dass wir uns genau angucken, ob ein freiwilliges Handwerksjahr der richtige Weg ist und wie es vergütet wird. Diesen Aspekt haben wir heute noch gar nicht angesprochen. Auch der DGB sagt das immer sehr deutlich. Wir haben im Moment in den Ausbildungsberufen in NRW eine durchschnittliche Vergütung von ungefähr 790 Euro. Bei diesem Pilotversuch im Handwerksjahr wären es 450 Euro Aufwandsentschädigung. Da muss man sich schon die Frage stellen, ob die jungen Menschen davon leben können und, wenn sie es nicht können, was wir alternativ noch dazugeben können. Aus diesem Grund fände ich es sehr gut, wenn wir uns mit dem Projekt im Ausschuss beschäftigen, darüber diskutieren, Expertinnen und Experten dazu anhören und dann gemeinsam beraten würden, wie man es in Nordrhein-Westfalen umsetzen könnte oder was wir noch besser als in Lübeck machen könnten, um die Situation für junge Menschen zu verbessern. Landtag Der Überweisung stimmen wir selbstverständlich zu. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)
