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Christof Rasche

19.12.2024 Sitzungen 18/85

Für die Landesregierung hat nun Ministerin Silke Gorißen das Wort. Bitte sehr. 19.12.2024 Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete der demokratischen Fraktionen! Wenn wir über den Wald reden, weckt das sofort Assoziationen bei jedem von uns. Jeder hat automatisch Bilder vor Augen, doch diese Assoziation von Wald ist meistens viel zu klein, denn Wald ist mehr als die Ansammlung von Bäumen. Wälder sind Ökosysteme mit zahlreichen Organismen, die wiederum untereinander komplexe Beziehungssysteme ausgebildet haben. Wenn wir ernsthaft über den Wald reden, müssen wir gerade diese Beziehungsnetze in den Fokus rücken, denn sie sind die Grundlage des Walderhalts. Unsere Waldinventuren und auch -zustandsberichte liefern uns nur einen Bruchteil der Informationen, die notwendig wären, um den Waldzustand vollständig zu erfassen. Schon diese wenigen Informationen zeigen aber eindeutig: Unsere Waldökosysteme in Nordrhein-Westfalen sind unter Druck. Das ist ernst zu nehmen, wenn Sie an die vielfältigen Funktionen des Waldes für unser Klima, für unsere Umwelt und auch für unsere Gesellschaft denken. Klimaschutz, Erholung, Biodiversitätsschutz, Schutz vor Lärm, Luftverschmutzung und Hochwasser, aber auch die Kühlungs- und Frischlufteffekte der Stadtwälder und nicht zuletzt die nachhaltige Holznutzung sind ohne funktionierende Waldökosysteme gerade in der Zukunft nicht denkbar. Der Erhalt der Waldökosysteme ist Daseinsvorsorge pur und steht für generationenübergreifende Verantwortung, die wir wahrzunehmen haben. Seit 2018 erleben wir mit Dürrejahren und Borkenkäferkalamität die größte Krise dieser Daseinsvorsorge in der Waldgeschichte dieser Region. Wir haben einen klaren Auftrag. Angesichts des Klimawandels müssen wir unsere Waldökosysteme stärken. Es geht um die Wiederbewaldung der Schadflächen und auch um den Aufbau klimaanpassungsfähiger Mischwälder, und zwar auf Grundlage der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Seit mehreren Jahren baut die Landesregierung die nötigen Grundlagen hierfür systematisch aus. Dies beinhaltet Forschung, Wissenstransfer und digitale Instrumente. Wir sind bereits auf einem guten Weg, aber uns ist bewusst, dass in Zeiten des Klimawandels der Wissenschaft bei der Weiterentwicklung der Wissensgrundlagen zu den Waldökosystemen und ihrer Bewirtschaftung eine Schlüsselrolle zukommt. Diesbezüglich besteht noch erheblicher Forschungsbedarf. Natürlich haben wir in Nordrhein-Westfalen bereits mehrere Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die sich in unterschiedlicher Intensität mit unseren Wäldern und ihrer nachhaltigen Bewirtschaftung befassen. Dieses wissenschaftliche Know-how wollen Landtag wir durch das Forschungsnetzwerk Wald NRW bündeln. Darüber hinaus möchten wir an einer Hochschule die Forschung im Bereich der Waldökosystemleistungen zielgerichtet ausbauen und stärken. Die Forschung soll einen praktischen Nutzen für die forstliche Praxis haben und auf die Region ausgerichtet sein. So verbessern wir auch die Aus- und Weiterbildung für die Akteure der Forstwirtschaft. Die Gründung eines wissenschaftlichen Instituts für Waldökosystemforschung gemeinsam mit einer Hochschule in Nordrhein-Westfalen bietet dafür eine Möglichkeit. Die Hochschulen entscheiden im Rahmen der Hochschulautonomie eigenständig über ihre Lehre und Forschung. Die Fachhochschule Südwestfalen möchte die Forschung zum Thema Wald ausbauen, und das Zentrum für Wald und Holzwirtschaft ist in NRW im Waldbereich die zentrale Einrichtung für Wissenstransfer, Aus- und Weiterbildung und angewandte Forschung. Deswegen liegt es nahe und ist absolut sinnvoll, dass diese beiden Einrichtungen ein entsprechendes Konzept erarbeiten. Dabei ist eine enge Zusammenarbeit mit dem etablierten Forstlichen Bildungszentrum für Waldarbeit und Forsttechnik in Arnsberg unverzichtbar. Ein solches Institut sollte die Aus- und Weiterbildungsangebote stärken sowie die Nachwuchskräftegewinnung des Landesbetriebes Wald und Holz, der Kommunen, der Forstbetriebsgemeinschaften, der Waldgenossenschaften und der Forstunternehmer unterstützen. Die Landesregierung hat hierzu bereits konzeptionelle Vorüberlegungen angestellt. Nun gilt es, gemeinsam mit der Hochschule und dem Zentrum für Wald und Holzwirtschaft konkrete Umsetzungen und Schritte zu prüfen. Denn wie eingangs gesagt, haben wir einen ganz klaren Auftrag: Wir müssen die Zukunft unserer Wälder gestalten – wissenschaftlich fundiert, praxisnah und zukunftsorientiert. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der FDP)

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